Archiv der Kategorie: Allgemein

Inside Fintech Gini: Strukturen und Entscheidungen in einem selbstorganisierten Unternehmen

Gini hilft Buchhaltungen und Bankkunden durch einen intelligenten Assistenten vom Papierkrieg zu befreien. 2011 gegründet, hat es die Startphase mittlerweile hinter sich. Meine Gesprächspartnerin heute ist die Psychologin Nicola Heckler, die bei Gini für  Recruiting und Personal- und Organisationsentwicklung zuständig ist.

 Warum Gini? 

Ich frage Nicola, warum sie sich für Gini als Arbeitgeber entschieden hat. Wie es so oft, spielte am Anfang der Zufall eine Rolle. Als sie von der besonderen Firmenkultur erfuhr und sich diese im Gini Handbuch genauer anschaute, was sie fasziniert. Ein Unternehmen abseits der klassischen Hierarchie mit einer ganz anderen Art von Führung und Entscheidungsfindung, die viel auf Kommunikation und den Unternehmenswerten beruht. 

Unternehmenswert „Love“  

Fangen wir mit „Love“ an – oder „Herzlichkeit“ wie Gini es ins Deutsche übersetzt – als eine der Unternehmenswerte. Konkret heißt das – Wertschätzung und Respekt in jeder menschlichen Begegnung. Dies hat sie schon bei ihrem eigenen Bewerbung berührt. Heute sagt sie, dass es sie immer noch begeistert, dass sie nicht nur von Experten ihres Fachs umgeben ist, sondern auch von Menschen, die emphatisch sind und eine besondere Atmosphäre schaffen. Dies hat für Nicola zu einer persönlichen Weiterentwicklung geführt, die auch ins Private reicht.  

Wie verhandelt man Gehälter in einem transparenten Unternehmen?  

Transparenz ist ein Unterpunkt der Werte „Einsatz und Verantwortung“. Wie funktioniert dies bei Gehaltsverhandlungen? Ziel war es von Anfang an, eher zurückhaltende Mitarbeiter nicht zu benachteiligen, die von sich aus vielleicht gar nicht nach einer Gehaltserhöhung fragen würden. Grundlage der Gehaltsrunden sind Peer to Peer Beurteilungen und das Abschneiden des jeweiligen Teams. Das Ranking der Teams ist transparent für alle. 

Entscheidungsfindung in der Selbstorganisation 

Die große Frage: Wie werden Entscheidungen in einem Unternehmen ohne klassische Führungsrollen getroffen? Grundsätzlich geht es darum: Es muss nicht die eigene Meinung durchgesetzt werden, aber jeder, der von einer Entscheidung betroffen ist, muss Input geben können. Je nach Größe der Entscheidung hat ein Einzelner das Mandat zur Entscheidung, muss aber die Entscheidung begründen können. Bei größeren Themen wird im Konsent und nicht im Konsens (Kompromiss) entschieden. Das heißt, es wird ein konkreter Entscheidungsvorschlag gemacht, wenn niemand einen begründeten (!) Einwand hat, wird die Entscheidung umgesetzt. Heißt umgekehrt aber auch, dass ein einziger Einwand eine Entscheidung drehen kann, wenn derjenige dies so gut begründen kann, dass er die anderen überzeugt.  

Feedback auch in der Entscheidungsfindung 

Und da haben wir wieder die Feedback-Kultur. Die Vorteile heben den Nachteil der höheren Aufwandes auf: Auseinandersetzen mit anderen Sichtweisen und Selbstwirksamkeit. Selbst wenn mir eine Entscheidung vielleicht nicht 100%ig gefällt, habe ich doch einen Beitrag leisten können. Und zwar nicht „einfach so“, weil man gerade auf Krawall gebürstet war, sondern mit einer fundierten Begründung, warum diese Entscheidung die Erreichung der Unternehmensziele verhindern würde oder gegen die Werte verstoßen würde. Wer sich hier genauer informieren möchte, kann sich den Gini Blogeintrag zu dem Thema durchlesen.

Mit Nicola rede ich auch noch über die Gründe für die Selbstorganisation und welche Hürden Gini auf dem Weg dahin nehmen musst. Neugierig geworden? Dann hört rein in die neueste Episode von Digistoteles.

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Neue Prozesse mit agilen Methoden definieren? Von der Protoypen – in die Serienentwicklung. Mein Gespräch mit Marc Fiedler

Marc Fiedler ist Maschinenbauingenieur, ist dieses Jahr Vater geworden und liebt beruflich Mathematik und Physik. Er ist schon früh in seiner Karriere zur Führungskraft aufgestiegen und hat sich damit auseinandergesetzt, wie diverse Teams die besten Ergebnisse erzielen. Er hat in klassischen Hierarchien gearbeitet, ist jetzt bei Hofer-pdc in einem Unternehmen, das sich aktiv mit der Weiterentwicklung der Organisation beschäftigt.

Herausforderung: Vom Protoypen in die Serienentwicklung

Über die Jahre hat die Firma Hofer über die Herstellung von Protoypen für Antriebe so viel KnowHow erreicht, dass der nächste Schritt der Übergang in die Serienentwicklung war. Dies war die erste Aufgabe für Marc im neuen Unternehmen. Wie schafft man es, die sehr auf Wissenschaft und Technik fokussierte Herangehensweise stärker in Prozesse zu gießen und was heißt das für die Organisation? Von seiner Chefin hat er dabei die Freiheit bekommen, neue Methoden auszuprobieren und ergebnisoffen vorzugehen.

Ziel: Ein Gefühl der Sicherheit geben in einem komplexen Umfeld

Teil der Aufgabe war es, Menschen aus unterschiedlichen Standorten und Kompetenzen zusammenzubringen und daraus eine einheitlich agierende Zelle zu schaffen. Dazu gehört es auch, die Sicherheit zu vermitteln, dass der Umgang mit Komplexität machbar ist – mit den richtigen Methoden. Ein konkretes Beispiel: Ein Experte zu einem spezifischen Thema hat das Unternehmen verlassen. Wie kann diese Kompetenz ersetzt werden? Indem man Kommunikation in Gang setzt: sichtbar macht, wer welche Fähigkeiten hat und die richtigen Personen zusammenbringt. Das Wissen ist im Unternehmen da – es muss transparent gemacht werden und die Möglichkeit zum Austausch gegeben werden.

Erster Schritt: Sich als Mensch begegnen

Dazu muss man sich persönlich begegnen und sich kennenlernen. Auf die Frage „Was hat das jetzt mit unserer technologischen Aufgabenstellung zu tun?“ antwortete Marc: „Nichts, aber wie wollen wir die nächsten Jahre an solch einer komplexen Aufgabe zusammen arbeiten, wenn wir nichts voneinander wissen?“ Alleine in diesem ersten Schritt fanden sich schon Kollegen mit gemeinsamen Interessen, von denen sie vorher nichts wussten. In dieser offenen Atmosphäre würden Kompetenzen sichtbar, die dann verknüpft wurden – die passenden Austauschwege wurden so gefunden.

Gemeinsame Werte helfen loszulassen

Der nächste Schritt ist dann immer noch nicht die fachliche Arbeit, sondern die Definition gemeinsamer Werte. Marc beschreibt, wie ihm das als Führungskraft geholfen hat, loszulassen. Denn er hat festgestellt, dass sich das Team selber reguliert, in dem es sich immer wieder auf die gemeinsam definierten Werte beruft.

Wie schwer war es, die neuen Ansätze zu etablieren?

Gar nicht schwer, meint Marc. Was eigentlich nicht verwundert, denn Marc ist Überzeugungstäter. Er wendet die Methoden nicht einfach nur an, weil es gerade in ist, sondern weil er zutiefst davon überzeugt ist, dass Zusammenarbeit nur auf Basis eines Miteinander wirklich gut gelingen kann. Und da sind wir bei den Anfängen seiner Karriere als Führungskraft.

Wie führt man ein Team aus vielen unterschiedlichen Experten?

Er war in seiner ersten Führungsaufgabe für ein Team mit ganz unterschiedlichen Kompetenzen verantwortlich. Da lag es schon in der Natur der Aufgabe, dass er fachlich nicht besser sein konnte als seine Teammitglieder. Heißt, er war gar nicht in der Lage, allen strikt vorzugeben, was sie zu tun hatten. Das war der Antrieb, sich mit neuen Führungsthemen  wie selbstorganisierte Teams zu auseinanderzusetzen. 

Einfach mal ausprobieren

Marc hat auch keine Angst, einfach mal etwas auszuprobieren und zu schauen, ob es funktioniert oder nicht. Die Grundvoraussetzung in komplexen Arbeitswelten und stetem Wandel. Und Marc hat noch etwas, das vielleicht noch entscheidender ist für den Erfolg seiner Arbeit: Er hat ein positives Menschenbild. Das strahlt auf die Menschen in seiner Umgebung ab – es ist einfach schön, mit Marc zu arbeiten. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Woher er das hat? Vielleicht von seinem Vater. Denn auf meine Frage nach einem Beispiel für seinen Führungsstil  erzählt er eine Geschichte von seinem Vater, die mich sehr berührt hat.
Wenn Ihr die erfahren wollt, dann hört rein in die neueste Episode von Digistoteles

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Über Haltung in Zeiten des Wandels – Mein Gespräch mit Corinna Maag

Mein heutiger Gast ist die systemische Unternehmensberaterin Corinna Maag. Sie unterstützt Organisationen und Einzelpersonen im Wandel, wenn dieser aus eigener Kraft nicht mehr bewältigt werden kann. Oft rüttelt dieser Wandel an Grundfesten, die nicht so einfach über Bord geworfen werden können. Sie bringt eine Sicht von außen in das System und lässt die Akteure ihren Handlungsspielraum neu wahrnehmen.

Ihr Leitmotiv ist „sicherer Stand in unsicheren Zeiten“.

Was ist eigentlich Haltung?

„Das müssen wir gar nicht unbedingt wissen, jedenfalls nicht sofort“ meint Corinna. Viel wichtiger ist eine Offenheit gegenüber Veränderung. Haltung ist, wie man es im hebräischen bezeichnet, ein „Gefäßwort“ – so wie „Agilität“ oder „Digitalisierung“. Es liegt an einem selber, es mit Inhalt zu füllen. Es geht vor allem darum, wie kann ich mich selber verhalten, damit Veränderung zum Besseren geschehen kann.

Die eigene Veränderung löst bei anderen etwas aus

Und da wären wir wieder bei dem Fakt, dass wir andere nicht in eine Veränderung reinquatschen können. Das soll aber nicht heißen, dass es hoffnungslos ist. Denn wenn wir uns selber verändern, spürt das unser Umfeld und reagiert auf einmal anders auf uns. Und schon ist die Veränderung in Gang gesetzt. Das zu erkennen ist wichtig für Führungskräfte: Wenn alle offener werden, schaffe ich einen ganz neuen Raum an Möglichkeiten.

In Krisensituationen den Weg aus dem Hamsterrad finden

Das sagt sich natürlich so leicht dahin. Üblicherweise passiert genau das Gegenteil. In einer Krise bekommen wir schnell einen Tunnelblick, der sich oft in ein krampfhaftes Festhalten an alten Mustern äußert. Damit ist man im Hamsterrad gefangen: Das angestrebte Ziel kann trotz großer Mühen nicht erreicht werden. Da heißt es anhalten und sich umschauen – also sich öffnen. Was habe ich denn noch für Ressourcen und Stärken, auf die ich zurückgreifen kann.

Sichtweisen von „oben“ und „unten“ verhindern die Sicht auf das Gegenüber

Dieses Öffnen ist ein Lösungsansatz für Spannungen aller Art. Auch für den Klassiker: Agilisten vs. Hierachie-Gläubige. Wer den anderen „von oben herab“ betrachtet, kommt nicht in den Dialog und ist nicht offen für die Position des anderen. Auch hier gilt: die Kategorisierungen „gut“ und „schlecht“ einfach weglassen – und die Gemeinsamkeiten nicht vergessen. Nur auf dieser Basis können wir an den Unterschieden wachsen. Das Zitat von Virginia Satir hat Corinna schon bei einem unserer ersten Begegnungen erwähnt und es war mir persönlich ein Leitspruch in vielen Situationen bisher.

„Wir begegnen uns in den Gemeinsamkeiten und wachsen an den Unterschieden“

Das zutiefst menschliche Bedürfnis verbunden zu sein – also die Gemeinsamkeiten -, ist auch für Führungskräfte wichtig. Dann ist es möglich, die eigene Begrenztheit – gerade in diesen komplexen Zeit – als unumstößliches Gesetz anzuerkennen und damit das „Oben“ und „unten“ auflösen kann. Damit nimmt die Führungskraft eine andere Rolle ein. Damit entwickeln wir uns auch als Individuen weiter, indem wir uns gegenseitig als Mensch sehen und nicht als eine „Human Ressouce“, die Aufgaben zu erledigen hat.

Verantwortung für mich kann niemand anders übernehmen

Dieser Grundsatz beinhaltet allerdings auch, dass bei fehlenden Gemeinsamkeiten eine Trennung das Richtige ist.Heißt konkret, wenn durch Veränderungen das gemeinsame Fundament wegbricht, muss man sich trennen. Und das hat dann etwas mit Verantwortung sich selber gegenüber und damit auch Selbstbestimmung zu tun.

Interessiert? Dann hört rein in die neueste Episode von Digistoteles:

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Die Cloud Revolution – Oder warum Informationstechnologie nicht (nur) aus funktionaler Sicht betrachtet werden darf. Mein Gespräch mit Thomas Landgraf

Thomas Landgraf hat viele deutsche Großunternehmen strategisch beraten, wenn es um die Adaption von Cutting-Edge Hochtechnologie ging. Er hat für IBM, Microsoft und heute für T-Systems die Entwicklung von Cloudservices, künstlicher Intelligenz fast von der Geburtsstunde an hautnah miterlebt. Ich bin mit Thomas seit vielen Jahren befreundet, was das Gespräch auch für mich zu einem besonderen Erlebnis gemacht hat.

Weltherrschaft von weniger als einer Handvoll Unternehmen?

Wir beginnen unser Gespräch direkt mit dem delikaten Thema – beherrschen nun wenige Firmen der Informationstechnologie diese Welt? Thomas sieht das differenzierter, es benötigt ja zusätzlich zum Beispiel noch Energie und Netzwerktechnologien. Ohne den Backbone einer Deutschen Telekom Verizon, und wie sie alle heißen, nutzt die schönste Cloudtechnologie nichts. Und ja, es gibt nur wenige Unternehmen, die über genügend finanzielle Ressourcen verfügen, diese Technologien zu entwickeln und bereitzustellen.

Demokratisierung von Technologie

Andererseits geschieht durch den Wandel zur Cloud hin eine Demokratisierung von Technologie. Jeder – egal ob ein Großkonzern oder ein Startup – hat die Möglichkeiten künstliche Intelligenz und (fast) unbegrenzte Rechenleistung für sich zu nutzen. Computing Power aus der Steckdose. Zudem ist das Wissen über diese Technologie durch die großen Partnernetzwerke der IT-Riesen auf viele Köpfe weltweit verteilt.

Das Wissen von heute kann morgen wertlos sein

Wer in der IT arbeitet, dem bläst der Wind der Veränderung besonders stürmisch ins Gesicht. Heißt konkret, mein Wissen von heute kann morgen schon wertlos sein. Wenn mein Unternehmen sich entscheidet, in die Cloud zu gehen, wird es die Anwendung, für die ich jahrelang spezialisiert war, vielleicht so nicht mehr geben. Damit muss man erst einmal umgehen.

Lernen, Teilen & Vernetzen

Und da sind wir dann schon wieder beim Thema New Work. Es hängt eben alles mit allem zusammen. Auch wenn es die IT vielleicht zuerst spürt, leben wir doch alle in einer Welt, die von heute auf morgen von rechts auf links gedreht wird. Bereitschaft zu lernen, mit Unsicherheit umzugehen und mit anderen Erfahrungen zu teilen sind für das eigene (berufliche) Überleben und das des Unternehmens also essentiell. Isoliertes Inselwissen wird immer weniger gefragt werden, dafür mehr und mehr Teamplayer die aus ihrem KnowHow und ihrer Sichtweisen neue Wertschöpfung generieren.

Dies gilt nicht nur nach innen, sondern auch nach außen. Ein Beispiel dafür ist die Mitarbeit an Open Source Projekten. Wenn mehrere Unternehmen gemeinsam an einer Codebasis arbeiten, haben alle etwas davon. Auch die Sicherheit von Applikationen würde steigen, wenn alle gemeinsam etwas beitragen würden. Dies geht aber nur mit den entsprechenden Unternehmenswerten. Merken Sie etwas? Wir sind schon wieder bei einem der Schlagworte von New Work. Und schon kommt das nächste:

Agil muss jeder sein

Wandel, Komplexität und Ungewissheit – darum sind agile Arbeitsmethoden entstanden. Weil sie diese Umweltbedingungen als gegeben akzeptieren und in die Arbeitsweise mit aufnehmen. Thomas sagt aber ganz klar: „heute sind wir mal agil und morgen geht es ins Personalbewertungsgespräch“ das wird nicht funktionieren.

Wenn der Vorstand sagt, „Bringt mir Euer Problem, gemeinsam werden wir es lösen“ ist man auf einem guten Weg. Aber es soll sich keiner der Illusion hingeben, man könne 100 Jahre hierarchische Sozialisation auf mit einem Kickoff Meeting aufbrechen.

Sind wir in Deutschland zu satt?

Wir beenden das Gespräch mit einer fast philosophischen Betrachtung unserer Gesellschaft. Führt uns unser Sicherheitsstreben gerade in die Unsicherheit? Ist ein Beharren auf dem Status Quo (sei es Arbeitsplatz, Wissen oder Methodik) eine Sackgasse?

Neugierig? Die Episode gibt es hier auf die Ohren.

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Danke Thomas für das Gespräch! Das nächste Bier geht auf mich. 🙂

Digistoteles Episode 11: Über die Zukunft der Arbeit – von der Sinnsuche bis zum neuen Wirtschaftssystem. Wir drehen das große Rad.

Unser Gast heute ist Kurt Fessel – wir kennen uns aus der Zeit, als er Sales Director Lotus Software bei der IBM war. Seine Art zu führen war seiner Zeit weit voraus: die heute so gepriesenen Leadershipqualitäten wir Authentizität, die Bereitschaft Risiken einzugehen und Menschen als Menschen und nicht als Zahlen zu sehen, hat er schon vor mehr als einer Dekade gelebt. Was Kurt aber zu einer echten Bereicherung für unseren Podcast macht , ist die Fähigkeit Dinge auf den Punkt zu bringen und immer eine gute Geschichte parat zu haben.

Mit ihm drehen wir heute das ganz große Rad: Gesellschaftlich, politisch und philosophisch – dabei wollten wir eigentlich “nur” über Arbeit sprechen.

Von der dörflichen Gemeinschaft zum globalen digitalen Dorf – Arbeit als Beitrag zum Zusammenhalt

Wir fangen ganz von vorne an: Wie war es früher – Arbeit war nicht immer nur Gelderwerb, sondern auch Beitrag zur Gemeinschaft – man hilft sich gegenseitig. Und da sind wir schon beim Begriff Vollbeschäftigung. Im wahrsten Sinne des Wortes ist man das, wenn man vom Aufstehen bis zum Schlafengehen arbeitet. Von der dörflichen Gemeinschaft aus betrachtet, hätten die meinsten von uns also Zeit, auch etwas Sinnstiftendes zu tun – wenn man wüsste, wo der Bedarf ist.

Vereinfacht gesagt: Wenn ich wüsste, wer zum Beispiel gerade einen Schlagbohrer braucht, würde ich ihm einen leihen – und vielleicht auch bei den Arbeiten helfen – oder Nachhilfe, oder Gesellschaft, oder oder. Der Schlagbohrer als Platzhalter für den Bedarf an Beitrag zur Gesellschaft. Und hier schließt sich der Kreis zu Digitalisierung: Durchdie globale Vernetzung könnten wir dies heute schon tun.

Sozialkompetenz als neue Währung in der Arbeitswelt von morgen

Hier stellt Kurt die Frage: Wenn Maschinen mehr und mehr körperliche und geistige Standardarbeiten übernehmen, dann werden Sozialkompetenzen immer wichtiger – denn das können Maschinen (nich) nicht. Dies könnte also die Währung von morgen werden – in einer Welt, in der Arbeit eine fundamental andere Bedeutung hat als heute. Denken wir diesen Ansatz einmal weiter: Verlieren dann materielle Werte an Bedeutung: “Mein Haus, mein Auto, meine Yacht” ?

Müssen wir nicht sowieso eine andere Art zu wirtschaften entwickeln? Klimawandel und ökologische Katastrophen sind die Heimsuchung der modernen Welt. Es gibt Zeichen von Hoffnung: die “Fridays for Future” Bewegung zum Beispiel. DIe Jugend erkennt ihre politische Wirkmacht. Und lernt nebenbei viel mehr, als die es im klassischen Bildungssystem tun würde. Wobei wir schon beim nächsten großen Thema sind: wir müssen unsere Bildungssysteme umgestaltet werden.

Ich sagte ja – wir drehen das große Rad.

Interessiert? Hier geht es zur Episode:

http://bit.ly/2OAKLA3

Und natürlich auf Spotify und Apple Podcasts:

Digistoteles Episode 10: Agiles Arbeiten oder die Kunst, Fahrradfahren zu lernen

Ja, auch wir springen auf den Buzzwordbingo-Zug auf. Aber nicht, um auch mal drüber geredet zu haben, sondern um unsere konkreten Erfahrungen darüber auszutauschen. Wir – das sind in dieser Folge Arnd und ich (Doro) und wir propagieren diese Art des Arbeitens schon ein paar Jahre und haben damit unsere Erfahrungen gemacht.

Und ich nehme es direkt vorweg: Uns ist das Thema sehr wichtig, weil wir glauben, dass ohne diese Art des Arbeitens Unternehmen nicht mehr schnell genug sein werden, um in der rasanten Welt der Digitalisierung mithalten zu können.

Es reicht heute nämlich nicht mehr aus, groß und mächtig zu sein, um sich auf seinen Lorbeeren ausruhen zu können.

Die Automobilindustrie beispielsweise fängt gerade erst an, dies schmerzhaft zu spüren. Die nächsten Jahre werden nach meiner Prognose noch viel härter werden. Aber zurück zur Methode. Worum geht es eigentlich? Der Kern aller agilen Arbeitsmethoden ist, dass sie auf einem empirischen Ansatz aufbauen. Heißt konkret:

Am Anfang des Projektes kann man noch nicht alle Aspekte kennen, die man bis zur Fertigstellung wissen muss. Erfahrung und neues Wissen ergeben sich mit dem Fortschritt der Arbeiten und werden sukzessive eingebaut. Damit ist man viel flexibler und näher an der Realität als in den sogenannten Wasserfallmethoden.

Die Wasserfallmethode ist eine Illusion, denn sie geht von einer Planbarkeit der Welt aus, die es so nicht gibt.

Deshalb ist agiles Arbeiten so schnell: Es ist näher am wahren Leben: das bedeutet, ich muss mit Überraschungen und veränderten Rahmenbedingungen umgehen. Arnd stellt die – aus meiner Sicht sehr wahre – These auf, dass auch in Wasserfallmethoden so gearbeitet wird, weil die Realität die Planung sowieso wieder einholt. Es will nur keiner zugeben und kostet mehr Zeit, weil die Methode dies nicht hergibt.

Warum ist es dann eigentlich so schwer, agil zu arbeiten? Der SCRUM Guide beispielsweise umfasst nur 19 Seiten. Die Regeln sind sehr einfach und schnell umgesetzt. Wenn da nicht die Tücke mit den Werten wäre.

Agile Werte verlangen Haltung

SCRUM kennt keine klassischen Manager – die Entwickler (also, die die Projektschritte bearbeiten) sind selbstorganisiert, die Aufgaben sind transparent verteilt. Jeden Tag trifft man sich kurz und gibt den anderen ein Update zur eigenen Arbeit. Heißt auch, wenn man einmal nicht weiterkommt, muss man dies zugeben – das erfordert Mut. Genauso wie die Offenheit, mit dem man miteinander kommuniziert. Denn das Verstecken von unangenehmen Themen oder Hindernissen in der Arbeit kostet Zeit – und dabei geht es ja bei der Methode: Geschwindigkeit hat oberste Prioriät.

Dies tatsächlich umzusetzen, erfordert Zeit. Die meisten von uns sind in hierarchischen Organisationen sozialisiert worden, wo die Führungskräfte sagen, was passiert. Offenheit und Selbstorganisation sind da ein großer Wandel.

Deshalb ist das agile Arbeiten wie Fahrradfahren: Nur eine Beschreibung zu lesen, wie es theoretisch funktioniert, reicht nicht aus. Man muss tatsächlich auf das Fahrrad steigen, ein paarmal hinfallen bis man es irgendwann kann, ohne groß darüber nachzudenken.

Interesse geweckt?

Dann hört Euch die aktuelleste Folge von Digistoteles an.

Und die kritische Betrachtung von Agilität gibt es in einer der nächsten Folgen.

Digistoteles Folge 009: Unbekannte digitale Pioniere aus Bildung, Wirtschaft und Gesundheitswesen

Heute geht es um die Menschen, die außerhalb der digitalen Gemeinde wenig bekannt sind. SIe haben in ganz unterschiedlichen Gebieten Herausragendes geleistet:

Sugata Mitra:

Selbstorganisierte Bildung ohne Lehrer

Erfahrt, was Kinder sich selber beibringen können, wenn sie nur einen PC mit Breitbandanschluß zur Verfügung haben: Eine neue Sprache lernen bis zu aktuellen Forschungsergebnissen zur Biotechnologie. In selbstorganisierten Teams von 3 bis 10 Kindern. Dass sich das sehr nach SCRUM anhört, ist Zufall – zeigt aber, dass dies die Mechanismen sind, unter den Menschen ohne äußere Vorgaben sich zu Teams zusammenbringen.

Und dann gibt es da noch die Granny-Cloud:

http://thegrannycloud.org/

Hier helfen Menschen Kindern weltweit beim selbständigen Lernen: Sie schenken eine Stunde pro Woche, um via Webkonferenz Fragen zu stellen und Anerkennung zu geben. Damit verbessern sich die Lernergebnisse nochmals.

Tolle Geschichte

Christoph Jentzsch

Angriff auf die Plattformökonomie?

Gäbe es eine wirklich komfortable App, so würden wir sicher mittelfristig unseren Begriff von BEsitz verändern. Schauen wir uns einmal die vielen Gegenstände an, die sich in unserem Besitz befinden. Vieles davon benötigen wir gar nicht das ganze Jahr über. Was spricht zum Beispiel dagegen, einen Vertikutierer gegen Gebühr an Nachbarn zu verleihen? Abgerechnet wird pro m2 vertikutiertem Rasen über die Blockchain – diese kann ja Verträge in Code abbilden.

Solch eine Anwendung hat Christoph Jentzsch im Sinn, als er 2016 (!) ein noch nie dagewesenes Crowdfunding Projekt startete: Ebenfalls über die Blockchain konnte jeder, der wollte, Anteile an einem komplett digitalen Unternehmen erwerben. Dieses Unternehmen (DAO = Decentralized Autonomes Organisation) wäre keiner Rechtsprechung unterworfen gewesen und hätte keine Steuern gezahlt. Warum er dann doch gescheitert ist – aber schlußendlich viel gelernt habt, das erfahrt Ihr im Podcast.

Jos de Blok

“Menschlichkeit über Bürokratie”

Über Jos de Blok und seinem Pflegedienst Buurtzorg wurde hier schon ein Artikel geschrieben, aber die Geschichte ist zu schon, um nicht noch einmal im Podcast erzählt zu werden.

Es zeigt nämlich, dass selbstorganisierte Unternehmen auch mit einer Größe von 10.000 MA erfolgreich sein können:

Beste Qualität, 40% (!) weninger Kosten und bester Arbeitgeber. Buurtzorg kennt das Thema “Fachkräftemangel” nicht. In Fragen sogar Menschen, die eigentlich in Rente gehen könnten, ob sie nicht noch ein paar Jahre länger arbeiten dürfen. Weil die Arbeit soviel Freude macht. So ist das, wenn man einen Sinn in seinem Tun erkennt.

Hier geht es zur Episode von Digistoteles:

http://kontrollverlust-fm.de/2019-07-04_ctrlv014-unbekannte-digitale-helden-pioniere-fuer-bildung-wirtschaft-und-gesundheitswesen/

Wie immer natürlich auch auf Apple Podcast und Spotify.

ctrlV014 - Digistoteles 009 - Unbekannte digitale Helden

Shownotes

Episoden-Download

Kontributoren

Kontrollverlust FM
avatar Dorothee Töreki

Digistoteles Folge 008 – Digital Farming: Parkhäuser zu Ackerflächen, Supercharged Food zur Verlangsamung des Klimawandels

Wo geht eigentlich die digitale Reise in der Landwirtschaft hin? Das Geschäftsmodell eines Landwirtes wird sich wohl nicht ändern, oder? Also haben wir hier vielleicht (endlich mal) eine Industrie, die nur von Innovation, aber nicht von Disruption betroffen ist? Keineswegs. Gerade hier gibt es geradzu phänomenale Entwicklungen, die in der Öffentlichkeit noch kaum bekannt sind.

Schon immer war die Landwirtschaft ein Schlüssel für die kulturelle Blüte einer Gesellschaft

Fangen wir an mit einem Blick zurück in die Geschichte. Die menschlichen Gemeinschaften, die Landwirtschaft entwickelt haben, haben alle Sprünge in ihrer kulturellen Entwicklung gemacht, denn im Gegensatz zu Jägern und Sammlern musste weniger Energie für die Beschaffung von Nahrung aufgebracht werden. Handwerk, Kunst und Kultur konnten sich entwickeln.

Springen wir in die Gegenwart: Robotik, Sensordaten, Big Data bringen heute schon riesige Sprünge in der Effizienz: Wir brauchen heute wesentlich weniger Arbeitskraft für mehr Erträge aufwenden. Roboter können Unkraut zupfen, Sensoren messen Bodenfeuchte und Nährstoffgehalt in Kombination mit der Auswertung historischer Wetterdaten und Wetterprognosen benötigen wir heute wesentlich weniger Wasser, Düngemittel und Pestizide um bessere Ergebnisse zu bekommen. Außerdem können Farmer heute schon auf Services zugreifen, die ihnen den besten Zeitpunkt für den Verkauf ihrer Produkte auf dem Welthandel ausrechnen – zumindest in der industriellen Landwirtschaft mit Breitbandanschluß. In vielen Regionen der Welt sieht die Arbeit der Bauern noch ganz anders aus – aber hier geht es ja um das technisch Mögliche.

Caleb Harper: Farming unabhängig von Klima und Transport

Und hier möchten wir Euch ein interessantes Projekt vorstellen: Das Open Agriculture Lab vom MIT und die dort entwickelten Food Computer:

Quelle: https://foodtank.com/news/2016/05/open-agriculture-initiative-digital-farming/

Hier kann jegliches nur denkbare Klima “designt” werden – das heißt konkret, hier können Pflanzen aller Art unabhängig vom tatsächlichen Klima in der Region angebaut werden. Da es sich hier um eine dezentrale Anbaumethode in vielen kleinen Flächen handelt, spielt die Transportfähigkeit ebenfalls keine Rolle mehr – also ein totaler Paradigmenwechsel in der Erzeugung von Lebensmitteln: So können auch alte fast ausgestorbene Kulutrpflanzen wiederbelebt werden – denn mit dieser Methode rücken auf einmal Nährstoffreichtum und Geschmack in den Vordergrund.

Sowohl die idealen Klimabedingungen als auch die Bauanleitung für den FoodComputer können auf der Seite des Open Agriculture Lab heruntergeladen werden und die Community lernt voneinander.

Vielleicht eine Lösung für den urbanen Raum – wenn wir durch neue Mobilitätskonzepte 70% weniger Autos benötigen (ShareConomy und effiziente Nutzung der einzelnen Fahrzeuge), hätten wir ja genug Platz in den Innenstädten, den wir anders nutzen können. Warum also nicht Parkhäuser zu Farmhäusern? Spinnerei? Vielleicht – wir werden sehen….. Mit Foodcomputern wird die althergebrachte Landwirtschaft wohl nicht ersetzt werden, aber vielleicht kommt eine neue Variante hinzu.

Joanne Chory: Klimawandel verlangsamen durch CO2 – hungrige Pflanzen

Kehren wir zurück zur traditionellen Landwirtschaft: Effiziente Nutzung der Agrarflächen im großen Stil. Hier möchten wir von einer Visionärin erzählen – Joanne Chory

Quelle: https://www.salk.edu/scientist/joanne-chory/

Sie forscht an einem Weg, durch Genmanipulation gängige Ackerpflanzen wie Sojy, Baumwolle und Getreide so zu verändern, dass sie durch Photosynthese viel mehr CO2 in Zucker und Sauerstoff umwandeln und sieht darin eine Chance, den Klimawandel zu verlangsamen.

Das hört sich klasse an – allerdings setzt dies voraus, dass Farmer in der ganzen Welt bereit wären, diese genmanipulierten Pflanzen anzubauen. Davon abgesehen, ist der Einfluß auf die Umwelt durch den Anbau dieser Pflanzen noch nicht bekannt.

Eine Gleichung mit vielen Unbekannten also. Trotzdem ein spannendes Projekt ,das zeigt, was möglich ist.

Mehr dazu in der nächsten Folge von Digistoteles – Episode 008 – Digital Farming

Die große Sinnfrage

WOZU gibt es mein Unternehmen?

Die naheliegende Antwort ist: “Weil xx produziert/verkauft/Dienstleistungen anbietet”

XX – also das Produkt/die Dienstleistung – wird dann oft mit schicken Attributen versehen: technisch ausgefeilt, herausragendes Design, beste Experten, usw.

Knapp daneben. Provokant gefragt: Was macht beispielsweise ein Automobilhersteller, wenn wir in ein paar Jahren Mobilität und Besitz ganz anders verstehen und viel weniger Auto kaufen, sondern nach Bedarf nutzen. Was bedeutet das für mein Markenimage und noch viel wichtiger – was wollen wir überhaupt anbieten, wenn viel weniger Autos verkauft werden?

Sehen Sie – deshalb greift die Antwort oben zu kurz. Ich brauche einen tieferen Sinn, der über das Produzieren von Gegenständen oder das Anbieten von Dienstleistungen hinaus geht. Ein Leitbild, das bei veränderten Geschäftsbedingungen immer noch gilt und die Richtung vorgeben kann.

Leitbilder als Leitplanken

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Beispiele:

Tesla – deren Mission ist: „to accelerate the world’s transition to sustainable energy“ also „den Wandel zur nachhaltigen Energie zu beschleunigen“ .

Wenn Sie hätten raten müssen – hätten Sie so etwas wie „die besten Elektroautos herstellen“ gesagt? Ich wahrscheinlich schon. Worin liegt der Unterschied?

Nachhaltige Energie ist ein Wert, der einem sofort klar ist und dessen Bedeutung jeden Tag zunimmt. Autos kommen darin erst einmal gar nicht vor. Der Bau von Autos ist Teil der Aufgabe, sozusagen Mittel zum Zweck – aber eben auch nur ein Teil. Nicht umsonst hat Tesla schon sehr früh ein ganzes Ökosystem aufgebaut: Von der Gigafactory bis zur Powerwall für die heimische Garage. Vom Aufbau der Infrastruktur für Elektroautos einmal ganz abgesehen – echte Pionierarbeit, getrieben vom eigenen Leitbild. Und wer weiß – vielleicht gehört der Bau von Autos in 10 Jahren schon nicht mehr zum Portfolio von Tesla, sondern etwas ganz anderes – das Leitbild “Nachhaltigkeit” gibt es vor.

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 Nachhaltige Mobilität – gleichzeitig Leitplanke und Raum für Visionen

Wäre der Bau von Autos das Leitbild, hätte es die Mission so sehr verkleinert, dass Tesla vielleicht schon in den Anfängen stecken geblieben wäre. Wie so viele etablierte Player: Erstmal abwarten, bis die Politik, die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen hat. Unsere Kernkompetenz ist der Autobau. Überspitzt? Technologische Verklärung von Tesla? Mag sein – aber ich erinnere mich noch gut an die Aussagen der CEOs der Autokonzerne von einigen Jahren: „100 Jahre Erfahrung im Automobilbau sind nicht aufzuholen!“ Die Realität hat die Konzerne mittlerweile eingeholt, aller aktuellen Probleme bei Tesla zum Trotz.

 Buurtzorg: „Menschlichkeit über Bürokratie“

Mein „Lieblingsunternehmen“ Buurtzorg. Das Leibild ist der Unterschied zu allen anderen Pflegediensten. Hier wird besonders deutlich, wie sehr es bis in die Unternehmensorganisation hineinwirkt. Konsequent wird alles unternommen, um die beste Pflege den Menschen zu kommen zu lassen. Das Ergebnis ist bekannt – wer mag, kann es hier noch einmal genauer nachlesen.

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Google:

to organize the world’s information and make it universally accessible and useful.”

„Die Informationen der Welt aufzubereiten und universell zugreifbar und nützlich zu machen.“

Diese Mission gibt Leitplanken vor, setzt aber gleichzeitig Phantasien frei, was möglich sein kann. Können Sie sich noch eine Welt ohne Google Maps vorstellen? Google hat damit eine suchbare Landkarte der Erde geschaffen – und mit den passenden Schnittstellen, Anwendungsfälle in Hülle und Fülle. Als 2010 der Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach, wurde auf Basis von Google Maps eine Anwendung erschaffen, die Mitfahrgelegenheiten für ganz Europa möglich machte. Und durch Street View können wir uns heute wie selbstverständlich ein genaues Bild der Umgebung unserer Reiseziele machen, Restaurants finden, bewerten….

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Wie wäre dies möglich gewesen, wenn man nur die beste Suchmaschine hätte sein wollen?

Eine gutes Unternehmensleitbild hat immer einen tieferen Sinn (Nützliches aus Informationen schaffen, nachhaltige Mobilität, menschliche Pflege) – bildet gleichzeitig einen Rahmen und gibt dennoch Phantasien und Visionen Raum. Im Falle von Google sogar bis zur Erforschung des Todes.

Werte bekommen ihre Strahlkraft, indem man sie lebt – und nicht, in dem man sie auf Wände malt.

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Dies alles nutzt jedoch nichts, wenn diese Werte nicht gelebt werden. Nehmen wir einen Klassiker: „Das Beste für unseren Kunden“: ich brauche mir dieses Leitbild nicht auf Wände schreiben oder im Intranet propagieren, wenn nicht jeden Tag alle Handlungen konsequent darauf ausgerichtet sind. Konkret: Wenn mein Kunde Sonderwünsche hat, und diese abgeschmettert werden, weil sie nicht in Prozesse passen. Oder wenn ein Kunde um eine Leistung bittet und ich als Lieferant kenne eine bessere Lösung, die mir (kurzfristig) weniger Geld einbringt. Wer das Kundenwohl dem kurzfristigen Umsatz opfert, wird auf Dauer nicht bestehen. Wie sagt schon Jos de Blok von Buurtzorg: “Vertrauen ist durch nichts zu ersetzen.” 

Das bringt uns zur Essenz des Ganzen: Wer seinen Daseineszweck jeden Tag unter Beweis stellt, betreibt echte Wertschöpfung (im wahrsten Sinne des Wortes) und wird damit auch immer Geld verdienen. Denn Geld ist das Schmiermittel für den Sinn – die Umsetzung des Leitbildes.

Nur wenige haben Visionen – aber die meisten wollen Visionären folgen

MIt einem überzeugenden Leitbild, das uns emotional berührt, ziehe ich die Menschen an, die die Unternehmenswerte teilen – das ist mehr wert als das Wedeln mit hohen Gehaltszahlungen (dies machen nämlich alle, die es sich leisten können und ist damit kein Alleinstellungsmerkmal). Zu Recht sagte ein HR-Verantwortlicher eines großen deutschen Unternehmens: „Alle Top-Arbeitgeber zahlen gute Gehälter und stecken viel Phantasie in sonstige Vergünstigungen von Massagen über exquisites Kantinenessen. Der Unterschied ist das Wozu?“ Damit ziehe ich die Top-Talente an.

Das Kostbarste, über das der Mensch verfügt, ist Lebenszeit. Und die wollen wir alle so sinnbringend wie möglich einsetzen.

Habe ich schon erwähnt, dass dies für alle Bereiche menschlichen Zusammenlebens gilt? Zum Beispiel auch für Parteien. Die Parteien, denen man ihre Werte wirklich abnimmt, bekommen Zulauf – aktuell vor allem zwei (sie dürfen raten, welche das sind) – der Rest muss kämpfen.

Und für uns als Individuum: Hier schließt sich der Kreis zu den Leitbildern der Unternehmen. Wir alle suchen einen Sinn im Leben – der für viele in der Familie liegt, Erziehung der Kinder etc. Wer beruflich jedoch ausschließlich dem glanzvollen Euro hinterherjagt, wird auf Dauer nicht glücklich werden. Alle Statistiken belegen dies.

So hängt am Ende doch wieder alles zusammen.