ctrlV022 - Fintech Gini: Einsichten in ein selbstorganisiertes Unternehmen

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Neue Prozesse mit agilen Methoden definieren? Von der Protoypen – in die Serienentwicklung. Mein Gespräch mit Marc-André Fiedler

Marc Fiedler ist Maschinenbauingenieur, ist dieses Jahr Vater geworden und liebt beruflich Mathematik und Physik. Er ist schon früh in seiner Karriere zur Führungskraft aufgestiegen und hat sich damit auseinandergesetzt, wie diverse Teams die besten Ergebnisse erzielen. Er hat in klassischen Hierarchien gearbeitet, ist jetzt bei Hofer-pdc in einem Unternehmen, das sich aktiv mit der Weiterentwicklung der Organisation beschäftigt.

Herausforderung: Vom Protoypen in die Serienentwicklung

Über die Jahre hat die Firma Hofer über die Herstellung von Protoypen für Antriebe so viel KnowHow erreicht, dass der nächste Schritt der Übergang in die Serienentwicklung war. Dies war die erste Aufgabe für Marc im neuen Unternehmen. Wie schafft man es, die sehr auf Wissenschaft und Technik fokussierte Herangehensweise stärker in Prozesse zu gießen und was heißt das für die Organisation? Von seiner Chefin hat er dabei die Freiheit bekommen, neue Methoden auszuprobieren und ergebnisoffen vorzugehen.

Ziel: Ein Gefühl der Sicherheit geben in einem komplexen Umfeld

Teil der Aufgabe war es, Menschen aus unterschiedlichen Standorten und Kompetenzen zusammenzubringen und daraus eine einheitlich agierende Zelle zu schaffen. Dazu gehört es auch, die Sicherheit zu vermitteln, dass der Umgang mit Komplexität machbar ist – mit den richtigen Methoden. Ein konkretes Beispiel: Ein Experte zu einem spezifischen Thema hat das Unternehmen verlassen. Wie kann diese Kompetenz ersetzt werden? Indem man Kommunikation in Gang setzt: sichtbar macht, wer welche Fähigkeiten hat und die richtigen Personen zusammenbringt. Das Wissen ist im Unternehmen da – es muss transparent gemacht werden und die Möglichkeit zum Austausch gegeben werden.

Erster Schritt: Sich als Mensch begegnen

Dazu muss man sich persönlich begegnen und sich kennenlernen. Auf die Frage „Was hat das jetzt mit unserer technologischen Aufgabenstellung zu tun?“ antwortete Marc: „Nichts, aber wie wollen wir die nächsten Jahre an solch einer komplexen Aufgabe zusammen arbeiten, wenn wir nichts voneinander wissen?“ Alleine in diesem ersten Schritt fanden sich schon Kollegen mit gemeinsamen Interessen, von denen sie vorher nichts wussten. In dieser offenen Atmosphäre würden Kompetenzen sichtbar, die dann verknüpft wurden – die passenden Austauschwege wurden so gefunden.

Gemeinsame Werte helfen loszulassen

Der nächste Schritt ist dann immer noch nicht die fachliche Arbeit, sondern die Definition gemeinsamer Werte. Marc beschreibt, wie ihm das als Führungskraft geholfen hat, loszulassen. Denn er hat festgestellt, dass sich das Team selber reguliert, in dem es sich immer wieder auf die gemeinsam definierten Werte beruft.

Wie schwer war es, die neuen Ansätze zu etablieren?

Gar nicht schwer, meint Marc. Was eigentlich nicht verwundert, denn Marc ist Überzeugungstäter. Er wendet die Methoden nicht einfach nur an, weil es gerade in ist, sondern weil er zutiefst davon überzeugt ist, dass Zusammenarbeit nur auf Basis eines Miteinander wirklich gut gelingen kann. Und da sind wir bei den Anfängen seiner Karriere als Führungskraft.

Wie führt man ein Team aus vielen unterschiedlichen Experten?

Er war in seiner ersten Führungsaufgabe für ein Team mit ganz unterschiedlichen Kompetenzen verantwortlich. Da lag es schon in der Natur der Aufgabe, dass er fachlich nicht besser sein konnte als seine Teammitglieder. Heißt, er war gar nicht in der Lage, allen strikt vorzugeben, was sie zu tun hatten. Das war der Antrieb, sich mit neuen Führungsthemen  wie selbstorganisierte Teams zu auseinanderzusetzen. 

Einfach mal ausprobieren

Marc hat auch keine Angst, einfach mal etwas auszuprobieren und zu schauen, ob es funktioniert oder nicht. Die Grundvoraussetzung in komplexen Arbeitswelten und stetem Wandel. Und Marc hat noch etwas, das vielleicht noch entscheidender ist für den Erfolg seiner Arbeit: Er hat ein positives Menschenbild. Das strahlt auf die Menschen in seiner Umgebung ab – es ist einfach schön, mit Marc zu arbeiten. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Woher er das hat? Vielleicht von seinem Vater. Denn auf meine Frage nach einem Beispiel für seinen Führungsstil  erzählt er eine Geschichte von seinem Vater, die mich sehr berührt hat.
Wenn Ihr die erfahren wollt, dann hört rein in die neueste Episode von Digistoteles

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ctrlV021 - Kann man Prozesse bottom-up agil definieren?

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Über Haltung in Zeiten des Wandels – Mein Gespräch mit Corinna Maag

Mein heutiger Gast ist die systemische Unternehmensberaterin Corinna Maag. Sie unterstützt Organisationen und Einzelpersonen im Wandel, wenn dieser aus eigener Kraft nicht mehr bewältigt werden kann. Oft rüttelt dieser Wandel an Grundfesten, die nicht so einfach über Bord geworfen werden können. Sie bringt eine Sicht von außen in das System und lässt die Akteure ihren Handlungsspielraum neu wahrnehmen.

Ihr Leitmotiv ist „sicherer Stand in unsicheren Zeiten“.

Was ist eigentlich Haltung?

„Das müssen wir gar nicht unbedingt wissen, jedenfalls nicht sofort“ meint Corinna. Viel wichtiger ist eine Offenheit gegenüber Veränderung. Haltung ist, wie man es im hebräischen bezeichnet, ein „Gefäßwort“ – so wie „Agilität“ oder „Digitalisierung“. Es liegt an einem selber, es mit Inhalt zu füllen. Es geht vor allem darum, wie kann ich mich selber verhalten, damit Veränderung zum Besseren geschehen kann.

Die eigene Veränderung löst bei anderen etwas aus

Und da wären wir wieder bei dem Fakt, dass wir andere nicht in eine Veränderung reinquatschen können. Das soll aber nicht heißen, dass es hoffnungslos ist. Denn wenn wir uns selber verändern, spürt das unser Umfeld und reagiert auf einmal anders auf uns. Und schon ist die Veränderung in Gang gesetzt. Das zu erkennen ist wichtig für Führungskräfte: Wenn alle offener werden, schaffe ich einen ganz neuen Raum an Möglichkeiten.

In Krisensituationen den Weg aus dem Hamsterrad finden

Das sagt sich natürlich so leicht dahin. Üblicherweise passiert genau das Gegenteil. In einer Krise bekommen wir schnell einen Tunnelblick, der sich oft in ein krampfhaftes Festhalten an alten Mustern äußert. Damit ist man im Hamsterrad gefangen: Das angestrebte Ziel kann trotz großer Mühen nicht erreicht werden. Da heißt es anhalten und sich umschauen – also sich öffnen. Was habe ich denn noch für Ressourcen und Stärken, auf die ich zurückgreifen kann.

Sichtweisen von „oben“ und „unten“ verhindern die Sicht auf das Gegenüber

Dieses Öffnen ist ein Lösungsansatz für Spannungen aller Art. Auch für den Klassiker: Agilisten vs. Hierachie-Gläubige. Wer den anderen „von oben herab“ betrachtet, kommt nicht in den Dialog und ist nicht offen für die Position des anderen. Auch hier gilt: die Kategorisierungen „gut“ und „schlecht“ einfach weglassen – und die Gemeinsamkeiten nicht vergessen. Nur auf dieser Basis können wir an den Unterschieden wachsen. Das Zitat von Virginia Satir hat Corinna schon bei einem unserer ersten Begegnungen erwähnt und es war mir persönlich ein Leitspruch in vielen Situationen bisher.

„Wir begegnen uns in den Gemeinsamkeiten und wachsen an den Unterschieden“

Das zutiefst menschliche Bedürfnis verbunden zu sein – also die Gemeinsamkeiten -, ist auch für Führungskräfte wichtig. Dann ist es möglich, die eigene Begrenztheit – gerade in diesen komplexen Zeit – als unumstößliches Gesetz anzuerkennen und damit das „Oben“ und „unten“ auflösen kann. Damit nimmt die Führungskraft eine andere Rolle ein. Damit entwickeln wir uns auch als Individuen weiter, indem wir uns gegenseitig als Mensch sehen und nicht als eine „Human Ressouce“, die Aufgaben zu erledigen hat.

Verantwortung für mich kann niemand anders übernehmen

Dieser Grundsatz beinhaltet allerdings auch, dass bei fehlenden Gemeinsamkeiten eine Trennung das Richtige ist.Heißt konkret, wenn durch Veränderungen das gemeinsame Fundament wegbricht, muss man sich trennen. Und das hat dann etwas mit Verantwortung sich selber gegenüber und damit auch Selbstbestimmung zu tun.

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ctrlV020 - Über Haltung in Zeiten des Wandels - mein Gespräch mit Corinna Maag

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Die Cloud Revolution – Oder warum Informationstechnologie nicht (nur) aus funktionaler Sicht betrachtet werden darf. Mein Gespräch mit Thomas Landgraf

Thomas Landgraf hat viele deutsche Großunternehmen strategisch beraten, wenn es um die Adaption von Cutting-Edge Hochtechnologie ging. Er hat für IBM, Microsoft und heute für T-Systems die Entwicklung von Cloudservices, künstlicher Intelligenz fast von der Geburtsstunde an hautnah miterlebt. Ich bin mit Thomas seit vielen Jahren befreundet, was das Gespräch auch für mich zu einem besonderen Erlebnis gemacht hat.

Weltherrschaft von weniger als einer Handvoll Unternehmen?

Wir beginnen unser Gespräch direkt mit dem delikaten Thema – beherrschen nun wenige Firmen der Informationstechnologie diese Welt? Thomas sieht das differenzierter, es benötigt ja zusätzlich zum Beispiel noch Energie und Netzwerktechnologien. Ohne den Backbone einer Deutschen Telekom Verizon, und wie sie alle heißen, nutzt die schönste Cloudtechnologie nichts. Und ja, es gibt nur wenige Unternehmen, die über genügend finanzielle Ressourcen verfügen, diese Technologien zu entwickeln und bereitzustellen.

Demokratisierung von Technologie

Andererseits geschieht durch den Wandel zur Cloud hin eine Demokratisierung von Technologie. Jeder – egal ob ein Großkonzern oder ein Startup – hat die Möglichkeiten künstliche Intelligenz und (fast) unbegrenzte Rechenleistung für sich zu nutzen. Computing Power aus der Steckdose. Zudem ist das Wissen über diese Technologie durch die großen Partnernetzwerke der IT-Riesen auf viele Köpfe weltweit verteilt.

Das Wissen von heute kann morgen wertlos sein

Wer in der IT arbeitet, dem bläst der Wind der Veränderung besonders stürmisch ins Gesicht. Heißt konkret, mein Wissen von heute kann morgen schon wertlos sein. Wenn mein Unternehmen sich entscheidet, in die Cloud zu gehen, wird es die Anwendung, für die ich jahrelang spezialisiert war, vielleicht so nicht mehr geben. Damit muss man erst einmal umgehen.

Lernen, Teilen & Vernetzen

Und da sind wir dann schon wieder beim Thema New Work. Es hängt eben alles mit allem zusammen. Auch wenn es die IT vielleicht zuerst spürt, leben wir doch alle in einer Welt, die von heute auf morgen von rechts auf links gedreht wird. Bereitschaft zu lernen, mit Unsicherheit umzugehen und mit anderen Erfahrungen zu teilen sind für das eigene (berufliche) Überleben und das des Unternehmens also essentiell. Isoliertes Inselwissen wird immer weniger gefragt werden, dafür mehr und mehr Teamplayer die aus ihrem KnowHow und ihrer Sichtweisen neue Wertschöpfung generieren.

Dies gilt nicht nur nach innen, sondern auch nach außen. Ein Beispiel dafür ist die Mitarbeit an Open Source Projekten. Wenn mehrere Unternehmen gemeinsam an einer Codebasis arbeiten, haben alle etwas davon. Auch die Sicherheit von Applikationen würde steigen, wenn alle gemeinsam etwas beitragen würden. Dies geht aber nur mit den entsprechenden Unternehmenswerten. Merken Sie etwas? Wir sind schon wieder bei einem der Schlagworte von New Work. Und schon kommt das nächste:

Agil muss jeder sein

Wandel, Komplexität und Ungewissheit – darum sind agile Arbeitsmethoden entstanden. Weil sie diese Umweltbedingungen als gegeben akzeptieren und in die Arbeitsweise mit aufnehmen. Thomas sagt aber ganz klar: „heute sind wir mal agil und morgen geht es ins Personalbewertungsgespräch“ das wird nicht funktionieren.

Wenn der Vorstand sagt, „Bringt mir Euer Problem, gemeinsam werden wir es lösen“ ist man auf einem guten Weg. Aber es soll sich keiner der Illusion hingeben, man könne 100 Jahre hierarchische Sozialisation auf mit einem Kickoff Meeting aufbrechen.

Sind wir in Deutschland zu satt?

Wir beenden das Gespräch mit einer fast philosophischen Betrachtung unserer Gesellschaft. Führt uns unser Sicherheitsstreben gerade in die Unsicherheit? Ist ein Beharren auf dem Status Quo (sei es Arbeitsplatz, Wissen oder Methodik) eine Sackgasse?

Neugierig? Die Episode gibt es hier auf die Ohren.

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Danke Thomas für das Gespräch! Das nächste Bier geht auf mich. 🙂

ctrlV019 - Die Cloud Revolution: Mein Gespräch mit Thomas Landgraf, Senior Product Manager Managed Cloud Services bei T-Systems International GmbH

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ctrlV018 - Über Angst und Liebe oder die Geometrie der vernetzten Welt – mein Gespräch mit Carmen Hentschel

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Mit der Journalistin Carmen Hentschel spreche ich über die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung. Jeder von uns kann sich mit Menschen, die die gleichen Ziele haben wie man selbst, vernetzten und Berge versetzen. Wir können also das Feuer in uns selbst zum brennen bringen. Dies löst bei anderen etwas aus – im Guten, wie im Schlechten.

Carmen spricht über die Balance von Systemen: wir betrachten meist nur Höhe (wirtschaftlicher Erfolg) und Breite (Geschwindigkeit), seltener jedoch die Tiefe. Und es geht um Gefühle – die beiden großen Emotionen “Angst” und “Liebe”. Was das mit unserer digitalen Gesellschaft zu tun hat, das hört ihr in dieser Episode.

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Greta Thunberg, Rezo & Jan Böhmermann oder die Stärkung des Individuums in der digitalen Gesellschaft

Seit vielen Jahren fasziniert mich, wie die Wirksamkeit des Einzelnen durch digitale Netzwerke ungeahnte Möglichkeiten erreichen kann. In Sache Lifestyle sind die Beispiele ja fast unendlich. Und seit einiger Zeit prognostiziere ich immer wieder in vielen Gesprächen mit Freunden, Kollegen und Kunden, dass die Zeit reif ist für Menschen, die heute noch keiner kennt, aber die mit Ideen und Visionen politischen Einfluß erlangen und die klassischen politischen Strukturen komplett umgehen.

Die Revitalisierung der Demokratie

Es ist gerade erst einmal ein Jahr her, dass Greta Thunberg mit Ihrem Schulstreik begonnen hat – jetzt ist eine weltweite Bewegung daraus geworden und Greta gilt schon jetzt als eine der einflußreichsten Frauen unserer Zeit. Eigentlich unvorstellbar, oder?

Und dann kam die Europawahl: alles ging seinen gewohnten Gang, bis auf einmal der bis dahin politisch nie in Erscheinung getretene Youtuber Rezo ein Video online stellte und faktisch fundiert auf Misstände in der aktuellen Politik aufmerksam machte. Das Ergebnis: Knapp 16 Millionen Aufrufe und mehr als 220.000 Kommentare. Die Reaktion der etablierten Politiker: Panisch – und in den ersten Kommentaren wurde erschreckend deutlich, wie wenig sich viele Politiker tatsächlich mit digitalen Kommunikationswegen und deren Mechanismen auskennen. Und wer sich voller Schadenfreude über die bloßgestellten CDU Politiker auf die Schenkel geklopft hat, hatte sich zu früh gefreut. Kommen wir nun zur SPD.

Und jetzt Jan Böhmermann

Am Donnerstag hat Jan Böhmermann seine Kandidatur als Vorsitzender der SPD bekannt gegeben – die Social Media Kanäle explodierten, #Neustart19 trendete deutschlandweit sofort. Heute hat er zur Bürgerbefragung in einem Livestream über Instagram und Facebook eingeladen. Ich war neugierig und habe mich dazu geschaltet und war sehr angetan von der Ernsthaftigkeit der Fragen und der Ehrlichkeit der Antworten von Jan Böhmermann. Es war alles dabei: Steuerfragen, Zukunftskonzepte zur Mobilität, Klimadebatte – und natürlich die drängendste aller Fragen: Wird er die formalen Hürden nehmen können? Laut aktuellem Stand gibt es drei Sozialdemokratinnen, die für eine Kandidatur mit ihm bereitstehen, es gibt zwei SPD Unterbezirke, die ihn unterstützen und der Antrag auf Eintritt in die SPD ist auf dem Weg.

Mir geht es hier weniger um die Personen und deren Inhalte, sondern ich möchte hier vor allem auf die Mechanismen aufmerksam machen, die es Einzelnen ermöglichen, quasi von heute auf morgen aus dem Nichts heraus politischen Einfluß zu gewinnen. Ja, natürlich ist Jan Böhmermann kein Unbekannter und auch Rezo ist ein Youtuber mit einiger Bekanntheit, aber wer hätte ernsthaft gedacht, dass sie innerhalb kürzester Zeit zwei politische Parteien derart aufmischen könnten.

Einfluß abseits der eingefahrenen Wege

Geht jetzt alles drunter und drüber? Ich bin glaube nicht, sondern es bringt wieder Leben in unsere eingefahrene Demokratie. Auf einmal beteiligen sich wieder mehr Menschen an der so dringend notwendigen Diskussion über unsere Zukunft in Zeiten, in denen sich scheinbar alles ändert. Gerade dann ist es für unsere Gesellschaft essentiell, dass wir miteinander diskutieren und neue Akteure auf den Plan treten. Und es gilt für die Politik dasselbe wie für Unternehmen und den Einzelnen: Ignorieren bringt nichts. Wir müssen lernen, damit umzugehen. Und vor allem die Chancen sehen. Denn aus meiner Sicht hängt die Zukunft unserer Gesellschaft davon ab, dass wir die fundamentalen Umwälzungen durch Diskussonen verstehen und uns aktiv damit auseinandersetzen.

Wir leben in spannenden Zeiten.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein schönes Wochenende! Ach ja – auch wenn es total spannend ist, die aktuellen Ereignisse zu verfolgen – vergesst nicht das analoge Leben. Ich bin dann jetzt mal offline.

Digistoteles 013: Gespräch mit Dr. Karin Rasmussen über die menschliche Fähigkeit zur Veränderung

Ein wichtiges Thema in diesen sich ach so schnell wandelnden Zeiten: die Fähigkeit des Menschen, sich anzupassen – an eine veränderte Umwelt, neue Geschäftsmodelle und andere Formen der Zusammenarbeit. Eigentlich wird diese Eigenschaft gerade der Spezies Mensch zugesprochen, trotzdem hört man immer wieder den Satz: „Menschen ändern sich sowieso nicht“. Diesen Widerspruch zu beleuchten und vielleicht sogar aufzulösen, darum soll es in der heutigen Episode gehen.

Dr. Karin Rasmussen (www.karinrasmussen.eu) ist Philosophin, war fast 20 Jahre selber Führungskraft und betreibt seit mehr als 20 Jahren Führungskräftecoaching. Sie ist also Expertin, wenn es um die Wirksamkeit des Einzelnen geht und um den Umgang mit Macht.

Menschen verändern sich ihr ganzes Leben lang


Karin macht direkt am Anfang klar, dass Menschen sich natürlich ändern – ihr ganzes Leben lang. Wer ist schon derselbe Mensch, der er vor zehn Jahren war? Warum uns das mit der Veränderung manchmal so zäh vorkommt liegt daran, dass wir meist andere Menschen ändern wollen – nach unseren Vorstellungen. Das ist anmaßend, denn wir spielen quasi Gott – das kann nur schiefgehen. Ist eine Veränderung durch Druck von außen also nicht möglich? Wir alle erleben das doch tagtäglich. Wir passen uns den Anforderungen der Arbeitswelt an – erledigen Aufgaben, die uns eigentlich nicht liegen, arbeiten zu lange oder mit Menschen, die wir nicht mögen.

Der Lohn für Anpassung: keiner meckert – die Autobahn zur gefühlten Abhängigkeit

Das ist dann nur eine Anpassung, die aber keine echte Veränderung im Inneren ist. Warum tun wir das? Damit wir möglichst wenig anecken – also ein ruhiges (Arbeits)leben haben. Damit sind wir auch schon beim Kern des Themas: Karins These ist, dass die meisten von uns zu früh das Denken einstellen und sich in eine gefühlte Abhängigkeit begeben mit den ach so bekannten Ausreden: „Man muss von etwas leben“ ist der Klassiker. Und da kommt die Philosophin mit einem provozierenden Statement: von den 7,5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten haben 4,5 Milliarden kein Einkommen – und sie leben trotzdem. 

„Bete und arbeite“ wirkt bis heute nach

Ein Denkanstoß für uns alle: Begeben wir uns zu früh in die innere Emigration? Zumindest haben wir eine Entschuldigung, denn mindestens seit den Zeiten, in denen in Europa christliche Moralvorstellungen gelten, hieß es „bete und arbeite“. Hier entwickelte sich ein Machtgefälle – die Kirche gab vor, was man zu beten und zu arbeiten hatte. Diese Herausbildung von Systemen, in denen Einzelnen eine übermenschliche Machtfülle zugeschrieben wurde, wurde mit der Industrialisierung und dem heutigen Wirtschaftssystem auf die Spitze getrieben. Karin betont „übermenschlich“ – ein Mensch kann die Anforderungen nicht erfüllen, die an ihn gestellt werden. Das merken immer mehr Führungskräfte, die mit dem schnellen Wandel überfordert sein MÜSSEN, erst recht, wenn sie sich in starren hierarchischen Organisationen eingezwängt sind. Und auch die Mitarbeiter hören zu früh mit dem Denken auf. 

Rat zu suchen, ist eine unabdingbare Fähigkeit für jede Führungskraft

Dabei haben wir in dieser vernetzten Welt, in der wir das Wissen der Menschheit quasi auf unserem Telefon abrufen können, eine noch nie da gewesene Unterstützung. Auch intern hat jedes Unternehmen heute mit einem Social Intranet die Möglichkeit,  die passenden Experten zu finden. Da haben wir es wieder: 

Die Kraft des Netzwerkens

Noch immer nutzen zu wenige Menschen die Möglichkeit, offen (im Intranet) Fragen zu stellen – oder Aufgaben sichtbar zu machen. Diejenigen, die sich befähigt fühlen, Teile der Aufgabe zu erledigen oder zu einer Problemlösung beitragen zu können, werden sich melden. Hier ist ein Perspektivwechsel gerade bei Führungskräften und Personalabteilungen hilfreich. Dies nimmt Druck von allen. Und ein Signal an alle in der Organisation, die eigene Meinung und die eigene Erfahrung konstruktiv mit einzubringen. An dieser Stelle kann ich mir dann nicht verkneifen, gebetsmühlenartig den einen Satz zu wiederholen:

Ohne Vernetzung keine digitale Transformation!

Zum Schluß werfen wir noch einen Blick auf das große Ganze: Vernetzung bedeutet nämlich auch, sich mit anderen zu verbünden, die gleiche Ziele verfolgen. Als Beispiel führt Karin Donald Trump an: der bekommt nur soviel Macht, wie wir ihm gewähren. Er musste ja schon ein paar Mal zurückrudern. Dennoch heißt es für uns alle: wachsam bleiben und die eigene Wirksamkeit nicht unterschätzen. 

Neugierig geworden: hier geht es zur Episode 13 von Digisoteles

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