Kairos oder die Kunst, Gelegenheiten zu nutzen

Wie immer, wenn ich mich in spezielle Themenbereiche hereinwühle als Vorbereitung auf einen Vortrag, einen Workshop oder eine Podiumsdikussion, bin ich überwältigt, wieviel faszinierende Projekte gerade gestartet werden. Dabei ist es vollkommen egal, ob es um Ernährung, Gesundheitssysteme, Versicherungen oder sonst irgendeine Industrie oder einen Fachbereich geht. Überall sind visionäre Menschen dabei, das Potential von Technologie konkret umzusetzen. Ein paar Beispiele gefällig?

Beispiele von drei Menschen, die eine Ahnung vom Wandel geben

Schon 2006 hat der Jos de Blok erkannt, wie Technologie Mitarbeiter in verteilten Teams miteinander vernetzen kann und hat für deinen Pflegedient Burzoorg sein Facebook für Unternehmen geschaffen. Nun war Austausch möglich und Information transparent für alle. Heute expandiert sein Pflegedienst in die ganze Welt – kostengünstiger als der Wettbewerb und mit einer Pflegequalität, die ihresgleichen sucht.

Christoph Jentzsch hat als erster ein Unternehmen gegründet, das nur aus Code bestand. Es hatte keinen Firmensitz in einem Land oder war der Rechtsprechung eines Staates zugeordnet. Möglich durch die Nutzung des Blockchain Potentials. Das Ergebnis: Die größte Crowdfunding Aktion der Menschheit – 140 Mio $ in 1 Monat. Am Ende ist das Projekt zwar gescheitert, aber wir stehen noch am Anfang.

Caleb Harper entwickelt eine Box, in der sich Klima mittels vieler Sensoren beliebig modellieren lässt, um Lebensmittel dezentral optimal herzustellen. Ein echter Paradigmenwechsel in der Produktion von Lebensmitteln – Millionen Kleinstfarmer in Städten vs gigantische Farmen, die Lebensmittel in fragwürdiger Qualität herstellen. “In the future we won’t have to ship food, we will simply shift data.” Dieses Zitat von Harper zeigt, wie weit er denkt.

Der Zeitbegriff der antiken Griechen – Chronos versus Kairos

Was bedeutet das für unsere Welt heute? Noch reden wir vor allem über Wandel ohne in unmittelbar zu spüren. Ich bin dabei auf die beiden Zeitbegriffe im antiken Griechenland gestoßen: Chronos und Kairos. Chronos bezieht sich auf die sequentielle Abfolge von Ereignissen während Kairos für besondere Momente oder günstige Gelegenheiten steht.

Das Bild oben zeigt sehr anschaulich, was Kairos ausmacht: Der Hinterkopf ist kahl, den Gelegenheiten werden beim Schopf gepackt, mit der Sichel werden alte Zöpfe der Vergangenheit abgeschnitten um freier für die Möglichkeiten der Zukunft zu sein. Mit der Waage wird der richtige Zeitpunkt abgeschätzt, dann heißt es aber schnell zu sein – die Flügel an den Füßen helfen dabei. Gelegenheiten sind schließlich schnell vorbei.

Welches Sinnbild würde besser in unsere Zeit passen?

Manchmal lohnt eben doch auch die Sicht des Chronos: Ein Blick in die Vergangenheit, um sich alter Weisheiten zu vergewissern, die bis heute Bestand haben.

 

 

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