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Decentralized Autonomous Organization – libertärer Traum oder Alptraum?

Dorothee schreibt in Ihrem Beitrag Digital Heroes 2016: Von Mittweida aus die Regeln der Weltwirtschaft ändern?

“Ganze nennt sich “Decentralized Autonomous Organization”, kurz DAO. Da sie keinen physikalischen Firmensitz hat, unterliegt sie auch keiner Rechtsprechung irgendeines Landes.”

Das zeigt sehr schön das Potential von Technologie.

Ich muss aber auch sagen, dass ich mich bei dem Zitat nicht so ganz wohl fühle. Keiner staatlichen Rechtssprechung zu unterliegen, halte ich nicht für ein sinnvolles Ziel oder Ergebnis – weder von aussen noch von innen betrachtet.

Aussensicht

  • Der libertäre Traum: keine Regeln, keine Steuern und ein Verhältniswahlrecht nach Besitzanteilen
  • Die einzige Steuerung erfolgt über den – nur durch den smart Contract definierten – Markt
  • Spätestens, wenn mit der klassischen Welt interagiert wird, also z.B. klassisches Geld fliesst, unterliegt man auch aus meiner Sicht sicher wieder einer Staatlichen Rechtssprechung

Innensicht

  • Wenn ich keiner Rechtssprechung unterliege, dann hilft mir auch keiner bei der Rechtsdurchsetzung
  • Die radikale Dezentralisierung erzeugt die Gefahr, dass die Organisation gesichtslos wird. Wie kann eine solche Organisation Profil / Haltung / Verantwortung generieren?

Fazit

Das Fazit aus dem Ted x Talk, nach dem Scheitern erst mal mit kleineren Schritten zu testen wohin die reise geht, halte ich für sehr vernünftig. Der Ansatz, jetzt erst mal mit Spenden weiterzumachen ist da deutlich harmloser, birgt aber immer noch grosse Risiken des Missbrauchs.

Den Begriff “Hacking” halte ich hier durchaus für angebracht. Eine technische Lösung wurde für etwas verwendet, wofür es nicht vorgesehen war.

Digital Heroes 2016: Von Mittweida aus die Regeln der Weltwirtschaft ändern?

Teil 2 meines Berichtes über das nächste große Ding aus Mittweida (Teil 1 ist hier). Mich wundert ein wenig, dass diese spannende Geschichte mit revolutionärem Potential im letzten Sommer eher ein Nischendasein in der öffentlichen Wahrnehmung führte. Vielleicht, weil das Thema sehr technologielastig ist. Dennoch hier der Versuch, diesen Krimi aus dem wahren Leben gut konsumierbar zu vermitteln.

Mit Technologie die Regeln ändern und die Frage, wie weit man gehen kann

Wir haben hier schon über selbstorganisierende Organisationen gesprochen (z.B. Burtzoorg). Eine ganz neue Dimension hat das, was die Brüder Christoph und Stefan Jentzsch da ins Leben gerufen haben – nämlich eine sich selbst verwaltende Organisation ohne Firmensitz, ohne Registrierung  – komplett virtuell, bestehend nur aus Code – das Ganze nennt sich “Decentralized Autonomous Organization”, kurz DAO. Da sie keinen physikalischen Firmensitz hat, unterliegt sie auch keiner Rechtsprechung irgendeines Landes.

Aber von Anfang an: Für Ihr Startup Slock.it benötigten die Gründer Kapital. Der klassische Weg wäre nun gewesen, sich das Geld von den Risikokapitalgebern des Silikon Valley zu holen. Das widerspricht jedoch den Überzeugungen der Gründer: Wenige Menschen mit ausreichend Geld geben die Richtung der Digitalisierung vor. Könnte man auch auf andere Weise an Geld kommen – etwa nach dem Crowdfunding Prinzip? Jeder Interessierte, kann soviel investieren, wie er kann – entsprechend sind die Stimmrechte.

Da passte es natürlich wunderbar, dass beide Entwickler der Blockchain Ethereum waren – das heißt, sie haben tiefes Verständnis davon, wie Informationen sicher ausgetauscht und gespeichert werden. Die Blockchain kann also auch dazu genutzt werden, Verträge abzubilden. Denn ein Vertrag ist ja nichts anderes als eine Festschreibung, wer was tun darf bzw. wem was gehört, richtig?  Und in der Blockchain eben nicht auf Papier, sondern digital. Nun mag man mit Recht fragen – na und? Ob jetzt analog oder digital – das ändert ja nichts am Wesen des Vertrages an sich – und damit an der Grundlage einer Organisation. Und nun nähern wir uns dem springenden Punkt: Eine klassische Organisation gehört einer oder mehreren Person – sie ist (meistens) hierarchisch aufgebaut, ein paar bestimmen, wo es langgeht – siehe oben die Finanzgeber im Silicon Valley.

Demokratisierung von Organisationen – ein unglaubliche Resonanz

Die DAO funktioniert nun nach dem Prinzip – wer Geld gibt, bekommt eine anonyme ID und einen Token (eine Art Krypowährung a la Bitcoin) mit Verfügungsrechten anteilig zum eingezahlten Geldbetrag. Nach dem Mehrheitsprinzip wird dann bestimmt, in welche Projekte das Geld fließt. Bei größeren Unstimmigkeiten würden sich Unterorganisationen oder Abspaltungen bilden mit einem neuen Weg/Projekt. Also eine Demokratie mit Parteien – allerdings nicht ein Mensch eine Stimme, sondern je mehr Geld eingezahlt wird, umso mehr Stimmrechte.

Wer nun glaubt, das wäre alles zu abgehoben und theoretisch, wird eines besseren belehrt: Innerhalb von vier Wochen haben mehr als 22.000 Menschen insgesamt eine Summe von etwa 160 Mio Euro investiert – die größte Crowdfunding Aktion aller Zeiten.

Doch dann passierte der Krimi: Der Code wurde “gehackt” und Geld abgezogen. Anführungszeichen deshalb, weil der Hacker nur den vorhandenen Code für sich genutzt hat, um Geld abzuziehen. Da ja der Code die Vertragsgrundlage ist, hat er nicht gegen die Regeln verstoßen. Dennoch hat die DAO Community gemeinsam entschieden, ein Code-Update durchzuführen und den Investoren das ursprünglich eingezahlte Geld zurückzugeben. Auf diesen Widerspruch angesprochen, sagte Christoph Jentzsch: “Nicht der Code ist die oberste Instanz, sondern die Mehrheit der Community. Sie ist unser oberster Gerichtshof.” Also keine Rechtsprechung eines Staates. Eine DAO ist autonom, kein einzelner Mensch kann den Betrieb einer DAO einstellen, nicht einmal der Gründer der DAO. Dies kann nur ein einstimmiger Beschluß aller Stimmberechtigten.

Schlußendlich ist der erste Versuch, eine DAO ins Leben zu rufen, gescheitert. Aber die Geschichte wird weiter gehen. Was sich daraus in Zukunft ergeben kann? Und vor allem die Frage: Wann wird die Politik versuchen, Einfluß zu nehmen und versuchen, diese Technologie zu verbieten ( fragt sich allerdings “wie?” ) . Aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit.

Fortsetzung folgt auf dieser Seite…. stay tuned.

 

Wer sich die Geschichte von Christoph Jentzsch direkt anhören möchte und 16 Minuten Zeit hat:

 

Und eine der besten Erklärungen auf Deutsch zur Blockchain findet Ihr hier:

Gar kein Mysterium: Blockchain verständlich erklärt

Digitalisierung ist Teamsport

Digitalisierung ist Teamsport. Dieses Zitat habe ich auf der “Solutions Hamburg 2016” gehört, bei einer Vortragsreihe zur Digitalisierung in der OTTO Group. Schaut man sich Unternehmen wie OTTO, Bosch oder Continental an, sieht man, dass da sehr viel Wahres dran ist. Wer den Weg zur Digitalisierung eingeschlagen hat, der hat auch verstanden, dass die Technologie nicht die Herausforderung ist – sondern die Organisation selbst.

Jedes Unternehmen braucht eine für sich gültige Vorgehensweise, da es nicht einmal ansatzweise ein Patentrezept gibt. Ein paar Praktiken anderer Unternehmen kann man sich an- und abschauen, der Rest ist harte Arbeit, Hartnäckigkeit, Geduld und Experimentierfreude. Man muss lernen, was im eigenen Unternehmen funktioniert und was nicht – was man nochmals versuchen sollte, wovon man besser die Finger lässt. Und selbst das ist schon stark vereinfacht – eigentlich wird dies pro Unternehmensteil, Abteilung oder auch in virtuellen Einheiten getestet werden müssen. Die Produktion wird sicherlich andere Methoden, Bereitschaft und Geschwindigkeit aufbringen wir die IT oder die Produktentwicklung. Trotzdem gilt für alle: Sich ehrgeizige Ziele setzen, schnell lernen und vor allem: anfangen. Die Schritte selbst dürfen dann beliebig klein sein. Da man vorher nicht weiß, was funktionieren wird und wie die Abhängigkeiten sind, kann man Digitalisierung als eine Reise (oder Abenteuerreise) betrachten. Wer auch nur denkt, alles ist vorher planbar und berechenbar, wird scheitern. Daher tun sich die meisten Unternehmen – vor allem das Management und die Buchhaltung – sehr schwer mit dem Thema. Es ist neu und risikoreich so zu arbeiten – und vor allem ungewohnt. Man fürchten den Verlust der Kontrolle. Zuerst muss man sich also bewusst machen, dass man die Kontrolle eh nie hatte. Vielleicht über die Abläufe im Unternehmen – aber über den Markt und die Konkurrenz? Über die Mitarbeiter? Wirklich?

Ein Unternehmen kann auch “platt” gemacht werden, wenn es gute Produkte herstellt und die Prozesse im Griff hat. Das bekannteste Beispiel ist wohl Kodak. Es gibt aber viele andere, die zumindest in arge Schwierigkeiten gekommen sind, da sie die Kontrolle vor die Änderung gestellt haben. Das gilt auch für die neuen und modernen Unternehmen. Zu lange ausruhen ist nicht. Booking hat die Hotels angegriffen. Wurde dann kopiert von Diensten wie hrs oder, in einem anderen Vermietungssegment, eben von AirBNB – die potenziell aber auch eine Konkurrenz zu booking darstellen – während um die Ecke schon neue Dienste wie slock.it in den Startlöchern stehen.

Also zurück zu den ehrgeizigen oder hochgesteckten Zielen – ein Unternehmen braucht eine klare Vision und Mission. Die Mitarbeiter müssen damit etwas anfangen und sich damit identifizieren können. Vertriebs-bla-bla wie “wir wollen bis 2020 Marktführer” werden, wird nur wenige anspornen, da es nicht greifbar ist und auch unklar, was denn die Teile bzw. der eigene Beitrag dazu sind oder wie der Weg dahin ist. Greifbar wäre “Eine Million Menschen sollen bis 2060 auf dem Mars wohnen können” (Elon Musk). Etwas weniger ehrgeizig – aber herausfordernd genug – wäre: “Bis 2020 wollen wir unser Wissen und Technik nutzen um in die Elektromobilität im öffentlichen Nahverkehr überall in Deutschland zu ermöglichen”.

Diese Aussage kommt von einem Anlagenbauer der sich gesagt hat, was wir vertikal können (Aufzüge), können wir auch horizontal. Jetzt ist man plötzlich in einem ganz anderen Geschäft und muss mit vielen weiteren Zulieferern arbeiten – vom Karosseriebau über Batterietechnik bis hin zu den Achsen. Nun die Gewissensfrage: können ein paar Projektmanager und Führungskräfte komplett „vordenken“, ob das Unterfangen gut gehen wird, was genau zu tun ist und welche Arbeitspakete man an an die Mitarbeiter gibt? Bis wann die Entwicklungen fertig sind, was genau diese kosten werden, was die Konkurrenz bis zu diesem Zeitpunkt herausbringen wird und was der “Return of Investment” ist? Bis das fertig geplant und entschieden ist, ist der Markt komplett besetzt. Also zurück zur Vision und dem Mut zu beginnen. Hier ein schönes Zitat:

“If the highest aim of a captain were to preserve the ship, they would keep it in port forever.”
–Thomas Aquinas

Da Digitalisierung eine Reise ist, passt das ganz gut – und man wird nicht vorab wissen, wie Wind und Wetter über die Reise sein werden. Trotzdem muss die Entscheidung “loszufahren” getroffen werden. Natürlich muss die Reise auch vorbereitet werden und es müssen die richtigen Leute an Bord sein.

Wir sprechen bei Digitalisierung also von einer strategischen und organisatorischen Neuausrichtung. Wir sprechen von einer neuen Unternehmenskultur und der Übertragung von Verantwortung. Wir sprechen davon, dass die Mission und der Kunde im Vordergrund stehen.
Wenn das Management dazu nicht bereit ist oder dies den Mitarbeitern nicht klar vermittelt – dann sollte man es vergessen. Unternehmen oder Märkte sind keine Maschinen – es reicht nicht hier und da als Fahrer einen Schalter zu betätigen oder mehr Gas zu geben. Vor allem nicht, wenn man gar nicht auf dem richtigen Weg ist. Das bedeutet, dass in der Zukunft (wenn nicht schon in der Gegenwart) die erfolgreichsten Firmen diejenigen sein werden, die am schnellsten lernen was funktioniert und machbar ist – und was was nicht. Dabei könnte man die Betonung auf “lernen” legen, also nicht vorher abtun, abbügeln, vorhersagen – sondern ausprobieren und lernen. Wer vorher weiß wie es ausgehen wird, der spricht nicht über eine Innovation. Fehlerkultur muss daher eine Kernkompetenz des Unternehmens werden (sein).

Aber wie bekommt man den Wechsel hin zu so einer Kultur? Wenn man einfach sagt “Das ist jetzt anders”, dann würde nichts passieren. Das Management oder viele Abteilungen würden dagegen arbeiten, die meisten es zugunsten des Tagesgeschäftes ganz ignorieren und die restlichen Mitarbeiter wahrscheinlich daran zerbrechen – denn eigentlich müssen sie nun gegen die wirkliche Organisation ankämpfen um die gewollte Organisation vorzuspielen. Auch ein Drei-Tages-Training in “Agile” wird daran nichts ändern. Die Methode ist genau wie die Technologie nur ein Mittel zum Zweck.

Das Management muss also dahinter stehen, die Mitarbeiter müssen einbezogen werden. Jeder mit seiner Geschwindigkeit. Es braucht interdisziplinäre Teams, denn weder Innovation noch Digitalisierung findet im Silo statt. Am „Network Thinking“ und dem entsprechenden Arbeiten in Netzwerken führt kein Weg vorbei. Fragen muss man sich dabei stets:
– was erlebt der Kunde (oder Endbenutzer) heute?
– was soll dieser in Zukunft erleben?
– was bedeutet das für die Produkte aber vor allem auch für die Organisation.
Nach Ergebnis muss man beginnen und loslegen, Fehler schnell erkennen und den Kurs anpassen. Das wichtigste ist, den Kunden in dem ganzen Prozess immer eingebunden zu halten – direkt durch umfragen, oder indirekt durch Messungen.

Bevor ich jetzt ein Fazit ziehe und zum Ende komme – möchte ich auf ein Blogbeitrag von Harald Schirmer (Manager Digital Transformation and Change, Continental AG) verlinken, auf den ich bei den Recherchen zu meinem Artikel gestossen bin:
„Der CDO wird’S schon richten“

„Die Digitale Transformation ist kein zu lösendes Problem“. Es ist auch keine Optimierung bestehender  Silos oder eine Gründung einer StartUp Abteilung (deren tollen Ideen ebenfalls nicht in die verkrustete Organisation dringen). Da bin ich wieder bei meinem Ausgangspunkt – Digitalisierung ist eine Reise in ihre (stets) neue Organisation. Das Wichtigste ist, den Hafen endlich zu verlassen. Mit einer Crew die selbst weiß, wie man die Segel zum Wind stellt und welche Maßnahmen man bei welchem Wetter ergreift. Wer die gleichen Befehle gibt und die gleiche Richtung einschlägt wie bei gutem Wetter, der geht unter.

The next big Thing aus Mittweida oder wie Uber, AirBnB und Co das Fürchten lernen

Zum Jahresanfang ein Rückblick auf das vergangene Jahr. Herausragend waren für mich die Brüder Christoph und Stefan Jentzsch – Pioniere der Digitalisierung.

Wer sich mit Blockchain Technologie beschäftigt, stößt früher oder später auf slock.it – ein wahrhaft “großes Ding”, was die Brüder Christoph und Stefan Jentzsch mit diesem Startup ins Leben rufen. Beide haben zunächst als Entwickler mitgeholfen, die Ethereum Blockchain ins Leben zu rufen aber sich dann dem eigenen Startup zugewandt.

Aber von Anfang an: Mit der Blockchain Technologie werden jegliche Informationen sicher gespeichert. Mit der Konsequenz, dass für Transaktionen aller Art keine Zwischenhändler mehr benötigt werden: Also keine Banken mehr für Überweisungen, kein Uber mehr für das Bestellen eines Autos, kein AirBnB für das Anmieten eines Apartments, kein Notar mehr für das Übertragen von Eigentumsrechten.

Slock.It bringt dies nun ins echte Leben: Wer zum Beispiel sein Auto, seine Wohnung, sein Auto, Fahrrad vermieten möchte, soll dies mit Slock.It nun direkt tun können: Über das Smarte Schloß (=SLock) werden sämtliche für die Vermiertung notwendigen Aktionen gesteuert und ausgeführt. Nehmen wir an, ich verreise für zwei Wochen und möchte für diesen Zeitraum meine Wohnung vermieten. Ich lege einen Mietpreis fest und verschließe meine Wohnung mit dem SmartLock. Der interessierte Mieter kann dann mit seinem Telefon das Schloß öffnen, sobald die Miete inkl. Kaution und Versicherung bezahlt wurden. Nach dem selben Prinzip kann jedwedes Objekt vermietet/verkauft werden, kurzum alles, was sich abschließen lässt.

Doch die Gründer denken noch weiter: Aktuell sind Kooperationen mit RWE angedacht: Der Konzern möchte mit Slock.it seine Ladestationen für Elektroautos so umbauen, dass direkt mit der Kryptowährung Ether bezahlt wird – damit hätte man die bislang umständliche Bezahlung deutlich vereinfacht. Die Vision geht dahin, dass Elektroautos an einer roten Ampel über Induktion aufgeladen werden. Was nebenbei auch zeigt, wie weit RWE tatsächlich voraus denkt.

Die Geschäftsidee von Slock.It ist ja schon innovativ – regelrecht Geschichte geschrieben in 2016 hat jedoch die Art und Weise, wie die Gründer an das Investitionskapital (160 Mio € )gekommen sind: nämlich über eine dezentrale autonome Organisation (DAO) – ein Unternehmen, das nur aus Code besteht. Das ganze liest sich wie ein Krimi, denn dieser Code wurde gehackt. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Fazit: Das Jahr 2017 wird spannend!

Akzeptanz bei Veränderungen

Spätestens seit ich vor ca. 10 Jahren angefangen habe, mich mit Social Software – damals noch Web 2.0 genannt – zu beschäftigen, ist die Frage nach der Akzeptanz bei den Nutzern immer präsent.

Eigentlich wurde ich mit dieser Frage schon vor knapp 20 Jahren konfrontiert, als ich meine Zeit noch zu einem grossen Teil in den Rechenzentren meiner Kunden verbrachte. Damals hatte ich den Auftrag, für einen Kunden eine einfache Vertriebssteuerungs-Lösung als Notes-Anwendung zu programmieren. In einem Meeting mit dem CIO und dem Vertriebsleiter, wurden deren Anforderungen aufgenommen und danach ging es los mit der Entwicklung. Nach ein paar Wochen war die initiale Version so weit fertig, dass ich mich sicher fühlte, das Ergebnis bei den Pilot-Usern vorzustellen. Dieser Termin lief dann etwas anders als geplant. Ein Vertriebsmitarbeiter meinte in einer Pause:

“Glauben Sie tatsächlich, dass ich die Konditionen und Vereinbarungen meiner Kunden in die Datenbank schreibe und so meinem Chef zugänglich mache? Damit mache ich mich ja austauschbar.”

Soweit ich mich erinnere ist diese Lösung nie produktiv gegangen.

Zurück zur Gegenwart. Vor ein paar Wochen hatte in einem Termin mit einer Engineering-Abteilung ging es um die Frage:

Wie können wir die Mitarbeiter dazu bewegen, nicht sofort bei Helpdesk anzurufen, sondern zuerst die Angebote zur Selbsthilfe zu nutzen und wie können uns Social Media Tools dabei helfen?

Meine Agenda war:

  1. Social Business Engagement Journeys – typische Einsatzszenarien für Social Media in Unternehmen
  2. Kundenbeispiele
  3. Neue Entwicklungen: Zusammenarbeit in agilen Teams und Cognitive Social
  4. Akzeptanz / Adoption
  5. Vorgehen – IBM Design Thinking

Ich glaube, mein Bild trifft das Thema Akzeptanz ganz gut. Daher möchte ich das weitergeben.

Faktoren für die Akzeptanz

Das Bild ist relativ einfach gehalten – man kann es jederzeit an die Wand malen.

Wollen, Können und Dürfen müssen vorhanden sein, damit Mitarbeiter ihre Arbeits- und Verhaltensweisen verändern.

  • Dürfen … offensichtlich, aber leider oft eine Herausforderung
  • Können … nicht nur klassische Schulungen
  • Wollen … wichtige Veränderungen passieren meistens nur freiwillig.

Was meine ich damit?

Dürfen

Man sollte meinen, dass, wenn ein Unternehmen eine Lösung (oder eine andere Form der Veränderung) einführt, klar ist, dass die Mitarbeiter die auch umsetzen dürfen. Leider ist das in der Praxis oft anders. Natürlich gibt es irgendwann eine Entscheidung, die dann auch kommuniziert wird. Aber viele Mitarbeiter haben gelernt, dass das nicht immer ernst gemeint ist. Man fragt sich “Ist das ernst gemeint?”, “Gilt das auch für mich?” “Was denkt mein Chef dazu?”

In einigen Kulturen ist es nicht denkbar, zu reagieren bevor nicht der direkte Manager dies tut. Dort wartet man also bis die Veränderung durch die Hierarchie bis zum eigenen Arbeitsplatz durchgesickert ist. Auch in den westlichen Kulturen ist diese Haltung weiter verbreitet als man hofft.

Ob die Veränderung ernst gemeint ist, wird gerne – zurecht – daran festgemacht, ob denn auch Zeit und andere Ressourcen eingeplant sind. Wird nur eine zusätzliche Arbeitslast wahrgenommen, dann ist das nicht förderlich.

Was kann man tun?

  • Klare Kommunikation – definieren Sie, wer die Zielgruppe ist und warum die Veränderung gemacht wird.
  • Top-down Umsetzung – vermitteln Sie die Veränderung aktiv in den Managementebenen. Motivieren Sie alle Management-Ebenen. Gibt es Konsequenzen wenn blockiert wird?
  • Tragen Sie die Konsequenzen – planen Sie die Kosten und Aufwände von Anfang an mit ein. Wenn Sie meinen “das läuft von alleine”, da sind Sie schon fast gescheitert.

Können

Bevor ich mich vom Alten trenne und bereit bin, mein Verhalten zu verändern, brauche ich eine gewisse Sicherheit, dass ich auch mit dem Neuen zurecht komme. Dazu muss ich zuallererst wissen, was von mir erwartet wird. Wenn ich das weiss, kann ich versuchen, einzuschätzen, ob ich bereit bin.

Ich werde auch dann schwer tun, wenn ich der Meinung bin, dass die Veränderung – zumindest kurzfristig – keine Verbesserung bringt. Eine häufig gehörte Begründung für das Verharren ist “Ich habe keine Zeit”. Zynisch könnte man das zu “Ich habe keine Zeit, effizienter / effektiver zu werden”.

Bei der Digitalisierung sollte die Technologie nicht der alleinige Treiber sein, Man muss jedoch die Tools bereitstellen, die benötigt werden, um die Veränderung sinnvoll zu unterstützen.

Was kann man tun?

  • Stellen Sie die richtigen Werkzeuge zur Verfügung. Andere Formen der Zusammenarbeit funktionieren besser mit den richtigen Werkzeugen.
  • Bieten Sie ausreichend Enablement im richtigen Mix an. Dies soll nicht nur Wissen und Fähigkeiten vermitteln, sondern auch die notwendige Sicherheit bringen. Daher hilft oft schon die prinzipielle Verfügbarkeit von Ausbildung weiter obwohl sie dann vielleicht doch nicht genutzt wird.
  • Bereiten Sie Unterstützung für die Mitarbeiter – gerade in der Einführungsphase vor. Die Mitarbeiter werden Probleme und Fragen haben.

Wollen

Sie werden nur dann gute Ergebnisse erzielen, wenn die Zielgruppe irgendwann auch tatsächlich mitmachen will. Gründe gegen Veränderung finden sich schnell. “dieses Projekt ist dringend – da gehe ich nochmal nach dem alten Schema ran”; “dieser Monat ist schon verplant – ich mache den Kurs dann im nächsten Quartal”; …

Wenn die Betroffenen tatsächlich wollen, kann Ihr Veränderungsprojekt Fahrt aufnehmen.

Was braucht man dafür?

  • Motivation – Ich sage immer dass Altruismus nicht reicht. Am besten entsteht nicht nur ein Mehrwert für die Organisation, sondern auch für den Einzelnen. Man sollte sogar den individuellen Mehrwert am Anfang in den Vordergrund stellen. Wenn der persönliche Mehrwert klar ist, kommt die Akzeptanz deutlich einfacher.
  • Sicherheit – Es ist ja traurig, dass man das explizit erwähnen muss. Sorgen Sie, dafür, dass man keine negativen Konsequenzen für Early Adopter zu erwarten sind.
  • Chancen – Die Digitalisierung wird auch neue (Karriere-) Chancen bringen. Nutzen Sie dieses Potential auch für die Motivation. Wer sich bei der Veränderung bewährt sollte auch dafür belohnt werden.
    Das kann natürlich auch bedeuten, dass sich für bestimmte Gruppen die Chancen verschlechtern. Auch dies sollte berücksichtigt werden.

Fazit

Veränderungsprozesse sind nicht einfach und funktionieren nicht von selbst. Akzeptanz hat viel mit Psychologie zu tun. Hier entscheidet meist, was beim Empfänger ankommt und nicht wie eine Botschaft gemeint war.

Es lohnt sich, diese Aspekte sorgfältig zu planen und immer wieder zu überprüfen.

Interview mit Alexander Weihs

Unser heutiger Interviewgast ist Alexander Weihs – Manager bei Braincourt GmbH – Managementberatung & Informationssysteme und ausgerüstet mit langjähriger Erfahrung in der Beratung von Unternehmen zur Digitalisierung. In seiner Zeit als Berater hat er auch für Price Waterhouse Coopers und IBM gearbeitet.  Zu Zeiten des Buzzwords „Web 2.0“ – also auch schon vor mehr als 10 Jahren – lag der Fokus zunächst auf der Technologie und dem Verstehen der Funktionalitäten. Dass es mit dem Einsatz von Software nicht getan ist, sondern dies nur der erste Schritt ist, war ihm schnell klar. Schon vor dem großen Hype um „Social Collaboration“, „Work like a Network“ oder „Digital Transformation“ hat er in seinen Projekten stets die vorhandenen Werkzeuge eingesetzt und damit die Transformation im Arbeitsverhalten begleitet.

Auf die große Frage nach dem „Warum?“, gab es damals schon Antworten, die heute noch genauso gültig sind:

Am Beispiel der Automobil-wie auch der Computerhersteller gilt: max. 25 – 40% Fertigungstiefe am komplexen Endprodukt, der Rest ist reine Systemintegrationsleistung – also Koordination und Komplexitätsbeherrschung – durch Schaffung von Transparenz.

Neugierig geworden? Alles Weitere hier im Podcast.

Mehr zu Alexander Weihs: iweihs.net

ctrlV002 – Alexander Weihs

Shownotes

Artikel zur Episode: Interview mit Alexander Weihs

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Kontributoren

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Amazon Go – Analoges Shopping in der digitalen Welt

Das personifizierte Online-Shopping Unternehmen steigt nun also in die analoge Welt ein, natürlich mit dem Blick auf uns Endanwender: Das, was uns am meisten nervt beim Einkaufen, wird erstatzlos gestrichen: Anstehen an der Kasse.  Einfach Ware einstecken und gehen, der Preis für die gekaufte Ware wird automatisch abgebucht. Und natürlich kann man sicher sein, dass Amazon die hier gewonnenen Kunden-Informationen gewinnbringend auch im digitalen Handel nutzen wird. Sehr innovativ!

Na ja, soooo innovativ nun auch wieder nicht, denn die Technologie (Einkaufen ohne Kasse)  gibt es schon seit 10 Jahren, wie dieses alte IBM Video aus dem Jahre 2006 zeigt:

Technologisch möglich ist das, mit dem Amazon den Handel im Januar 2017 aufmischen wird, also schon länger. Warum lässt sich hier der Handel weltweit (mal wieder) den Schneid abkaufen? Walmart hat 2014 einen halbherzigen Versuch gestartet, dabei mussten aber die Waren vom Kunden selbst mit dem eigenen Telefon eingescannt werden – Zeitvorteil Null! Aber immerhin hat sich Walmart überhaupt mal mit einer Innovation an den Kunden getraut. Grundsätzlich gilt: Was im Einzelhandel hinter verschlossenen Türen mit viel Geld getestet wird, ist ein Geheimnis. Und da sind wir beim Kern der Problematik: “Cultural Change” – keine Angst vor Fehlschlägen! Wie sagte Jeff Bezos im April 2016 in seinem Brief an die Shareholder: One area where I think we are especially distinctive is failure. I believe we are the best place in the world to fail (we have plenty of practice!), and failure and invention are inseparable twins.”

Genau das ist der Unterschied zwischen etabliertem Handel und Amazon – die bringen die Kraft (Technologie) auf die Straße – auch mit dem bewussten Risiko zu scheitern. Im schlimmsten Fall hat man etwas gelernt. Da sind wir schon beim nächsten “Buzzword”, das keines ist, sondern knallharte Bedingung, um im digitalen Zeitalter zu überleben: “Fail fast, learn fast”. Heißt konkret: Schnell vom Laborversuch in das echte Business gehen – langwierige Entscheidungsprozesse über viele Hierarchiestufen machen Geschäftschancen kaputt. Mal schauen, wie schnell die Konkurrenz reagieren wird.

Übrigens: Disruptionen betreffen nicht nur den Handel, sondern alle Industrien. Natürlich auch die Informationstechnologie, wie ich aus eigener Anschauung sehr wohl weiß. Wer hat das Cloud Business “erfunden” und damit das Geschäftsmodell von IBM, Microsoft und vielen anderen durcheinandergewirbelt? Richtig –  Amazon. Das mit der Fehlerkultur scheint ja recht gut zu funktionieren.  🙂

Europapark Rust – Wenn echte Welt und virtuelle Realität verschmelzen

Anfang November war ich Besucher des #HighTechSummit Baden-Württemberg im Stuttgarter Wizemann Areal. Auch dort ging es um digitale Transformation und Vertreter ganz verschiedener Unternehmen berichteten von ihren Erfahrungen und Geschäftsmodellen. Am spannendsten – weil für mich überhaupt nicht auf dem Radar – war die Weiterentwicklung digitaler Geschäftsmodelle des Europaparks Rust, über die Stefan Kottkamp – Direktor für Media & Digital Development – berichtet hat.

Was ist der größte Feind von Freizeitparks? Richtig – die digitale Spielewelt. Eine Industrie, die eine immer realistischere Nachbildung virtueller Welten liefert. Warum noch in den Freizeitpark gehen, wenn ich die Achterbahnfahrt mit 3D Brille auch daheim auf dem Sofa erleben kann?

Die geniale Idee: Echte und virtuelle Welt miteinander verbinden! Mit anderen Worten – Man nimmt in der echten Achterbahn Platz, setzt sich die VR-Brille auf und sieht synchron zum Schwerkraftgefühl der Achterbahnfahrt eine virtuelle Welt, die man sich künftig sogar noch aussuchen kann: Vielleicht lieber Alpenpanorama statt Unterwasserwelt? Die Brillen haben einer Sensor, der die Kopfhaltung erkennt und wohl ein echtes Raumgefühl vermittelt: Schaut man nach unten, sieht man seine eigenen Füße in der virtuellen Welt. Coastiality heißt die von der Mack Media Gruppe entwickelte Technologie übrigens.

Nach dem Vortrag habe ich mir vorgenommen, im kommenden Frühjahr mal wieder nach Rust zu fahren, das will ich selber einmal ausprobieren. Ein weiterer Vorteil ist, dass man schon in die Jahre gekommenene Achterbahnen pimpen kann. Zudem liefert die Mack Gruppe schon seit vielen Jahren Achterbahnen in die ganze Welt und plant nun, die  VR-Brille plus passende Software als Add-On zu verkaufen. Also nicht nur Attraktion für den Europapark, sondern weit darüber hinaus.

Tolle Idee aus Baden-Württemberg,