Digistoteles Episode 007 – Fokus Energie: Wenn Konsumenten Erzeuger werden, warum Stromnetze intelligent werden müssen und die Chancen für (fast) kostenlose Energie

Als Kind des Ruhrgebietes waren Unternehmen wie RWE und eon unveränderliche Konstanten, Diskussionen zum Thema Umweltschutz inklusive. Die liefern Strom und daran wird sich auch in 500 Jahren nichts ändern. Punkt.

Dass gerade diese Branche so schnell fundamentale Veränderungen erleben würde, hätte ich vor weniger als fünf Jahren nicht für möglich gehalten. Und auch hier wieder der immer gleiche Mechanismus der Digitalisierung: mehrere Faktoren spielen eine Rolle und die Auswirkungen von verschiedenen Technologien überlagern und verstärken sich.

Erst die Digitalisierung verändert das Spiel grundlegend. 

Doch von Anfang an: Über die Jahre sind viele Kunden zum Erzeuger von Energie geworden – dank der Solarpanele auf dem Dach. Und da stößt unser Energienetz, dessen Konzeption noch aus den Anfängen der Industriealisierung stammt, an seine Grenzen. Denn das ist darauf ausgelegt, dass wenige Kraftwerke viele Abnehmer mit Strom versorgen. Durch die Atomenergie wurde dieser zentralistische Ansatz in den 70ern noch manifestiert.

von zentralen Netzen zu einem verteilten System

Die Hinwendung zu Strom- und Windenergie bringt mehrere Herausforderungen mit sich:

  • Energie wird nicht mehr konstant und planbar erzeugt
  • Mehr und mehr private Haushalte sind nicht mehr nur Konsumenten, sondern erzeugen selber Strom

Damit passt die heutige Netzarchitektur nicht mehr, sondern muss umgebaut werden von einem zentralen zu einem verteilten oder dezentralen System mit vielen Energiespeichern. Damit bräuchte überschüssige Energie nicht mehr ins Ausland verkauft werden zu unattraktiven Preisen auf den Strombörsen. Energiespeicher müssen nicht zwingend klassische Batterien sein, sondern können auch Wasserstoffspeicher sein. Dieser Wasserstoff könnte dann auch wieder an Autos mit Brennstoffzellenantrieb verkauft werden.

Künstliche Intelligenz zur Vorhersage von Energiebedarf und Verteilung

Wenn Energiespeicher immer wichtiger werden, warum nicht auch die Batterien der immer zahlreicheren E-Autos nutzen? Bei Energiebedarf könnte die Batterie entladen werden, bei Überschuss beladen. Dazu braucht es jedoch intelligente Ladestationen, öffentliche und in privaten Haushalten. Hier kommt nun die Informationstechnologie ins Spiel, die durch Auswertung von Wetter- und Verbrauchsdaten immer genauere Prognosen erstellen kann und darauf basierend eine inteligente Preisgestaltung – ähnlich wie bei Flugpreisen: flexibel und an den Bedarf angepasst.UAls Autobesitzer könnte ich mir gut vorstellen, dass ich meine Batterie entladen lasse, wenn ich die Bedingungen dafür festlegen kann – zum Beispiel, dass immer noch genügend Strom vorhanden ist, um zur Arbeit fahren zu können. Die Blockchain mit Smart Contracts lässt grüßen. Und natürlich muss die Stromentnahme vergütet werden – damit würde Elektromobilität noch günstiger.

Die Aufgabe der Politik

Damit sind wir auch schon bei der Politik: Die muss die Rahmenbedingungen schaffen mit einem schnellen Ausbau der intelligenten Ladestationen zum Beispiel. Und dem Bürger vermitteln, welche Möglichkeiten ein intelligentes Stromnetz bringen würde: zu, Beispiel dramatisch fallende Strompreise – wie das Beispiel oben zeigt. Denn Energie ist ja genügend vorhanden, die Herausforderung ist die intelligente Speicherung und Nutzung. Erinnert sich noch jemand an die Nachtspeicheröfen? Dort wurde Energie nachts gespeichert zu niedrigeren Stromkosten, denn nachts war der Bedarf ja nicht so hoch. Dasselbe Prinzip kann man auch in Smart Grids anwenden: Bei Energieüberschuss im Netz und in dem Moment gerade günstigen Stromkosten stellt sich meine Waschmaschine automatisch an – wenn ich es möchte und damit Geld sparen kann.

Energie könnte aus Dauer sehr viel billiger werden, Energiekonzerne entwickeln neue Geschäftsmodelle

Nachhaltige Energie wird heute schon übrigen immer günstiger, die Preise sind seit 2012 deutlich gefallen, wie dieser Artikel vom Weltwirtschaftsforum zeigt. Manche Stimmen prognostizieren, dass Energie fast kostenlos werden könnte. Was das für unser Wirtschaftssystem bedeutet, ist nur zu erahnen. Auf jeden Fall ändern sich die Geschäftsmodelle der Energiekonzerne deutlich. Innogy beispielsweise hat mit seinen Startup-Ausgründungen Shine und neokii schon gezeigt, in welche Richtung es gehen wird:

  • Datenservices für Privatkunden: Wie liege ich im Verbrauch im Vergleich zu anderen vergleichbaren Haushalten, wo sind Einsparpotentiale
  • Beratung bei der Standortbestimmung für Windräder: Wetterdaten, Verbrauchswerte der lokalen Abnehmer

Ihr seht also, das Thema Energie ist sehr vielfältig. Wenn Ihr mehr hören wollt – hört Euch Episode 007 von Digistoteles an – ab Sonntag, 19. März, hier auf Kontrollverlust-fm.de oder Apple Podcasts und Spotify.