Über Haltung in Zeiten des Wandels – Mein Gespräch mit Corinna Maag

Mein heutiger Gast ist die systemische Unternehmensberaterin Corinna Maag. Sie unterstützt Organisationen und Einzelpersonen im Wandel, wenn dieser aus eigener Kraft nicht mehr bewältigt werden kann. Oft rüttelt dieser Wandel an Grundfesten, die nicht so einfach über Bord geworfen werden können. Sie bringt eine Sicht von außen in das System und lässt die Akteure ihren Handlungsspielraum neu wahrnehmen.

Ihr Leitmotiv ist „sicherer Stand in unsicheren Zeiten“.

Was ist eigentlich Haltung?

„Das müssen wir gar nicht unbedingt wissen, jedenfalls nicht sofort“ meint Corinna. Viel wichtiger ist eine Offenheit gegenüber Veränderung. Haltung ist, wie man es im hebräischen bezeichnet, ein „Gefäßwort“ – so wie „Agilität“ oder „Digitalisierung“. Es liegt an einem selber, es mit Inhalt zu füllen. Es geht vor allem darum, wie kann ich mich selber verhalten, damit Veränderung zum Besseren geschehen kann.

Die eigene Veränderung löst bei anderen etwas aus

Und da wären wir wieder bei dem Fakt, dass wir andere nicht in eine Veränderung reinquatschen können. Das soll aber nicht heißen, dass es hoffnungslos ist. Denn wenn wir uns selber verändern, spürt das unser Umfeld und reagiert auf einmal anders auf uns. Und schon ist die Veränderung in Gang gesetzt. Das zu erkennen ist wichtig für Führungskräfte: Wenn alle offener werden, schaffe ich einen ganz neuen Raum an Möglichkeiten.

In Krisensituationen den Weg aus dem Hamsterrad finden

Das sagt sich natürlich so leicht dahin. Üblicherweise passiert genau das Gegenteil. In einer Krise bekommen wir schnell einen Tunnelblick, der sich oft in ein krampfhaftes Festhalten an alten Mustern äußert. Damit ist man im Hamsterrad gefangen: Das angestrebte Ziel kann trotz großer Mühen nicht erreicht werden. Da heißt es anhalten und sich umschauen – also sich öffnen. Was habe ich denn noch für Ressourcen und Stärken, auf die ich zurückgreifen kann.

Sichtweisen von „oben“ und „unten“ verhindern die Sicht auf das Gegenüber

Dieses Öffnen ist ein Lösungsansatz für Spannungen aller Art. Auch für den Klassiker: Agilisten vs. Hierachie-Gläubige. Wer den anderen „von oben herab“ betrachtet, kommt nicht in den Dialog und ist nicht offen für die Position des anderen. Auch hier gilt: die Kategorisierungen „gut“ und „schlecht“ einfach weglassen – und die Gemeinsamkeiten nicht vergessen. Nur auf dieser Basis können wir an den Unterschieden wachsen. Das Zitat von Virginia Satir hat Corinna schon bei einem unserer ersten Begegnungen erwähnt und es war mir persönlich ein Leitspruch in vielen Situationen bisher.

„Wir begegnen uns in den Gemeinsamkeiten und wachsen an den Unterschieden“

Das zutiefst menschliche Bedürfnis verbunden zu sein – also die Gemeinsamkeiten -, ist auch für Führungskräfte wichtig. Dann ist es möglich, die eigene Begrenztheit – gerade in diesen komplexen Zeit – als unumstößliches Gesetz anzuerkennen und damit das „Oben“ und „unten“ auflösen kann. Damit nimmt die Führungskraft eine andere Rolle ein. Damit entwickeln wir uns auch als Individuen weiter, indem wir uns gegenseitig als Mensch sehen und nicht als eine „Human Ressouce“, die Aufgaben zu erledigen hat.

Verantwortung für mich kann niemand anders übernehmen

Dieser Grundsatz beinhaltet allerdings auch, dass bei fehlenden Gemeinsamkeiten eine Trennung das Richtige ist.Heißt konkret, wenn durch Veränderungen das gemeinsame Fundament wegbricht, muss man sich trennen. Und das hat dann etwas mit Verantwortung sich selber gegenüber und damit auch Selbstbestimmung zu tun.

Interessiert? Dann hört rein in die neueste Episode von Digistoteles:

Kontrollverlust

Apple Podcast

Spotify:

Über mich:

Ich mache Digitalisierung greifbar durch konkrete Geschichten: Zu Technologien, Menschen und Organisationen. Immer mit Fokus auf den Chancen. Die Herausforderungen kommen noch früh genug. Sprechen Sie mich einfach an: Für Keynotes und Workshops.

Wenn Sie den Artikel interessant fanden und mehr von mir lesen wollen, folgen Sie mir auf LinkedInTwitter oder besuchen Sie meine Webseite. Wenn Sie lieber hören, dann folgen Sie unserem Podcast Digistoteles.

ctrlV020 - Über Haltung in Zeiten des Wandels - mein Gespräch mit Corinna Maag

Shownotes

Episoden-Download

Kontributoren

 
avatar Dorothee Töreki
avatar Corinna Maag