Archiv für den Monat: August 2017

“Willkommen in 2030 – Ich besitze nichts, habe kaum Privatsphäre – und das Leben war noch nie besser” *

In Singapur lebt man die Digitalisierung, (fast) alles geht per SmartPhone – von Bus bezahlen pro Station (einfach), Straßenmaut per GPS Daten (ohne ein Konsortium, das erst milliardenteuere Kamerabrücken aufbauen muss) bis zu Diensten wie Uber, über die man sogar eine Rikscha anfordern kann. In China setzt man auf Solarenergie, auf autonomes Fahren und auf künstliche Intelligenz – der Staat wohlgemerkt, als strategische Initiativen. Seoul ist “SharingCity” und lebt die Sharing Economy. Was will man erreichen?

Sharing City ist eine neue Alternative für soziale Reformen, die viele wirtschaftliche, soziale und Umwelt-Probleme der Stadt lösen kann und gleichzeitig neue Geschäftsfelder eröffnet, auf Vertrauen basierte Verhältnisse wiederherstellt und die Verschwendung von Ressourcen bekämpft“

Sehr faszinierend und sehr zukunftsträchtig. Die Welt hat nicht die Ressourcen, um allen Menschen den verschwenderischen Lebensstil der “westlichen” Welt zu ermöglichen. Alle werden sich umstellen müssen. Die Sharing Economy wird also kommen. In Deutschland schaffen wir es aber nicht einmal Parkplätze zu teilen, beispielsweise von Händlern und Kaufhäusern – die diese mit Ladenschluss ebenfalls schließen oder private Parkplätze während man selbst nicht da ist. Oder die Spielplätze von KiTas am Wochenende für alle Kinder. Sportplätze von Schulen. Es gibt immer nur Bedenken (Versicherungsfragen, Beschädigungen) und Überregulierung. Lösungen will keiner anbieten. Diese Geisteshaltung schafft es leider auch bis in die Firmen und so fristet diese Thema in Deutschland noch ein Schattendasein, das sich auf CarSharing beschränkt.

* Der Titel ist ein Zitat aus dem  World Economic Forum

Die Sharing Economy hat unglaubliche Potenziale und sie wird die Geschäftsmodelle ändern wie fast nichts vorher. Es ist besser wir bereiten uns darauf vor – oder noch besser, wie gestalten diese aktiv und liefern Erkenntnisse und Technologie dafür in alle Welt. Deutschland wäre eigentlich bestens positioniert dafür. Außer unserer Einstellung zu lange an altbewährtem festzuhalten und Änderungen generell sehr skeptisch zu sehen.

Diese Änderungen werden zu uns kommen! Ob wir wollen oder nicht. Ob wir die Augen verschließen oder nicht. Ob die Politik schläft oder nicht.

Die Digitalisierung und die Änderungen die mit ihr kommen werden, zum Beispiel eben die Sharing Economy und ihre Geschäftsmodelle, werde ich in den nächsten Wochen in einer Serie hier publizieren.

Digitalisierung im Kontext – Teil 2: Die Neuerfindung der Unternehmensorganisation

Wie im letzten Beitrag beschrieben, gehen die heute üblichen hierarchischen Unternehmensstrukturen auf die Zeit der Industrialisierung zurück – die Aufgaben waren zwar kompliziert, aber mit genügend Planung und Koordination konnte man Produkte mit hoher Automatisierung effizient herstellen. Diese Welt kennen wir alle – sie ist Kosten, Prozess und Effizienz-getrieben. Einige wenige im Vorstand geben die strategische Richtung vor nach ausgiebiger Evaluierung der Fakten durch Mitarbeiter. Da diese strategischen Planungen sehr weitreichend sind und oft mehrere Jahre umspannen, dürfen Fehler nicht passieren. Deshalb ja auch die intensiven Analysen – sie sollen der Absicherung dienen.

In einer komplexen Welt überblickt kein Einzelner mehr die Geschäftsmodelle

So weit, so bekannt. Immer mehr Unternehmen stellen genau diese Paradigmen nun in Zweifel. Es wird nämlich in der digitalen Welt immer deutlicher, dass diese zu komplex geworden ist, um noch planbar zu sein. Schauen wir uns nur alleine das Autonome Fahren an: Es gibt heute keine einzelne Person mehr, die alle Facetten durchdringen kann. Alleine die Vielzahl von Technologien, die hier mitspielen: Künstliche Intelligenz, vernetzte Dinge, die selbständig Entscheidungen treffen können, neue Transparenz und Sicherheit durch Blockchain – um nur einige zu nennen.

Und mit der Technologie alleine ist es ja nicht getan: Diese ist ja nicht isoliert, sondern bedingt eine komplette Hinterfragung der Geschäftsmodelle. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die meisten von uns in Zukunft sehr viel weniger besitzen, dafür aber umso mehr Services in Anspruch nehmen werden. Um beim Auto zu bleiben: Warum noch ein Auto kaufen, wenn ich mit einem Fingertipp eines vor meine Haustür bestellen kann. Eine dramatische Änderung – die Automobilhersteller verkaufen keine Autos mehr, sondern bieten bestenfalls Mobilitätsservices an und müssen sich auch sonst viel einfallen lassen, um ihren heutigen Umsatz halten zu können. Das Gleiche gilt im übrigen natürlich auch für Hersteller von Rasenmähern, Haushaltsgeräten und (hoffentlich) auch großen Teilen unserer Kleidung. Die Liste ließe sich unendlich verlängern.

Was ich damit sagen möchte: Ein Einzelner oder eine kleine Gruppe von Vorstandsmitgliedern ist heute gar nicht mehr in der Lage, langfristige Strategieplanungen zu machen. Und das mit der Null-Fehler Toleranz kann man genauso vergessen. In zukünftigen “agilen” Unternehmen wird viel mehr ausprobiert werden – eine “Kultur des Tüftels”, die ein Scheitern mit einschließt. Gerade in Deutschland sicher ein großer Schritt. Dabei haftet dem Scheitern erstmal nichts Negatives an, wenn man daraus lernt. Nicht umsonst hält Jeff Bezos die Kultur des Scheiterns so hoch: “Failure and invention are inseparable twins. If you know in advance, that it’s going to work, than it is not an experiment.” Diese Sätze sind in seinem Shareholder Letter von 2016 zu finden.

Agile Unternehmen agieren wie Fussballspieler

Langer Rede kurzer Sinn: Wenn die Organisationsform der Industrialisierung der einer Maschine glich, dann sind agile Unternehmen vergleichbar mit einem Fussballmannschaft. Im Gegensatz zur Maschinenwelt gibt es keine direkte Ursache-Wirkung mehr. In einer Produktionsanlage können Ingenieure nämlich noch genau vorhersehen, was passieren wird, wenn man an einer Stellschraube dreht. In der digitalen Welt funktioniert das nicht mehr – Das Ursache-Wirkung Prinzip ist Vergangenheit. Die Welt heute kann man vergleichen mit der Erziehung eines Kindes oder eben mit einem Fussballspiel. Was einmal funktoniert hat, kann beim nächsten Mal daneben gehen. Planungen sind nur noch in begrenztem Maße wirkungsvoll. Unternehmen müssen sich darauf verlassen, dass die MItarbeiter aus der Situation heraus schnell im Team das Richtige tun – weil sie Experten sind und die richtigen Instinkte haben. Was ist dann noch die Aufgabe des Managements? Vereinfacht gesagt: Sie machen das, was ein guter Trainer macht: Den Teamgeist stärken, Selbstvertrauen geben, die richtigen Leute zusammenbringen – damit die Spieler im entscheidenden Moment das Tor schießen.

Digitalisierung im historischen Kontext – Teil 1: Wie hierarchische Organisationen entstanden

Fortschritt vollzieht sich nicht gleichmäßig, sondern in Schüben. Als letzter großer Schub wird die Industrialisierung gesehen – mit Erfindungen, die eine technologische Lawine und große gesellschaftliche Umwälzungen mit sich brachte.

Am Anfang stand die Dampfmaschine, sie war die Voraussetzung dafür, dass das industrielle Zeitalter seinen Lauf nahm. Es wurde nun möglich, Kohle aus größeren Tiefen zu fordern, denn das Grundwasser konnte nun abgepumpt werden.

Energie war also plötzlich in großen Mengen verfügbar.

Und nicht nur das – es wurde zentralisiert über Kraftwerke bereitgestellt. 1882 nahm in Manhattan in der Pearl Street das erste Kraftwerk seinen Betrieb auf. Unternehmen brauchten nun also nicht eigene Kraftwerke bauen, sondern konnten Energie in der gebrauchten Menge sehr einfach beziehen – das galt nicht nur für Fabriken, sondern bald auch für Individualhaushalte.

Das heißt, die Fabriken hatten, was sie brauchten, um komplizierte Dinge wie Autos zu einem Preis herzustellen, den sich viele Menschen leisten konnten. Neue Geschäftsmodelle und ganze Zulieferindustrien wurden geschaffen – wer in Baden-Württemberg lebt, weiß, was ich meine.

Es fehlt noch die Infrastruktur, deren Aufbau wiederum ohne Dampfmaschine nicht möglich gewesen wäre – die Eisenbahn. Waren konnten also schnell von der Fabrik in die Geschäfte zum Endverbraucher gebracht werden.

Eine bahnbrechende Erfindung hat also eine Kettenreaktion ausgelöst – die weit über die eigentliche Technologie hinausging.

Denn zu dieser Zeit entstanden die heutigen hierarchischen Organisationsstrukturen: Um so etwas kompliziertes wie ein Auto herzustellen, wurde der Herstellungsprozess in viele kleine Teile unterteilt, die Arbeiter hatten in immer wiederkehrenden monotonen Abläufen genau vorgegebene Arbeitsschritte zu verrichten. Die Aufgabe des Managements bestand darin, die einzelnen Abläufe möglichst gut zu koordinieren. Alles war effizienzgesteuert und alle Entscheidungen unterlagen Kosten/Nutzenüberlegungen. Dem oberen Management obliegt die Verantwortung für die vorausschauende Planung und Umsetzung der Geschäftsziele, das mittlere Management wacht über die korrekte Umsetzung der Planung. Für die Menschen in der Produktion wurde der Lohn als ausreichene Motivation angesehen. Spass und Selbstverwirklichung hatten in der Arbeitswelt wenig bis nichts zu suchen.

Ein Unternehmen funktioniert wie eine Maschine

So funktionieren die allermeisten Unternehmen bis heute. In dieser Welt herrscht das Ursache _ Wirkung Prinzip. Ein einmal erfolgreiches Vorgehen wird bei erneutem Einsatz zum selben Ergebnis führen. Konsequenterweise sind detaillierte Planungen, geringe Fehlertoleranz und eine ausgeprägte command-control Kultur Attribute dieser Organisationen.

Ihr Ursprung stammt aus dem vorletzten Jahrhundert.

Was davon in der digitalen Welt überleben wird – darum wird es im nächsten Beitrag gehen.

 

Digitalisierung = mit weniger Aufwand viel mehr erreichen

Das ist ja nicht neu für die Menschheit, denken wir an das Zeitalter der Industrialisierung – das liegt gerade einmal gut 100 Jahre zurück. Aber was in den kommenden Jahren auf uns zukommen wird, übersteigt alles bisher dagewesene. Und das ist auch dringend nötig, denn der Menschheit geht beim jetzigen Resourcenverbrauch der Planet aus. Schon heute verbrauchen 20% der Menschheit 80% der Energie. (http://www.iea.org/) Wir sind also gezwungen, etwas zu ändern. Wie soll das funktionieren? Durch Vernetzung – von Dingen und Menschen verbunden mit künstlicher Intelligenz.

Vernetzung von Dingen und Menschen gepaart mit künstlicher Intelligenz

Ein paar Beispiele gefällig?

Da ist zum einen das autonome Fahren. Der teuerste Gegenstand in einem normalen Haushalt ist (nach einer Immobilie natürlich) das Auto. Wenn ein Fahrservice per Fingertipp auf einem Smartphone bereitsteht, wie wahrscheinlich ist es dann noch, dass man ein eigenes teures Auto besitzt, das mindestnes 95% der Zeit nur herumsteht und Geld kostet? Experten sind sich ja schon lange einig, dass die Anzahl der Fahrzeuge drastisch reduziert werden wird, wenn das autonome Fahren sich etabliert hat.

Zusammen mit dem Durchbruch des Elektroantriebs wird der heutige Dieselskandal vielleicht bald wie eine Geschichte aus einer anderen Ära betrachtet werden. Und ja – ich bin überzeugt, dass sich Elektroantriebe sehr schnell durchsetzen werden. Alleine die Tatsache, dass China voll auf diese Technologie setzt, macht es auch für deutsche Autobauer interessanter. Die müssen sowieso schauen, dass sie dem Thema nicht hinterherlaufen, denn China strebt bei Elektromobilität die Marktführerschaft an und unterstützt dies mit jeder Menge staatlicher Anreize. Bei der extrem hohen Luftverschmutzung chinesischer Großstädte auch kein Wunder.

Dinge entscheiden selber und tätigen Geschäfte

Die wirkliche Revolution liegt aber darin, dass ein Auto mittels künstlicher Intelligenz selber Entscheidungen treffen und Geschäfte abwickeln werden. Es gehört keinem Individuum mehr, es bestimmt, wo es wann die Batterien auflädt – vielleicht bei einem Privathaushalt, der die in einer Batterie gespeicherte Sonnenergie als Ladestation für E-Autos verkauft, vielleicht auf einem Supermarkt, der die großen Parkflächen aus der Zeit des Individualverkehrs nicht mehr braucht und daraus große Sonnenkollektoren gemacht hat. Wenn ein Auto also einen Passagier zum Einkaufen fährt, vielleicht ist es dann am günstigsten, direkt vor Ort zu warten und in der Zeit aufzuladen, denn der Supermarkt bietet besonders günstige Konditionen. Das Auto steht im ständigen Kontakt mit der Umwelt – muss es ja sowieso, sonst wäre autonomes Fahren ja gar nicht möglich – und kennt die Standorte und Preise aller verfügbaren Lademöglichkeiten und kann mittels künstlicher Intelligenz die wirtschaftlichste Option bestimmen. Denn: Alles ist vernetzt.

Es geht also weg vom Individualbesitz hin zum Teilen – die Anfänge sehen wir ja heute schon mit AirBnb und Uber, gerne missverstanden als idealistische Abkehr vom Besitzdenken. Das habe ich nie nachvollziehen können, natürlich steht dahinter knallhartes Gewinnstreben. Aber es zeigt einen Trend der Zeit: Weniger Besitz, mehr Abwechslung

Weniger Besitz, mehr Abwechslung – warum nicht auch für Kleidung

Wenn es sich heute bald kein eigenes Auto mehr haben möchte, warum sollte ich dann noch Kleidung selber kaufen wollen? Darüber lohnt sich tatsächlich nachzudenken, denn wie oft wird Kleidung nur für wenige Anlässe getragen – sei es ein Theaterbesuch, eine Einladung zu einer Hochzeit, für einen Festivalbesuch oder zum monatlichen Stammtisch. Gerade als Frau möchte man nicht zweimal mit den selben Klamotten auftauchen – warum also nicht leihen? Der Vorteil wäre: Kleidung würde nicht mehr billig, sondern nachhaltig und langlebig produziert, damit es möglichst oft gewinnbringend “vermietet” werden kann. Erste Ansätze dazu gibt es ja schon. Und natürlich kann auch hier wieder künstliche Intelligenz in der vernetzten Welt auf besonders ausgefallene Stücke aufmerksam machen, die mir persönlich besonders gut stehen. Gerade bei der Textilindustrie wäre das enorm wichtig, denn sie verschlingt unglaubliche Mengen an Ressourcen. Sehr eindrucksvoll dazu dieser TED-Talk.

Alles wird ein Service – Kochen, Rasenmähen, Büro

Was für Autos und Kleidung gilt, kann natürlich auch für alle möglichen anderen Gegenstände gelten, die ich selber besitze. Ich würde vielleicht nicht mein Haus komplett vermieten, wenn ich im Urlaub bin, aber warum sollte ich mein Büro nicht anderen zur Verfügung stellen und damit Einnahmen erzielen? Mittels Blockchain Technologie wäre das sicher möglich – ich WEISS dann ja, wer in meine Wohnung kommt. Auch ohne Blockchain sind auch hier die Anfänge heute schon sichtbar in den vielen OpenSpace Arbeitswelten. Das gleiche könnte auch für mein Fahrrad, meinen Rasenmäher, meinen Thermomix gelten. Warum eigentlich nicht? Es würde Sinn machen, einen “Rasenmäher as a Service” von meinem Nachbarn zu mieten – und vielleicht noch einen “Studenten as a Service”der den Rasen mäht – oder selber “Rasenmähen as a Service” anbieten. Die Welt ist ja vernetzt und wird dadurch unglaublich effizient.