Digistoteles 013: Gespräch mit Dr. Karin Rasmussen über die menschliche Fähigkeit zur Veränderung

Ein wichtiges Thema in diesen sich ach so schnell wandelnden Zeiten: die Fähigkeit des Menschen, sich anzupassen – an eine veränderte Umwelt, neue Geschäftsmodelle und andere Formen der Zusammenarbeit. Eigentlich wird diese Eigenschaft gerade der Spezies Mensch zugesprochen, trotzdem hört man immer wieder den Satz: „Menschen ändern sich sowieso nicht“. Diesen Widerspruch zu beleuchten und vielleicht sogar aufzulösen, darum soll es in der heutigen Episode gehen.

Dr. Karin Rasmussen (www.karinrasmussen.eu) ist Philosophin, war fast 20 Jahre selber Führungskraft und betreibt seit mehr als 20 Jahren Führungskräftecoaching. Sie ist also Expertin, wenn es um die Wirksamkeit des Einzelnen geht und um den Umgang mit Macht.

Menschen verändern sich ihr ganzes Leben lang


Karin macht direkt am Anfang klar, dass Menschen sich natürlich ändern – ihr ganzes Leben lang. Wer ist schon derselbe Mensch, der er vor zehn Jahren war? Warum uns das mit der Veränderung manchmal so zäh vorkommt liegt daran, dass wir meist andere Menschen ändern wollen – nach unseren Vorstellungen. Das ist anmaßend, denn wir spielen quasi Gott – das kann nur schiefgehen. Ist eine Veränderung durch Druck von außen also nicht möglich? Wir alle erleben das doch tagtäglich. Wir passen uns den Anforderungen der Arbeitswelt an – erledigen Aufgaben, die uns eigentlich nicht liegen, arbeiten zu lange oder mit Menschen, die wir nicht mögen.

Der Lohn für Anpassung: keiner meckert – die Autobahn zur gefühlten Abhängigkeit

Das ist dann nur eine Anpassung, die aber keine echte Veränderung im Inneren ist. Warum tun wir das? Damit wir möglichst wenig anecken – also ein ruhiges (Arbeits)leben haben. Damit sind wir auch schon beim Kern des Themas: Karins These ist, dass die meisten von uns zu früh das Denken einstellen und sich in eine gefühlte Abhängigkeit begeben mit den ach so bekannten Ausreden: „Man muss von etwas leben“ ist der Klassiker. Und da kommt die Philosophin mit einem provozierenden Statement: von den 7,5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten haben 4,5 Milliarden kein Einkommen – und sie leben trotzdem. 

„Bete und arbeite“ wirkt bis heute nach

Ein Denkanstoß für uns alle: Begeben wir uns zu früh in die innere Emigration? Zumindest haben wir eine Entschuldigung, denn mindestens seit den Zeiten, in denen in Europa christliche Moralvorstellungen gelten, hieß es „bete und arbeite“. Hier entwickelte sich ein Machtgefälle – die Kirche gab vor, was man zu beten und zu arbeiten hatte. Diese Herausbildung von Systemen, in denen Einzelnen eine übermenschliche Machtfülle zugeschrieben wurde, wurde mit der Industrialisierung und dem heutigen Wirtschaftssystem auf die Spitze getrieben. Karin betont „übermenschlich“ – ein Mensch kann die Anforderungen nicht erfüllen, die an ihn gestellt werden. Das merken immer mehr Führungskräfte, die mit dem schnellen Wandel überfordert sein MÜSSEN, erst recht, wenn sie sich in starren hierarchischen Organisationen eingezwängt sind. Und auch die Mitarbeiter hören zu früh mit dem Denken auf. 

Rat zu suchen, ist eine unabdingbare Fähigkeit für jede Führungskraft

Dabei haben wir in dieser vernetzten Welt, in der wir das Wissen der Menschheit quasi auf unserem Telefon abrufen können, eine noch nie da gewesene Unterstützung. Auch intern hat jedes Unternehmen heute mit einem Social Intranet die Möglichkeit,  die passenden Experten zu finden. Da haben wir es wieder: 

Die Kraft des Netzwerkens

Noch immer nutzen zu wenige Menschen die Möglichkeit, offen (im Intranet) Fragen zu stellen – oder Aufgaben sichtbar zu machen. Diejenigen, die sich befähigt fühlen, Teile der Aufgabe zu erledigen oder zu einer Problemlösung beitragen zu können, werden sich melden. Hier ist ein Perspektivwechsel gerade bei Führungskräften und Personalabteilungen hilfreich. Dies nimmt Druck von allen. Und ein Signal an alle in der Organisation, die eigene Meinung und die eigene Erfahrung konstruktiv mit einzubringen. An dieser Stelle kann ich mir dann nicht verkneifen, gebetsmühlenartig den einen Satz zu wiederholen:

Ohne Vernetzung keine digitale Transformation!

Zum Schluß werfen wir noch einen Blick auf das große Ganze: Vernetzung bedeutet nämlich auch, sich mit anderen zu verbünden, die gleiche Ziele verfolgen. Als Beispiel führt Karin Donald Trump an: der bekommt nur soviel Macht, wie wir ihm gewähren. Er musste ja schon ein paar Mal zurückrudern. Dennoch heißt es für uns alle: wachsam bleiben und die eigene Wirksamkeit nicht unterschätzen. 

Neugierig geworden: hier geht es zur Episode 13 von Digisoteles

Oder auf Spotify und Apple Podcasts

ctrlV017 - Über die Veränderungsfähigkeit von Menschen - Gespräch mit Dr. Karin Rasmussen

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Digistoteles 012: Gespräch mit Markus Stelzmann: Regisseur von Tele Haase, dem Unternehmen ohne Manager und ohne Geheimnisse

Digistoteles 016: Gespräch mit Markus Stelzmann: Regisseur von Tele Haase, dem Unternehmen ohne Manager und ohne Geheimnisse

Wenn Sie schon immer einmal wissen wollten, wie ein Unternehmen ohne Manager funktionieren kann, dann sind Sie in dieser Episode von Digistoteles richtig. Ich spreche mit Markus Stelzmann, der seit sieben Jahren bei Tele Haase – ein mittelständischer Familienbetrieb mit Elektronikproduktion und Hersteller von Relais, SItz in Wien) eine Organisation aufgebaut hat, die komplett selbstorganisiert ist und maximale Transparenz lebt. Alle Zahlen, alle Inhalte von Meetings sind für die Mitarbeiter einsehbar.

„Das Ziel war, ein Unternehmen zu schaffen, in dem die Menschen mit Freude und Sinnhaftigkeit Dinge erledigen.“

Markus Stelzmann war auch schon „klassischer“ Manager mit Blick auf Firmenwagen und Geschäftsreisen in der Business Class, aber immer mit dem Menschen im Blick. Wer mit ihm spricht, glaubt das sofort. Hier spricht ein Menschenfreund mit Blick auf die Realität.

Apropos Realität: Die Reise zur heutigen Form von Tele Haase war nicht gesäumt von Regenbögen und Einhörnern, sondern es erforderte Risikobereitschaft und Durchhaltevermögen. Man kann Markus Stelzmann so gut zuhören, weil er einem nichts vormacht – und er mit knallharten Statements aufschreckt.

 Zum Thema Wandel:

„Wir fangen jetzt erst an zu leben, was wir uns vor sieben Jahren gedacht haben.“

Markus Stelzmann bestätigt die Erfahrungen vieler anderer Unternehmen: Wenn die Geschäftsführung die Selbstorganisation propagiert, fallen einem keineswegs die Mitarbeiter voller Dankbarkeit um den Hals. Es ist ein manchmal harter Lernprozess, der auch dazu geführt hat, dass einige Mitarbeiter und Führungskräfte das Unternehmen verlassen haben. Und man darf auch nicht in alte Muster zurückfallen, wenn die Mitarbeiter auf einmal doch eine Entscheidung von den Geschäftsführern haben wollen. Das heißt es „durchziehen“.

Noch ein hartes Zitat? zum Beispiel zum Thema Risikobereitschaft:

„Wir waren uns bewusst, dass dieses Experiment auch in die Insolvenz führen kann.“

Dazu ist es zum Glück nicht gekommen. Tele Haase geht es wirtschaftlich gut, der Wandel war möglich, weil das Unternehmen in privater Hand ist. Der Fokus auf den Shareholder Value war also nicht gegeben. Noch nicht einmal auf bestimmte Wachstumszahlen. „Es soll uns gut gehen, wir wollen einfach da sein.“ Das hört sich erst einmal nicht nach den berühmten Visionen an, ohne die ein Unternehmen angeblich nicht existieren kann. (Eine These, die ich selber oft und gerne aufstelle.) Dennoch ist einiges passiert bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Laut Markus Stelzmann wird es auch künftig immer noch um die Produktion von Elektronikbauteilen gehen, aber vielleicht in einem größeren Kontext und für Produkte, die sie bei Tele Haase heute noch nicht kennen. Und da sind wir dann doch wieder bei der Vision: „Wir wollen ein offenes Unternehmen sein und unsere operative Exzellenz mit den Ideen von Startups, Universitäten und anderen Firmen verbinden.“

„Durch die Möglichkeit zum Homeoffice wurden Büroflächen frei, die wir jetzt an Startups vermieten“

Konkret heißt das: Die Mitarbeiter haben für sich eine Homeoffice Regelung definiert, durch die weniger Büroflächen benötigt wurden. Die hat man dann genutzt, um StartUps bei sich einziehen zu lassen. Und nicht nur das – man kann schon fast von einer Wohngemeinschaft sprechen. Nicht nur der Kaffee wird geteilt, sondern auch die Produktionsanlagen und auf das Knowhow der Mitarbeiter kann zugegriffen werden. Da geht ein Ingenieur eines Startups einfach mal zu einem Tele Haase Mitarbeiter und fragt ihn, ob er die Leiterplatte optimal konstruiert ist.

Offenheit heißt auch, dass die Startups die operative Exzellenz von Tele Haase bei Produktion und Logistik nutzen.

Von einer OpenSource Kameratechnik, die in Hollywood eingesetzt wird bis zur Entwicklung bemannter Drohnen ist bei Tele Haase eine spannende Bandbreite an neuen Themen vertreten. Was einmal wieder zeigt:

Offenheit zahlt sich immer aus – die Kraft des Netzwerkens schafft neue Wertschöpfung

Jetzt habe ich schon fast die Hälfte des Podcasts niedergeschrieben, aber die andere Hälfte ist mindestens genauso spannend. Abschließen möchte ich mit einem weiteren genialen Zitat von Markus Stelzmann:

Man kann eine Organisation nach dem Gesetzen der Quantenphysik betrachten. Oder mit den Worten von Heisenberg: „Je genauer man hinsieht, um so weniger sieht man das große Ganze“.

Deshalb ist es für Regisseure wie Markus Stelzmann auch so wichtig, sich nicht in den Details des operativen Geschäftes zu verlieren. Dafür hat er ja die Menschen bei Tele Haase, die das erledigen. In Eigenverantwortung. Ohne Manager. Mit Erfolg.

Wenn SIe jetzt noch nicht neugierig auf die Episode geworden sind, kann ich Ihnen auch nicht helfen.

Hier geht es zur Episode

ctrlV016 - Gespräch mit Markus Stelzmann: Regisseur von Tele Haase, dem Unternehmen ohne Manager und ohne Geheimnisse

Shownotes

Zu ihm kommt VW, BMW, die Charitas, Versicherungen – und noch viele mehr. Um sich ein wirklich selbstorganisiertes Unternehmen anzuschauen. Kann das funktionieren? Und wie haben die das geschafft? Ich habe ihn dank Ralph eingeladen – und er hat zugesagt. Hört Euch an, was ein wahrer Pionier der Organisationsentwicklung zu berichten hat.

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Digistoteles Episode 11: Über die Zukunft der Arbeit – von der Sinnsuche bis zum neuen Wirtschaftssystem. Wir drehen das große Rad.

Unser Gast heute ist Kurt Fessel – wir kennen uns aus der Zeit, als er Sales Director Lotus Software bei der IBM war. Seine Art zu führen war seiner Zeit weit voraus: die heute so gepriesenen Leadershipqualitäten wir Authentizität, die Bereitschaft Risiken einzugehen und Menschen als Menschen und nicht als Zahlen zu sehen, hat er schon vor mehr als einer Dekade gelebt. Was Kurt aber zu einer echten Bereicherung für unseren Podcast macht , ist die Fähigkeit Dinge auf den Punkt zu bringen und immer eine gute Geschichte parat zu haben.

Mit ihm drehen wir heute das ganz große Rad: Gesellschaftlich, politisch und philosophisch – dabei wollten wir eigentlich “nur” über Arbeit sprechen.

Von der dörflichen Gemeinschaft zum globalen digitalen Dorf – Arbeit als Beitrag zum Zusammenhalt

Wir fangen ganz von vorne an: Wie war es früher – Arbeit war nicht immer nur Gelderwerb, sondern auch Beitrag zur Gemeinschaft – man hilft sich gegenseitig. Und da sind wir schon beim Begriff Vollbeschäftigung. Im wahrsten Sinne des Wortes ist man das, wenn man vom Aufstehen bis zum Schlafengehen arbeitet. Von der dörflichen Gemeinschaft aus betrachtet, hätten die meinsten von uns also Zeit, auch etwas Sinnstiftendes zu tun – wenn man wüsste, wo der Bedarf ist.

Vereinfacht gesagt: Wenn ich wüsste, wer zum Beispiel gerade einen Schlagbohrer braucht, würde ich ihm einen leihen – und vielleicht auch bei den Arbeiten helfen – oder Nachhilfe, oder Gesellschaft, oder oder. Der Schlagbohrer als Platzhalter für den Bedarf an Beitrag zur Gesellschaft. Und hier schließt sich der Kreis zu Digitalisierung: Durchdie globale Vernetzung könnten wir dies heute schon tun.

Sozialkompetenz als neue Währung in der Arbeitswelt von morgen

Hier stellt Kurt die Frage: Wenn Maschinen mehr und mehr körperliche und geistige Standardarbeiten übernehmen, dann werden Sozialkompetenzen immer wichtiger – denn das können Maschinen (nich) nicht. Dies könnte also die Währung von morgen werden – in einer Welt, in der Arbeit eine fundamental andere Bedeutung hat als heute. Denken wir diesen Ansatz einmal weiter: Verlieren dann materielle Werte an Bedeutung: “Mein Haus, mein Auto, meine Yacht” ?

Müssen wir nicht sowieso eine andere Art zu wirtschaften entwickeln? Klimawandel und ökologische Katastrophen sind die Heimsuchung der modernen Welt. Es gibt Zeichen von Hoffnung: die “Fridays for Future” Bewegung zum Beispiel. DIe Jugend erkennt ihre politische Wirkmacht. Und lernt nebenbei viel mehr, als die es im klassischen Bildungssystem tun würde. Wobei wir schon beim nächsten großen Thema sind: wir müssen unsere Bildungssysteme umgestaltet werden.

Ich sagte ja – wir drehen das große Rad.

Interessiert? Hier geht es zur Episode:

http://bit.ly/2OAKLA3

Und natürlich auf Spotify und Apple Podcasts:

ctrlV015 - Arbeit in einer digitalen Welt: Welche Berufe wird es geben, was ist eigentlich Arbeit, Sicht auf materielle Güter

Shownotes

Wie sieht Arbeit eigentlich aus, wenn mehr und mehr standardisierte Arbeiten von Maschinen übernommen wird? Heute schon können Computer Röntgenbilder diagnostizieren und Ingenieure müssen mit dem automatischen Konstruieren umgehen.

Wir schauen zurück und definieren erst einmal Erwerbstätigkeit und Arbeit aus der Historie. Beim Blick in die Zukunft geht um den Wert von Arbeit. Was ist es uns als Gesellschaft wert, wenn Menschen etwas für das Gemeinwohl erarbeiten? Wird sich der Blick auf materielle Werte verändern? Warum brauchen auch Unternehmen einen Sinn, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Wird sich unsere gesamte Wirtschaftsordnung ändern?

All diese Fragen diskutieren wir mit unserem Gast Kurt Fessel.

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ctrlV014 - Agiles Arbeiten oder die Kunst, Fahrradfahren zu lernen

Shownotes

Agiles Arbeiten ist keine Methode, sondern hat etwas mit Werten zu tun. Deshalb reicht es auch nicht, nur den SCRUM Guide zu lesen. Wir müssen unsere jahrzehntelang einstudierte Sozialisation in Bezug auf Arbeitsweisen überdenken und neu starten. Wie ein Kind, das sich zum ersten Mal auf ein Fahrrad setzt.

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Digistoteles Episode 10: Agiles Arbeiten oder die Kunst, Fahrradfahren zu lernen

Ja, auch wir springen auf den Buzzwordbingo-Zug auf. Aber nicht, um auch mal drüber geredet zu haben, sondern um unsere konkreten Erfahrungen darüber auszutauschen. Wir – das sind in dieser Folge Arnd und ich (Doro) und wir propagieren diese Art des Arbeitens schon ein paar Jahre und haben damit unsere Erfahrungen gemacht.

Und ich nehme es direkt vorweg: Uns ist das Thema sehr wichtig, weil wir glauben, dass ohne diese Art des Arbeitens Unternehmen nicht mehr schnell genug sein werden, um in der rasanten Welt der Digitalisierung mithalten zu können.

Es reicht heute nämlich nicht mehr aus, groß und mächtig zu sein, um sich auf seinen Lorbeeren ausruhen zu können.

Die Automobilindustrie beispielsweise fängt gerade erst an, dies schmerzhaft zu spüren. Die nächsten Jahre werden nach meiner Prognose noch viel härter werden. Aber zurück zur Methode. Worum geht es eigentlich? Der Kern aller agilen Arbeitsmethoden ist, dass sie auf einem empirischen Ansatz aufbauen. Heißt konkret:

Am Anfang des Projektes kann man noch nicht alle Aspekte kennen, die man bis zur Fertigstellung wissen muss. Erfahrung und neues Wissen ergeben sich mit dem Fortschritt der Arbeiten und werden sukzessive eingebaut. Damit ist man viel flexibler und näher an der Realität als in den sogenannten Wasserfallmethoden.

Die Wasserfallmethode ist eine Illusion, denn sie geht von einer Planbarkeit der Welt aus, die es so nicht gibt.

Deshalb ist agiles Arbeiten so schnell: Es ist näher am wahren Leben: das bedeutet, ich muss mit Überraschungen und veränderten Rahmenbedingungen umgehen. Arnd stellt die – aus meiner Sicht sehr wahre – These auf, dass auch in Wasserfallmethoden so gearbeitet wird, weil die Realität die Planung sowieso wieder einholt. Es will nur keiner zugeben und kostet mehr Zeit, weil die Methode dies nicht hergibt.

Warum ist es dann eigentlich so schwer, agil zu arbeiten? Der SCRUM Guide beispielsweise umfasst nur 19 Seiten. Die Regeln sind sehr einfach und schnell umgesetzt. Wenn da nicht die Tücke mit den Werten wäre.

Agile Werte verlangen Haltung

SCRUM kennt keine klassischen Manager – die Entwickler (also, die die Projektschritte bearbeiten) sind selbstorganisiert, die Aufgaben sind transparent verteilt. Jeden Tag trifft man sich kurz und gibt den anderen ein Update zur eigenen Arbeit. Heißt auch, wenn man einmal nicht weiterkommt, muss man dies zugeben – das erfordert Mut. Genauso wie die Offenheit, mit dem man miteinander kommuniziert. Denn das Verstecken von unangenehmen Themen oder Hindernissen in der Arbeit kostet Zeit – und dabei geht es ja bei der Methode: Geschwindigkeit hat oberste Prioriät.

Dies tatsächlich umzusetzen, erfordert Zeit. Die meisten von uns sind in hierarchischen Organisationen sozialisiert worden, wo die Führungskräfte sagen, was passiert. Offenheit und Selbstorganisation sind da ein großer Wandel.

Deshalb ist das agile Arbeiten wie Fahrradfahren: Nur eine Beschreibung zu lesen, wie es theoretisch funktioniert, reicht nicht aus. Man muss tatsächlich auf das Fahrrad steigen, ein paarmal hinfallen bis man es irgendwann kann, ohne groß darüber nachzudenken.

Interesse geweckt?

Dann hört Euch die aktuelleste Folge von Digistoteles an.

Und die kritische Betrachtung von Agilität gibt es in einer der nächsten Folgen.

Digistoteles Folge 009: Unbekannte digitale Pioniere aus Bildung, Wirtschaft und Gesundheitswesen

Heute geht es um die Menschen, die außerhalb der digitalen Gemeinde wenig bekannt sind. SIe haben in ganz unterschiedlichen Gebieten Herausragendes geleistet:

Sugata Mitra:

Selbstorganisierte Bildung ohne Lehrer

Erfahrt, was Kinder sich selber beibringen können, wenn sie nur einen PC mit Breitbandanschluß zur Verfügung haben: Eine neue Sprache lernen bis zu aktuellen Forschungsergebnissen zur Biotechnologie. In selbstorganisierten Teams von 3 bis 10 Kindern. Dass sich das sehr nach SCRUM anhört, ist Zufall – zeigt aber, dass dies die Mechanismen sind, unter den Menschen ohne äußere Vorgaben sich zu Teams zusammenbringen.

Und dann gibt es da noch die Granny-Cloud:

http://thegrannycloud.org/

Hier helfen Menschen Kindern weltweit beim selbständigen Lernen: Sie schenken eine Stunde pro Woche, um via Webkonferenz Fragen zu stellen und Anerkennung zu geben. Damit verbessern sich die Lernergebnisse nochmals.

Tolle Geschichte

Christoph Jentzsch

Angriff auf die Plattformökonomie?

Gäbe es eine wirklich komfortable App, so würden wir sicher mittelfristig unseren Begriff von BEsitz verändern. Schauen wir uns einmal die vielen Gegenstände an, die sich in unserem Besitz befinden. Vieles davon benötigen wir gar nicht das ganze Jahr über. Was spricht zum Beispiel dagegen, einen Vertikutierer gegen Gebühr an Nachbarn zu verleihen? Abgerechnet wird pro m2 vertikutiertem Rasen über die Blockchain – diese kann ja Verträge in Code abbilden.

Solch eine Anwendung hat Christoph Jentzsch im Sinn, als er 2016 (!) ein noch nie dagewesenes Crowdfunding Projekt startete: Ebenfalls über die Blockchain konnte jeder, der wollte, Anteile an einem komplett digitalen Unternehmen erwerben. Dieses Unternehmen (DAO = Decentralized Autonomes Organisation) wäre keiner Rechtsprechung unterworfen gewesen und hätte keine Steuern gezahlt. Warum er dann doch gescheitert ist – aber schlußendlich viel gelernt habt, das erfahrt Ihr im Podcast.

Jos de Blok

“Menschlichkeit über Bürokratie”

Über Jos de Blok und seinem Pflegedienst Buurtzorg wurde hier schon ein Artikel geschrieben, aber die Geschichte ist zu schon, um nicht noch einmal im Podcast erzählt zu werden.

Es zeigt nämlich, dass selbstorganisierte Unternehmen auch mit einer Größe von 10.000 MA erfolgreich sein können:

Beste Qualität, 40% (!) weninger Kosten und bester Arbeitgeber. Buurtzorg kennt das Thema “Fachkräftemangel” nicht. In Fragen sogar Menschen, die eigentlich in Rente gehen könnten, ob sie nicht noch ein paar Jahre länger arbeiten dürfen. Weil die Arbeit soviel Freude macht. So ist das, wenn man einen Sinn in seinem Tun erkennt.

Hier geht es zur Episode von Digistoteles:

http://kontrollverlust-fm.de/2019-07-04_ctrlv014-unbekannte-digitale-helden-pioniere-fuer-bildung-wirtschaft-und-gesundheitswesen/

Wie immer natürlich auch auf Apple Podcast und Spotify.

ctrlV014 - Digistoteles 009 - Unbekannte digitale Helden

Shownotes

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