„Tina, was kosten die Kondome?“ – Über Informationssicherheit & Datenschutz. Mein Gespräch mit Hagen Bauer

Hagen Bauer ist Executive IT Spezialist bei IBM, wir kennen uns aus dieser Zeit. Hagen hat das Talent, die trockensten Themen spannend aufzubereiten. Nie werde ich den Vortrag über Docker vergessen, als er seine Zuschauer auch bei diesem Thema in den Bann gezogen hat. Er ist eine seltene Mischung aus Nerd und Entertainment-Talent. Was lag also näher, als Hagen in für das (für mich) eher trockene Thema IT-Sicherheit, Informationssicherheit und Datenschutz einzuladen.

Informationssicherheit bezieht sich nicht nur auf elektronisch gespeicherte Daten

Ich beginne mit der Frage nach der Begriffsdefinition von Datenschutz und Informationssicherheit – Hagen macht sofort deutlich, dass Informationssicherheit weiter betrachtet werden muss, als man gemeinhin denkt: Können Dritte auf meinen Bildschirm schauen, wenn ich vertrauliche Informationen im öffentlichen Raum beabeite? Sind die Informationen in einem (analogen) Ordner in meinem Büro sicher? Gibt es einen abschließbaren Schrank? Und natürlich die Fragen, welche Informationen wir zum Beispiel am Flughafen in unsere Telefone sprechen, mitzuhören von interessierten Nachbarn um uns herum?

Ist die Datenschutzgrundverordnung nicht einfach nur ärgerlich?

Keineswegs, meint Hagen. Sie macht sogar sehr viel Sinn. Er vergleicht die Entwicklung mit dem Automobil. Am Anfang konnte jeder ohne Führerschein und unter Einfluß von Drogen einfach so herumfahren. Bis die Zahl der Autos stieg und die Zahl der Unfälle. Es wurde klar – wir brauchen Regeln. So ist es auch mit dem Datenschutz. Am Anfang hat jeder mit Daten gemacht, was er wollte und jetzt gibt es eben Regeln zu personenbezogenen Daten, an die sich jeder zu halten hat – „das ist erst mal eine coole Sache“.

Datenschutz ist unternehmenskritisch

Ich frage Hagen, ob die DSGVO nicht nur den kleinen Friseur am Wickel hat: Bei dem muss ich ein Formular unterschreiben, das dann in einem sicheren Ordner abgelegt werden muss, damit er mir einen digitalen Kalendereintrag für meinen nächsten Termin geben kann. Nein, es trifft ganz klar zuerst die Großen. Ganz aktuell zum Beispiel die Marriott Hotelkette, die 90 Millionen Pfund Strafe zahlen musste, weil ein kürzlich akquiriertes Unternehmen den Datenschutz nicht eingehalten hat.

Der Unternehmenswert sinkt, wenn die Einhaltung der Datenschutzregelungen nicht eingehalten werden kann

Gerade wenn Unternehmen Geschäftsbereiche verkaufen wollen, sind sie gut beraten, die Einhaltung der Datenschutzregelungen nachweisen zu können. Andernfalls ist der Verkauf gefährdet oder spült deutlich weniger Geld in die Kassen.

Wir brauchen mehr Aufklärung

Nicht nur Unternehmen, sondern wir alle sollten uns viel mehr mit dem Thema auseinandersetzen. Wo macht die Weitergabe von Daten Sinn, weil sie mein Leben verlängern kann (Apple Watch) und wem kann ich überhaupt trauen? Geht Apple mit den Daten sicherer um als meine Krankenkasse?

Hagen bringt es mal wieder auf den Punkt: „WIe damals bei der Aids Kampagne brauchen wir Aufklärung und eine breite Diskussion auf gesellschaftlicher Ebene.“ Wir müssen erkennen, wo Chancen und wo Gefahren sind und uns natürlich auch mit den Zugriffen des Staates auf unsere Daten ausienandersetzen. Und wir alle sollten zusehen, dass wir immer ein USB-Kondom dabei haben.

Na, das Thema ist doch nicht so langweilig oder? Hier geht es zu Episode:

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avatar Dorothee Töreki