Digistoteles Episode 003 – Digitaldemokratie

Muss unsere Demokratie digital werden?

Digitalisierung verändert ja angeblich alles – also auch unser Demokratieverständnis? Darum geht es in der Episode 3 von Digistoteles.

Bevor Veränderungen diskutiert werden, sollte zunächst einmal klar sein, was denn die Grundlagen von Demokratie heute sind: in freien und geheimen Wahlen werden Volksverteter für einen bestimmten Zeitraum gewählt, die einem Parteiensystem angehören. Anders ausgedrückt: wir alle beauftragen für einen recht langen Zeitraum (4 bis 5 Jahre je nach Wahl) Parteiverteter, die die größte Schnittmenge mit unseren eigenen Überzeugungen und Wertvorstellungen haben – und hoffen, dass sie bei allen zum Zeitpunkt der Wahl noch unbekannten Ereignissen schon so ungefähr in unserem Sinne agieren werden.

Die Liste der Ereignisse, wo genau dies nicht passiert – also der Wähler sieht seinen Wahlauftrag als nicht erfüllt an – ist lang: von den großen Themen der Migration bis hin zu lokalen Projekten wie Stuttgart 21. Einige wenige entscheiden und viele fühlen sich nur als “Stimmvieh” missbraucht – es knallt! Was könnte man dagegen tun?

Digitale Abstimmungen über Themen statt Wahlen? Wozu dann noch Parteien?

Mit anderen Worten: mehr Volksabstimmungen! Die Schweiz wird von den Befürwortern als Beispiel hergenommen, “Brexit, Brexit!!” halten die Gegner dagegen. Ein Selbstläufer sind Volksabstimmungen also nicht, sondern es müssen Regeln definiert werden:

  • Bottom-up (Schweiz) oder auch Top-down (Brexit) Abstimmungen erlauben?
  • Über was genau darf abgestimmt werden? Wie können Suggestivfragen verhindert werden?
  • Wie kann verhindert werden, dass aktuelle Stimmungen (z.B. nach einem Terroranschlag) von Populisten ausgenutzt werden?

Und da unser Thema ja die Digitalisierung im Fokus hat, fragen wir uns, ob und wie Technologien hier sinnvoll eingesetzt werden können? Von grundsätzlichen Fragen wie:

Ist e-Voting sicherer oder unsicherer als analoge Wahlverfahren?

.. oder vielleicht ganz ungeeignet? Um es vorweg zu nehmen, wir sind uns selber nicht einig in diesem Punkt. Egal ob analog oder digital, “klassische Wahlen von Volksvertretern” oder “Volksabstimmung” es muss sichergestellt sein, dass Wahlen

  • frei

Wie kann eine Einflußnahme Dritter ausgeschlossen werden bei der Stimmabgabe? Entweder durch Stimmenkauf oder durch Ausübung von Druck? Und müssten dann nicht Briefwahlen verboten werden?

  • geheim

(bei e-Voting: wie kann sichergestellt werden, dass der Wählende wirklich der ist, der er vorgibt zu sein und wie kann dann nachher die Stimmabgabe von der Identität getrennt werden? Auch hier stellt sich wieder die Frage nach den Briefwahlen

  • gleich

sind.

Wenn Euch diese Themen interessiert, hört rein uns lasst uns wissen, was Ihr denkt? Haben wir wichtige Aspekte vergessen?

Hier noch ein paar Links, die wir im Podcast versprochen haben:

Hinweis von Arnd: Tom Scott fasst für Computerphile sehr übersichtlich die Probleme mit eVoting – oder Cybervoting – zusammen: https://youtu.be/w3_0x6oaDmI

ctrlV007 - Digitale Demokratie

Shownotes

In dieser Folge unterhalten sich Doro, Ralph und Arnd über die möglichen Auswirkungen der Digitalisierung auf Demokratie, Wahlen und Abstimmungen – teilweise durchaus kontrovers.

Episoden-Download

Kontributoren

Kontrollverlust FM
avatar Ralph Siepmann
avatar Dorothee Töreki
avatar Arnd Layer

Digistoteles Episode 002: Die digitale Transformation als Rettung der SPD?

Die konsequent digitale Gesellschaft – Aufforderung zur Neuerfindung der SPD

Die zweite Episode befasst sich direkt mit den ganz großen gesellschaftlichen Themen: Warum stellt eine digitale Gesellschaft alle bisher bekannten Strukturen in Frage und warum sollte die SPD die Chance nutzen und eine Vision für die Welt von morgen erstellen?

Klimawandel und endliche Ressourcen der Erde zwingen die Menschheit, anders zu wirtschaften als bisher – und die konsequente Nutzung der digitalen Technologien sind unsere einzige Chance, diese Aufgabe zu meistern. Dennoch stehen die großen Umwälzungen wir ein rosa Elefant im Raum: alle sehen es, aber keiner geht das Thema an. Denn dann würden alle bekannten Strukturen in Frage gestellt. Für Politiker auf Wählerfang wird das als sicherer Weg in den Untergang gesehen – denn wir Bürger wollen ja (scheinbar) im sicheren Kokon der Wohlstandsgesellschaft verweilen.

Dabei ist die Sehnsucht nach echten Visionären groß und hier könnte eine Chance für die SPD liegen. Übrigens nicht nur für die SPD, aber hier ist der Leidensdruck gerade am größen. Die klassische Arbeiterpartei ist aus der Zeit gefallen und die alte Klientel wandert wahlweise zur AfD oder zu den Linken ab. Vielleicht könnte diese Krise eine Chance zur Neuerfindung sein.

Freiheit, Gleichheit, Solidärität – die alten Werte mit neuem Leben füllen

Warum die alten Werte der Partei “Freiheit, Gleichheit, Solidarität” nichts von Ihrer Strahlkraft verloren haben, darum geht es in unserer heutigen Episode. Sie könnten das Leitbild für die Vision unserer Gesellschaft von morgen sein. Wenn Maschinen unsere langweiligen Routineaufgaben erledigen, könnte sich ein alter Menschheitstraum erfüllen: Wir können unsere Lebenszeit mit Sinn füllen anstatt mit Broterwerb. Dafür muss allerdings unser Bildungs- und Steuersystem und der Begriff von Arbeit ganz neu gedacht werden.

Dies ist ein schwerer Weg, denn er ist mit viel Unsicherheit und Umwälzungen verbunden. Etwas, das die meisten Menschen nicht mögen. Aber seien wir ehrlich zu uns selber: eine andere Alternative haben wir nicht – denn die Welt wird sich weiterdrehen auch wenn wir stehenbleiben.

Diskutiert mit, sagt uns unsere Meinung und über einen Bewertung auf Apple Podcasts freuen wir uns natürlich auch.

ctrlV006 - Die SPD

Shownotes

Momentan stehen die fundamentalen Veränderungen der Digitalisierung wie ein rosa Elefant im politischen Raum. Außer ein bisschen Kosmetik (Breitbandausbau, Tablets an Schulen) wird das Thema gescheut, obwohl wir Bürger eine echte Auseinandersetzung der Politik mit dem Thema herbeisehnen. Eigentlich die Chance für die SPD, die momentan für nichts mehr richtig steht und deshalb auch im Umfragekeller ist. Dabei können die alten und immer noch so strahlkräftigen Werte wie “Freiheit, Gleichheit, Solidarität” den Weg weisen, wenn sie denn einmal in die digitale Welt gedacht würden: Wenn Maschinen Routinearbeiten erledigen, müssen wir unser Steuersystem und den Begriff von Arbeit und Bildung komplett neu denken. Die Zeit drängt, denn auch unser Planet macht Druck: Klimawandel und endliche Ressourcen können nur mit konsequentem Einsatz digitaler Technologien gelöst werden – ein weiter so des steten Wachstums wird es nicht mehr geben. Schaltet rein und gebt Euch für 30 Minuten unsere Sichtweise auf diese Themen auf die Ohren.

Episoden-Download

Kontributoren

Kontrollverlust FM
avatar Ralph Siepmann
avatar Dorothee Töreki
avatar Arnd Layer

Digistoteles Episode 001 – Wir stellen uns vor

Digistoteles – der Podcast zur Digitalisierung

Wir machen weiter – und zwar richtig. Auch uns hat das Podcast Fieber erwischt. Es wird nun regelmäßig alle zwei Wochen immer sonntags eine neue Folge zu allen Facetten der Digitalisierung geben. Wir wollen nichts auslassen: Von Technologie (klar, macht ja jeder) zu Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Philosophie und Zukunftstheorien und natürlich die unendlichen Verknüpfungen dazwischen.

An Themen wird es uns also nicht fehlen – wir haben schon eine gute Liste zusammen. Lasst Euch überraschen.

Was uns wichtig ist:

Wir werden alle Themen konkret, prägnant und – wenn es sich ergibt – auch kontrovers besprechen. Angereichert mit Storytelling, wir wollen Euch ja nicht langweilen.

Schaltet also Apple Podcast, SoundCloud oder Spotify ein und gebt uns auf die Ohren – auf dem Weg zur Arbeit, beim Einschlafen oder wo auch immer ihr uns hören mögt. In der ersten Episode könnt Ihr uns erstmal kennenlernen: wer sind wir und warum glauben wir überhaupt, zur Digitalisierung etwas Interessantes beitragen zu können.

Und wir freuen uns über Kommentare und Vorschläge zu neuen Episoden.

ctrlV005 - Wer wir sind

Shownotes

Doro, Ralph und Arnd haben sich wieder zusammen gefunden, um Podcasts aufzunehmen. Seid gespannt auf die neuen Folgen, die wir planen.

Episoden-Download

Kontributoren

Kontrollverlust FM
avatar Ralph Siepmann
avatar Dorothee Töreki
avatar Arnd Layer

Eine persönliche Geschichte über die Macht der Verletzlichkeit

Vor ein paar Tagen bin ich auf eine Google Studie gestoßen, die der Frage nachgegangen ist, was erfolgreiche Teams ausmacht. Im Grunde war nichts ganz Neues dabei, dennoch hat ein Punkt einen Nerv bei mir getroffen: Es ging um den (schon lange bekannten) Fakt, dass Menschen am produktivsten sind, wenn sie ein Gefühl der Sicherheit haben. Und das haben sie, wenn es akzeptiert wird, Fehler machen zu dürfen. Fehler machen heißt, nicht perfekt zu sein – heißt, Schwächen einzugestehen oder Risiken einzugehen. Das hat mich an eine konkrete Geschichte aus meiner Zeit bei IBM erinnert:

Damals hatte ich mich thematisch einem neuen Thema zugewandt. Der Erfolg hing davon ab, dass nicht nur ich das Thema spannend fand, sondern ich musste auch bei Kollegen und Kunden Begeisterung wecken. Ein erster Prüfstein war eine große europaweite Schulung in Athen. Ich hatte mein Thema als Vorschlag eingereicht und es wurde von den Kollegen unter die Top 3 gewählt – damit war klar: ich muss „On Stage“. In englischer Sprache ein neues Thema vor diskussionsfreudigen kritischen Kollegen vortragen. Also nicht zwingend ein Heimspiel, sondern etwas, was einen sehr weit aus der Komfortzone holt.

„Das schaffst Du schon“ hilft nicht weiter, wenn einem die Knie zittern

Jetzt ist es nicht so, dass ich aus meinem Herzen eine Mördergrube mache. Ich hatte Kollegen schon meine Aufregung mitgeteilt und viele liebe verbale „Schulterklopfer“ bekommen. „Das schaffst Du schon.“ Aber einen echten Wendepunkt für alle künftigen kritischen Termine und Situationen hat ein Gespräch mit meinem lieben Kollegen und guten Freund Ralph Siepmann gebracht.

Ich: „Das wird morgen eine Katastrophe, vor mir spricht Kollege XXX. Der ist einer unserer Besten, English native Speaker und der ist auch noch witzig. Wenn ich einen Witz mache, reagieren alle nur mit einem verlegenen höflichen Lächeln.“

Ralph: „Entspann Dich doch mal und akzeptiere Dich, wie Du bist. Stell Dich vorne hin und sage: Ich bin nicht witzig. Aber wenn ihr was über die Zusammenhänge der Digitalisierung hören wollt, dann bleibt sitzen und hört mir zu. Keiner (!) wird Dir das übel nehmen, im Gegenteil – Du wirst die Herzen gewinnen, denn Du bist authentisch und steht zu Deinen Schwächen.“

Wer Schwächen zeigt, ist wahrhaftig und berührt Menschen

Ich habe noch oft an dieses Gespräch gedacht, erst nach Jahren habe ich verstanden, dass dies ein Schlüsselmoment für mich war. In Rhetorikschulungen wird oft gesagt: „Entscheidungen werden nicht über den Verstand, sondern über Emotionen getroffen. Also berührt Eure Zuhörer.“ Das sagt sich nur immer so leicht. Die wenigsten Vorträge oder Meetings lösen wirklich langfristig etwas aus in einem – schon beim Verlassen des Raumes haben wir das Meiste wieder vergessen. Als ich so darüber nachsann, welcher Vortrag mir wirklich lange im Gedächtnis geblieben ist, fiel mir die Microsoft TechEd2013 in Madrid ein – eine Nerd-Veranstaltung zu rein technologischen Themen. Einer davon wurde von einer herausragenden Expertin von Cloud-Architekturen gehalten – die Sprecherin war sichtlich aufgeregt und nicht gewohnt, vor mehreren tausend Leuten über ihr Thema zu referieren. Sie begann mit dem Satz: „Ich hasse es, im Rampenlicht zu stehen – ich bin aufgeregt. Aber ich habe heute etwas zu erzählen, dass mir das alles wert ist.“ Damit hat sie von Beginn an eine Verbindung zwischen sich und dem Publikum hergestellt, die dann nicht mehr abgerissen ist. Ich kann heute noch wesentliche Inhalte dieser Session wiedergeben.

Unser aller Urangst, es nicht wert zu sein, gemocht zu werden.

Und dann wurde ich auf die Soziologin Brené Brown aufmerksam, die mir ihrem berühmten TED-Talk, „The Power of Vulnerability“ genau das auf den Punkt bringt. Menschen, die tiefe Beziehungen zu anderen aufbauen können, haben alle zwei Eigenschaften gemein:

  • Die Großzügigkeit sich selber gegenüber, nicht perfekt zu sein
  • Verletzlichkeit zuzulassen (was unmöglich ist ohne Großzügigkeit zu sich selbst)

Heisst angewandt auf meine Geschichte in Athen: Kein perfektes Auftreten zu haben und trotzdem auf die Bühne steigen. Aufgeregt sein und es zuzulassen. Nicht allwissend zu sein, aber genug für ein Thema zu brennen, um trotzdem mit anderen seine Gedanken zu teilen.

Der Einsatz: das Risiko einzugehen, Scham zu empfinden – eines der schlimmsten Gefühle, die wir Menschen kennen. Sich komplett zu blamieren – für alle Zeiten in die Geschichte einzugehen, als diejenige, die damals auf der Schulung komplett versagt hat oder vielleicht noch schlimmer, über die sich alle lustig gemacht haben.

Der Gewinn: das pure Glück, andere begeistern zu können. Anerkennung zu bekommen. Und abseits dieses Beispiels natürlich auch, echte – wahrhaftige – Verbindungen mit anderen aufzubauen.

Nur eine Seite der Medaille haben zu wollen, funktioniert leider nicht

Die Erkenntnis aus dieser Geschichte: Nur eine Seite der Medaille haben zu wollen, funktioniert nicht. Entweder ich lasse Gefühle zu – oder ich lasse gar keine zu. Mit allen Konsequenzen. Und ja – das Leben ist nicht immer schwarz oder weiß. Man hat nicht immer Gespräche, Begegnungen, Vorträge, in denen man mit seinem Charisma alle umwirft oder sich komplett blamiert. Darum geht es mir auch nicht.

Meine Lektion für mein Leben ist – wer anderen etwas vorspielt, das er nicht ist, wird keine echten Verbindungen aufbauen. Wir haben nämlich alle ein Gespür für Wahrhaftigkeit.

Hat das etwas mit Digitalisierung zu tun? Mir kommen da natürlich direkt die „FuckUp Nights“ in den Sinn mit dem Motto „Live Life without Filter“. Immer wieder wird darüber berichtet, wie inspirierend die Menschen und ihre Geschichten empfunden wurden: der Grund – siehe oben. Es ist also folgerichtig, dass diese Veranstaltungen mittlerweile auch Einzug in Unternehmen halten. Am Ende des Tages doch eine Frage von echter Führung und was Bedingungen sind, unter denen wir alle unser Bestes geben können und bereit sind, das unbekannte Terrain der digitalen Welt zu betreten. Damit hat sich der Kreis geschlossen.

Design Thinking in der Organisation mit verteilten Teams

Eines der Grundprinzipien für den Erfolg in der heutigen Welt ist, wir müssen Innovationen beschleunigen und nicht Menschen. Ergebnisse anstelle Aktionismus. Ziemlich unbestritten hat Design Thinking hier einen festen Platz in vielen Unternehmen eingenommen – nicht nur in der Produktentwicklung.

Ich stelle mir schon länger die Frage (und teste gerade verschiedene Varianten), wie man Design Thinking auch remote durchführen kann. Selbst wenn ein inspirierender Raum für ein Team eigentlich zwingend dazu gehört, das skaliert eben nicht immer. Spätestens nach der “Ideation” Phase muss man auch verteilt arbeiten können. Für die virtuellen Tafeln hat sich ja Mural schon einigermaßen durchgesetzt. Allerdings müssen Abstimmungen auch komplett remote möglich sein und die Ergebnisse oder Erkenntnisse dann organisiert abgearbeitet werden können.

Ich benutze schon seit einiger Zeit Trello als “Personal Kanban Board”. In der modernen Aufgabenverwaltung gibt es (für mich) keine bessere Darstellungsweise, um die Aufgaben des Teams zu organisieren. Dies gilt vor allem für selbstorganisierende (selbstverantwortliche) Teams. Machen wir also einen kleinen Ausflug in die Kanban Welt.

Kanban beschreibt eine visuelle und effektive Methode des Aufgabenmanagements. Die Ursprünge dieser Methode liegen beim japanischen Autobauer Toyota und der Begriff Kanban bedeutet übersetzt so viel wie “Signalkarte”. Design Thinker werden sich also wohl fühlen, wenn man auch hier mit Karten arbeitet 🙂

Kanban ist kurz gefasst eine visuelle Methode zur Bearbeitung innerhalb einer Wertschöpfungskette. Letztendlich sollte es ja auch um die Wertschöpfungskette gehen, in der Theorie des Lean Management. Verschiedene Spalten stellen in Kanban unterschiedliche Status dar, wobei die erste Spalte den Anfangszustand einer Aufgabe darstellt – egal was es ist, wegen mir einfach nur eine Idee. Neue Aufgaben, in Form einer Karte, werden zuerst in dieser ersten Spalte abgelegt, und durchlaufen während der Bearbeitung die verschiedenen Status-Spalten des Kanban-Boards. Der große Vorteil hiervon: Es entsteht ein klarer Prozess zum Bearbeiten der Aufgaben. Teammitglieder wissen genau, was zu tun ist, wie ihre Arbeit mit derer anderer Personen in Verbindung steht und sie können in Echtzeit gemeinsam und gleichzeitig Projekte bearbeiten. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte heißt es.

Foto: Kanban Board zur Entwicklung eines AI Anwendungsfalles mit Design Thinking

Ich habe eine Idee die ich mit Kollegen evaluieren möchte. Wie ist dann der Arbeitsablauf (oder Flow, wenn man schön konzentriert ist) darzustellen? Im Team Kanban stellt man die Idee einfach zur Abstimmung ein. Durch positive Abstimmung und Rückmeldung in den Kommentaren möchte ich die Idee weiterverfolgen. Ich erstelle ein (mit der Idee verknüpftes) Kanban Board, hier im Beispiel zur Ausarbeitung einer Methode für AI Anwendungsfälle.

Alle Teilnehmer (oder Follower die sich informiert halten möchten) erhalten so Einblick in Echtzeit in den vollständigen Kontext, Diskussionen, relevante Dateien, Links oder Bilder, die bereits an die Aufgabe angehängt sind. Alle erforderlichen Informationen stehen immer und aktuell zur Verfügung. Als Ergänzung zum klassischen Kanban können Aufgaben zudem terminiert werden – also ein kleiner Schritt in das Projektmanagement. Ich sage dann “Office Kanban” dazu.

Warum ist das effektiv?

1. Man kann den vollständigen Arbeitsfluss im Kontext visualisieren. Die zu liefernden Projektergebnisse werden in Inkremente, die Projektlaufzeit wird in kurze Iterationen aufgeteilt.

2. Man fängt keine neue Aufgabe an, bevor nicht eine andere erledigt ist.

Das ist im Übrigen das Grundprinzip von “agil”, selbst bei Scrum. Begonnene Arbeiten werden nicht weg-priorisiert oder weg-hierarchiert. Man kann im Flow arbeiten, ohne ständige neue “Rüstzeiten” (erneute Aufnahme der Aufgabe und erneutes Hineindenken).

3. Man kann durch die Rückmeldung aus den Teams sehen, wie gut man von den Ressourcen für das Projekt aufgestellt ist. Es gibt keine vorherige Planung die weit weg von der Realität ist um dann durch Druck doch noch irgendwie umgesetzt zu werden – und so die Menschen verschleißt und/oder die Qualität beeinträchtigt.

4. Die durchschnittliche Zeit zwischen Beginn und Fertigstellung einer Aufgabe wird gemessen und man versucht ständig Wege zu finden, diese Zeit zu verringern oder Konstant zu machen. So kommt man zu einer gezielten Arbeitsweise, ständigen Übersicht bei hoher Qualität. Der Fokus liegt auf der Wertschöpfung.

Somit ist die Kanban Methode also bestens geeignet, um die Phasen und Ergebnisse aus Design Thinking Workshops aufzuteilen und in die jeweils nächste Phase zu bringen. Bis aus den Ideen Innovationen (z.B. neue Produkte) werden.

Mural als Werkzeug habe ich oben schon kurz erwähnt – damit kann man virtuell Ideen sammeln und Zettel “kleben”, Design Thinking Phasen wie “Persona” oder “Empathy Map” darstellen sowie eine “Business Model Canvas” gemeinsam ausfüllen.

Foto: Mural Board im Ideation Prozess bei der Kategorisierung

Jetzt geht es aber mit Kanban an die Umsetzung der Ideen oder Prototypen. Da ich als persönliches Kanban Board bisher “Trello” genutzt habe, lag es nahe, das hier auch mal zu testen. Damit kommt man auch recht weit und kann es mit anderen Werkzeugen von Atlassian verbinden. Zudem bietet es, ähnlich wie das Confluence Wiki, sogenannte “Power-Ups” an und es gibt auch noch Jira für Entwickler oder Scrum. Man kann also durch “In-App-Käufe” die Fähigkeiten erweitern oder auch eigene programmieren und hinzufügen. Wer bereits Atlassian im Hause hat, für den ist das wahrscheinlich auf die beste Lösung.

Es gibt aber auch noch andere starke Lösungen im Markt wie Wrike, Smartsheet, Kanbanize Slack oder auch GitHub für Programmierer. Durchweg brauchbare Werkzeuge mit eigenen Stärken und Schwächen. Mein persönlicher Favorit ist aber “Taskworld“. Der Name ist etwas irreführend, eigentlich müsste die Software oder App “KeepThingsDone” heißen oder so. Was mag ich daran? Es ist nahezu selbsterklärend in der Bedienung und grafisch auch recht klar. Es bietet verschiedene Kanban Templates als auch klassische Sichtweisen wie Gantt Charts und auch ein gutes Reporting – ebenso wie eine Sicht auf meine offenen Tasks.

Foto: Offene Tasks von Projekten und Personen

Ebenso beinhaltet es alle Komponenten die man für die Zusammenarbeit benötigt, von Chat (pro Karte, Projekt oder Generell) als auch Dateimanagement – inkl. Verbindungen zu Box, DropBox, … Man hat also nahezu keinen Integrationsaufwand – es sei denn, man mag zwingend unternehmensinterne Werkzeuge damit verbinden.

Noch mehr überzeugt hat mich aber der Support – es nimmt jemand ab ohne kompliziertes Telefonmenü, die Person ist auch noch kompetent und selbst per Mail kommt man schnell weiter. Ein weiteres Argument sind die Optionen die Software on prem, als dedizierten Server oder Cloud-Angebot zu erhalten. Dies löst auch eine ganz wichtige Frage: die der Datenablage und dem Datenschutz nach BDSG und der DSGVO.

Wenn ich meine ersten Design Thinking Projekte mit remote Teams abgeschlossen habe, melde ich mich zum Teil 2 des Erfahrungsberichtes. Es bleibt spannend. Wie immer.

Warum Lob der uncoole Verwandte der Anerkennung ist

Das Streben nach Anerkennung ist ja einer der größten Triebfedern menschlichen Handelns. Eine Steilvorlage für Führungskräfte – einfach Freitag mittags ein bisschen Bonuspunkte verteilen und schon klappt das mit Motivation und Teamspirit. Leider ist da der etwas peinliche Verwandte der Anerkennung – nämlich das Lob. Beide werden schnell mal miteinander verwechselt, sie sehen sich nämlich auf den ersten Blick ein wenig ähnlich. Leider lösen sie unterschiedliche Dinge aus – und da sind wir mitten im Thema.

Nähern wir uns dem Thema über die Synonyme (Woxikon), die man mit beiden Begriffen verbindet:

Anerkennung – Errungenschaft, Wertschätzung, Fortschritt, Durchbruch, Triumph

Lob –Belohnung, Prämie, Auszeichnung, Gegenleistung, Bestätigung

Lob erwartet Gegenleistung

Sie werden es schon erkannt haben: Gelobt wird, wenn jemand Vorgaben erfüllt hat. Dafür bekommt er eine Gegenleistung, nämlich Lob und Prämien. So wie etwa der Schüler, der eine Eins in Mathe hat und dafür mehr Taschengeld bekommt. Nicht umsonst haftet dem Lob etwas Streberhaftes an. Der Lobende übt eine Machtposition aus: Der Lehrer, der Vorgesetzte loben für erwartete und erwünschte Verhaltensweisen. Woran erinnert Sie das? Richtig – an die Hierarchie! Der Lobende ist nämlich zugleich immer in der Machtposition – also Lehrer oder Vorgesetzter. Der, der gelobt wird, hat vorher eine Gegenleistung erbracht – für die er den erwarteten Lohn erhalten möchte. Entweder in Form von Noten oder variablen Gehaltsanteilen. Ist das die außergewöhnliche Triebfeder, von der wir alle immer reden? Nein, natürlich nicht. Der Lobende hat ja vorher schon seinen Teil geleistet und hat das Lob sozusagen erwartet. Der Schüler, der im Diktat Null Fehler hat oder der Vertriebsmitarbeiter, der die Vorgaben zu 100% erfüllt hat, erwartet eine Note 1 oder die Auszahlung der variablen Gehaltsanteile. Beides löst keinen Motivationsschub aus oder verhilft zu besonders toller Arbeitsatmosphäre. Denn der Lobende selber lobt aus einem Kalkül heraus – Lob und Gegenleistung stehen im engen Zusammenhang.

Anders dagegen die Anerkennung. Die Synonyme aus Woxikon deuten es schon an: Anerkennung steht im Kontext von Dingen, die eben NICHT dem Erwartbaren entsprechen, sondern etwas Besonderes sind. Anerkennung hat mit der Erfüllung von Vorgaben nichts zu tun. Sie wird aus einer inneren Empfindung heraus ausgesprochen und genau deshalb ist sie für denjenigen, der Anerkennung bekommt, auch so euphorisierend. Wenn es sich um eine Empfindung handelt, dann kann man ja nicht bewusst Anerkennung spenden, oder? Sie müsste dann ja quasi ungeplant entstehen. Ganz so ist es nicht: Ein Klima, in dem Anerkennung gedeiht, kann man durchaus bewusst herbeiführen: Indem man sich mit dem Gegenüber befasst. Was sind die individuellen Stärken eines Menschen, was treibt ihn an? Dann wird einem viel eher bewusst, welche „Errungenschaften“ (siehe oben, Woxikon) jemand erreicht hat.

Ein Beispiel:

Ein Kollege – nennen wir in Markus – organisiert einen Event, der so noch nie stattgefunden hat: mit besonderen Sprechern, ungewöhnlicher Location und besonderem Catering. Markus musste für die Umsetzung kämpfen, denn die Vorgesetzten mussten Budgets freigeben. Er hat aber so überzeugend von der Idee gesprochen, dass er das nötige Geld bekommen hat.  Über Wochen hat Markus nicht nur seine Arbeitszeit für den Event eingesetzt, sondern sich auch in seiner Freizeit damit beschäftigt. Das Ergebnis: Viele Teilnehmer, teilweise sogar neue Kontakte und durch die Nachbereitung durch den Vertrieb haben sich neue Geschäftsmöglichkeiten ergeben.

Ein Lob würde so ausfallen:

„Heute möchte ich Markus für die besonderen Anstrengungen für die Eventorganisation danken. Wir konnten damit unsere Umsatzziele früher als erwartet erreichen. Deshalb möchte ich Markus als Dank einen Gutschein für ein Wochenende in Athen schenken. Markus, danke, dass Du in besonderer Weise zur Erreichung der Teamziele beigetragen hast.“ Michael, der Teamleiter.

Anerkennung sieht so aus:

„Markus, ich bin beeindruckt, mit welcher Hartnäckigkeit Du diesen Event vorangetrieben hast. Dass es solch ein Erfolg wurde, haben wir Dir zu verdanken: Du hast so überzeugend für Deine Idee eingestanden, dass Du das Budget dafür bekommen hast. Mit Deiner Persönlichkeit und Deiner Ausstrahlung hast Du besondere Redner gewinnen können. Ich habe viel daraus gelernt. Markus, wie schön, dass Du bei uns bist.“

Der Unterschied ist deutlich

Das Lob hat nicht den Adressaten im Fokus, die Anerkennung bezieht sich ausschließlich auf ihn.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass im wahren Leben die Grenzen zwischen Lob und Anerkennung auch einmal verschwimmen können. Wie es bei Ihnen mit der Arbeitskultur aussieht, können Sie daran erkennen, in welchem Ausmaß bei Ihnen Anerkennung gestiftet wird – also auch vom Mitarbeiter zur Führungskraft. Wenn dies möglich oder sogar üblich ist, sind Sie auf einem guten Weg.

Nur so werden Mitarbeiter die neuen Wege beschreiten, ihre Potentiale freisetzen und Risiken eingehen. Alles Dinge, die beim Kulturwandel so häufig herbeigewünscht werden.

Vom Zauber der Anerkennung

Fast immer spreche ich in meinen Vorträgen und Workshops zu Kulturwandel und Überdenken von Hierarchien davon, dass einer der wichtigsten Treiber für menschliches Handeln das Streben nach echter Anerkennung ist. Mit Betonung auf echter (!)  Anerkennung und nicht ein Lob der Führungskraft für die korrekte Erbringung von geforderten Leistungen. Was zeichnet dann Anerkennung aus, die diese Strahlkraft auf Menschen ausübt?

Vor wenigen Wochen war ich Zeugin eines wunderbaren Beispiels: Ich musste beruflich in die USA fliegen, was bedeutet, es lagen etwa 8 Stunden Flug vor mir. Das Boarding war so gut wie beendet, als ein Mann in der Reihe vor mir mit einer gut gefüllten Heinemann Tüte in der Hand zu zwei Stewardessen in der Nähe ging und den beiden die Tüte überreichte. „Ich habe der Crew Schokolade gekauft, damit möchte ich Ihnen den Flug versüßen. Als kleines Dankeschön für den außergewöhnlich freundlichen Service, den ich mit Lufthansa immer genießen darf.“  Die beiden Stewardessen waren erst einmal sprachlos vor Überraschung. Dann schauten sie in die Tüte und freuten sich über die wohl recht hochwertige Auswahl und die Freude darüber spiegelte sich in den Gesichtern wider. Die erste Reaktion war: „Wie können wir das gut machen? Möchten Sie etwas Besonderes zu essen oder haben Sie sonst einen Wunsch?“ Der Mann sagte nur schlicht: „Sie brauchen mir nichts als Gegenleistung bringen, ich möchte Ihnen einfach nur eine Freude machen.“ Ist ihm gelungen. Er ist sozusagen über das Ziel hinausgeschossen, denn ich habe mich gleich mit gefreut.

Als dann das Essen serviert war, kamen noch andere Crewmitglieder zu dem Mann. „Ich wollte Ihnen nur sagen, wie sehr wir alle uns über die Schokolade gefreut haben. Das ist mir in fast zwanzig Jahren Flugdienst noch nie passiert.“  Gegen Ende des Fluges hat die Crew Selfies mit sich und dem Mann gemacht. Bei jeder dieser Szenen habe ich mich wieder mitgefreut.

Warum mache ich mir die Mühe und erzähle das hier? Weil der Mann verstanden hat, was echte Anerkennung ausmacht: Etwas honorieren, das über das Erwartete hinaus ging. Oder anders gesagt: Engagement, gute Taten von anderen erkennen und wertschätzen – ohne Hintergedanken und ohne etwas als Gegenleistung zu erwarten.

Vielleicht ist mir diese Geste auch deshalb so prägnant im Gedächtnis geblieben, weil ich momentan in meinem ersten „Working out Loud“ -Circle mitmache. Bei dieser Methode von John Stepper geht es kurz gesagt darum, die Kraft von Netzwerken zu erfahren und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Kollegen/Menschen aufzubauen. Dabei bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass Lob und Geschäftsbeziehung die dunkle Seite von Anerkennung und Aufbau von Netzwerken sind, denn erstere erfolgen nur in Erwartung einer konkreten Gegenleistung. Anerkennung und Vernetzung dagegen basieren auf einem Vertrauensvorschuss. Und das wiederum macht die Strahlkraft der „Working Out Loud“ Circle aus. Wie schön, dass sich diese Methode gerade so rasant in Unternehmen verbreitet.