Archiv für den Monat: November 2019

Digitstoteles020 – Warum wir in der Arbeitswelt von morgen mehr Verantwortung für uns selbst übernehmen müssen. Mein Gespräch mit Alexandra Fronius

Meine heutige Gesprächspartnerin Alexandra Fronius (http://www.relaxlife.de/) ist Coach, sie hilft Menschen bei Veränderungsprozessen. Ihr Motto passt zu unserem heutigen Thema „Glück entsteht, wenn Du es zulässt“. Dies bedeutet, Glück passiert nicht „einfach so“, sondern es liegt an mir, ein erfülltes Leben zu führen. Und da schließt sich der Kreis zur Arbeitswelt:

Vom Rädchen im Getriebe zum individuellen Menschen

Wenn mehr und mehr standardisierte Aufgaben von Maschinen übernommen werden, was bleibt dann noch für den Menschen? Das, was uns ausmacht: Kreativität, Empathie, Kommunikationsfähigkeit und unsere individuellen Stärken. Wir sind in Zukunft als immer weniger, das Rädchen im Getriebe, das sich in die Maschinerie „Arbeitswelt“ einfügen muss, sondern wir müssen uns selbst finden. Und darin kann dann auch das Glück liegen.

Nur wer seine Stärken kennt, kann mit seinen Schwächen umgehen

Es fängt schon in der Schule an, meint Alexandra: Wir wollen individuelle Kinder, lassen Individualität aber gar nicht zu. Jeder soll auf das Gymnasium und ein Studium absolvieren. Dies lässt überhaupt keinen Raum für individuelle Entfaltung. Diese ist aber enorm wichtig, denn nur wer seine Stärken kennt, kann mit seinen Schwächen umgehen.

Glück entsteht, wenn man sein Leben selbst in die Hand nimmt

Dabei ist Alexandra davon überzeugt: Glück entsteht, wenn man sein Leben selbst in die Hand nimmt und aus Situationen herausgeht, die einem nicht gut tun. Also selbst die Veränderung auslösen, die man sich wünscht. Leider stehen uns da oft unsere Glaubenssätze im Weg: „Das steht mir nicht zu“ oder „das kann ich nicht“. Leider spiegelt uns dann unsere Umwelt auch genau diese Glaubenssätze, denn etwas anderes erkennen wir gar nicht. Wer kennt es nicht: Jemand macht uns ein Kompliment oder bewundert unsere Leistung und unser erster Reflex ist: „Das ist doch nichts Besonderes“ oder „das war bestimmt nicht ernst gemeint“. Vielleicht auch deshalb, weil wir erzogen worden sind, dass nur harte Arbeit gute Arbeit ist. Wenn etwas leicht gefallen ist, kann es nicht gut sein.

Agile Arbeitsweisen implizieren Eigenverantwortung

Die neue Arbeitswelt entsteht ja schon. Agile Arbeitsweisen finden in selbstorganisierten Teams statt. Es gibt also keine Führungskraft mehr, die etwas anweist und damit auch die Verantwortung hat. In dem Augenblick, in der ich eine Aufgabe übernehme, habe ich auch selber die Verantwortung. Deshalb ist es auch so schwer, in hierarchischen Teams agile Arbeitsweisen zu etablieren. Denn dies erfordert Vertrauen auf allen Seiten: Die Führungskraft muss vertrauen, dass die Menschen die Aufgaben erfüllen können, der Mitarbeiter muss vertrauen können, dass er die Freiheiten auch wirklich hat.

Agiles Arbeiten ist wie eine neue Sprache lernen

Das funktioniert nicht auf Knopfdruck und auch nicht von heute auf morgen. „Das ist wie eine neue Sprache lernen“, sagt Alexandra. Und es sind nicht nur kognitive Fähigkeiten, die auf einmal gefordert sind. Vertrauen zu erlangen ist etwas zutiefst Emotionales.

Zum Schluß sprechen wir noch über die Anforderungen an Schule und Bildung, um uns alle fit für die Zukunft zu machen. Alexandra sagt: „Selbstliebe erlernen müsste ein Schulfach werden“.

Neugierig geworden? Hier geht es zum Podcast:

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„Tina, was kosten die Kondome?“ – Über Informationssicherheit & Datenschutz. Mein Gespräch mit Hagen Bauer

Hagen Bauer ist Executive IT Spezialist bei IBM, wir kennen uns aus dieser Zeit. Hagen hat das Talent, die trockensten Themen spannend aufzubereiten. Nie werde ich den Vortrag über Docker vergessen, als er seine Zuschauer auch bei diesem Thema in den Bann gezogen hat. Er ist eine seltene Mischung aus Nerd und Entertainment-Talent. Was lag also näher, als Hagen in für das (für mich) eher trockene Thema IT-Sicherheit, Informationssicherheit und Datenschutz einzuladen.

Informationssicherheit bezieht sich nicht nur auf elektronisch gespeicherte Daten

Ich beginne mit der Frage nach der Begriffsdefinition von Datenschutz und Informationssicherheit – Hagen macht sofort deutlich, dass Informationssicherheit weiter betrachtet werden muss, als man gemeinhin denkt: Können Dritte auf meinen Bildschirm schauen, wenn ich vertrauliche Informationen im öffentlichen Raum beabeite? Sind die Informationen in einem (analogen) Ordner in meinem Büro sicher? Gibt es einen abschließbaren Schrank? Und natürlich die Fragen, welche Informationen wir zum Beispiel am Flughafen in unsere Telefone sprechen, mitzuhören von interessierten Nachbarn um uns herum?

Ist die Datenschutzgrundverordnung nicht einfach nur ärgerlich?

Keineswegs, meint Hagen. Sie macht sogar sehr viel Sinn. Er vergleicht die Entwicklung mit dem Automobil. Am Anfang konnte jeder ohne Führerschein und unter Einfluß von Drogen einfach so herumfahren. Bis die Zahl der Autos stieg und die Zahl der Unfälle. Es wurde klar – wir brauchen Regeln. So ist es auch mit dem Datenschutz. Am Anfang hat jeder mit Daten gemacht, was er wollte und jetzt gibt es eben Regeln zu personenbezogenen Daten, an die sich jeder zu halten hat – „das ist erst mal eine coole Sache“.

Datenschutz ist unternehmenskritisch

Ich frage Hagen, ob die DSGVO nicht nur den kleinen Friseur am Wickel hat: Bei dem muss ich ein Formular unterschreiben, das dann in einem sicheren Ordner abgelegt werden muss, damit er mir einen digitalen Kalendereintrag für meinen nächsten Termin geben kann. Nein, es trifft ganz klar zuerst die Großen. Ganz aktuell zum Beispiel die Marriott Hotelkette, die 90 Millionen Pfund Strafe zahlen musste, weil ein kürzlich akquiriertes Unternehmen den Datenschutz nicht eingehalten hat.

Der Unternehmenswert sinkt, wenn die Einhaltung der Datenschutzregelungen nicht eingehalten werden kann

Gerade wenn Unternehmen Geschäftsbereiche verkaufen wollen, sind sie gut beraten, die Einhaltung der Datenschutzregelungen nachweisen zu können. Andernfalls ist der Verkauf gefährdet oder spült deutlich weniger Geld in die Kassen.

Wir brauchen mehr Aufklärung

Nicht nur Unternehmen, sondern wir alle sollten uns viel mehr mit dem Thema auseinandersetzen. Wo macht die Weitergabe von Daten Sinn, weil sie mein Leben verlängern kann (Apple Watch) und wem kann ich überhaupt trauen? Geht Apple mit den Daten sicherer um als meine Krankenkasse?

Hagen bringt es mal wieder auf den Punkt: „WIe damals bei der Aids Kampagne brauchen wir Aufklärung und eine breite Diskussion auf gesellschaftlicher Ebene.“ Wir müssen erkennen, wo Chancen und wo Gefahren sind und uns natürlich auch mit den Zugriffen des Staates auf unsere Daten ausienandersetzen. Und wir alle sollten zusehen, dass wir immer ein USB-Kondom dabei haben.

Na, das Thema ist doch nicht so langweilig oder? Hier geht es zu Episode:

kontrollverlusthttp://kontrollverlust-fm.de/podlove/file/350/s/download/c/select-show/019ITSIcherheit.mp3

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