Digistoteles Episode 11: Über die Zukunft der Arbeit – von der Sinnsuche bis zum neuen Wirtschaftssystem. Wir drehen das große Rad.

Unser Gast heute ist Kurt Fessel – wir kennen uns aus der Zeit, als er Sales Director Lotus Software bei der IBM war. Seine Art zu führen war seiner Zeit weit voraus: die heute so gepriesenen Leadershipqualitäten wir Authentizität, die Bereitschaft Risiken einzugehen und Menschen als Menschen und nicht als Zahlen zu sehen, hat er schon vor mehr als einer Dekade gelebt. Was Kurt aber zu einer echten Bereicherung für unseren Podcast macht , ist die Fähigkeit Dinge auf den Punkt zu bringen und immer eine gute Geschichte parat zu haben.

Mit ihm drehen wir heute das ganz große Rad: Gesellschaftlich, politisch und philosophisch – dabei wollten wir eigentlich “nur” über Arbeit sprechen.

Von der dörflichen Gemeinschaft zum globalen digitalen Dorf – Arbeit als Beitrag zum Zusammenhalt

Wir fangen ganz von vorne an: Wie war es früher – Arbeit war nicht immer nur Gelderwerb, sondern auch Beitrag zur Gemeinschaft – man hilft sich gegenseitig. Und da sind wir schon beim Begriff Vollbeschäftigung. Im wahrsten Sinne des Wortes ist man das, wenn man vom Aufstehen bis zum Schlafengehen arbeitet. Von der dörflichen Gemeinschaft aus betrachtet, hätten die meinsten von uns also Zeit, auch etwas Sinnstiftendes zu tun – wenn man wüsste, wo der Bedarf ist.

Vereinfacht gesagt: Wenn ich wüsste, wer zum Beispiel gerade einen Schlagbohrer braucht, würde ich ihm einen leihen – und vielleicht auch bei den Arbeiten helfen – oder Nachhilfe, oder Gesellschaft, oder oder. Der Schlagbohrer als Platzhalter für den Bedarf an Beitrag zur Gesellschaft. Und hier schließt sich der Kreis zu Digitalisierung: Durchdie globale Vernetzung könnten wir dies heute schon tun.

Sozialkompetenz als neue Währung in der Arbeitswelt von morgen

Hier stellt Kurt die Frage: Wenn Maschinen mehr und mehr körperliche und geistige Standardarbeiten übernehmen, dann werden Sozialkompetenzen immer wichtiger – denn das können Maschinen (nich) nicht. Dies könnte also die Währung von morgen werden – in einer Welt, in der Arbeit eine fundamental andere Bedeutung hat als heute. Denken wir diesen Ansatz einmal weiter: Verlieren dann materielle Werte an Bedeutung: “Mein Haus, mein Auto, meine Yacht” ?

Müssen wir nicht sowieso eine andere Art zu wirtschaften entwickeln? Klimawandel und ökologische Katastrophen sind die Heimsuchung der modernen Welt. Es gibt Zeichen von Hoffnung: die “Fridays for Future” Bewegung zum Beispiel. DIe Jugend erkennt ihre politische Wirkmacht. Und lernt nebenbei viel mehr, als die es im klassischen Bildungssystem tun würde. Wobei wir schon beim nächsten großen Thema sind: wir müssen unsere Bildungssysteme umgestaltet werden.

Ich sagte ja – wir drehen das große Rad.

Interessiert? Hier geht es zur Episode:

http://bit.ly/2OAKLA3

Und natürlich auf Spotify und Apple Podcasts:

ctrlV015 - Arbeit in einer digitalen Welt: Welche Berufe wird es geben, was ist eigentlich Arbeit, Sicht auf materielle Güter

Shownotes

Wie sieht Arbeit eigentlich aus, wenn mehr und mehr standardisierte Arbeiten von Maschinen übernommen wird? Heute schon können Computer Röntgenbilder diagnostizieren und Ingenieure müssen mit dem automatischen Konstruieren umgehen.

Wir schauen zurück und definieren erst einmal Erwerbstätigkeit und Arbeit aus der Historie. Beim Blick in die Zukunft geht um den Wert von Arbeit. Was ist es uns als Gesellschaft wert, wenn Menschen etwas für das Gemeinwohl erarbeiten? Wird sich der Blick auf materielle Werte verändern? Warum brauchen auch Unternehmen einen Sinn, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Wird sich unsere gesamte Wirtschaftsordnung ändern?

All diese Fragen diskutieren wir mit unserem Gast Kurt Fessel.

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Kontributoren

Kontrollverlust FM
avatar Ralph Siepmann
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ctrlV014 - Agiles Arbeiten oder die Kunst, Fahrradfahren zu lernen

Shownotes

Agiles Arbeiten ist keine Methode, sondern hat etwas mit Werten zu tun. Deshalb reicht es auch nicht, nur den SCRUM Guide zu lesen. Wir müssen unsere jahrzehntelang einstudierte Sozialisation in Bezug auf Arbeitsweisen überdenken und neu starten. Wie ein Kind, das sich zum ersten Mal auf ein Fahrrad setzt.

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Kontributoren

Kontrollverlust FM
avatar Dorothee Töreki
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Digistoteles Episode 10: Agiles Arbeiten oder die Kunst, Fahrradfahren zu lernen

Ja, auch wir springen auf den Buzzwordbingo-Zug auf. Aber nicht, um auch mal drüber geredet zu haben, sondern um unsere konkreten Erfahrungen darüber auszutauschen. Wir – das sind in dieser Folge Arnd und ich (Doro) und wir propagieren diese Art des Arbeitens schon ein paar Jahre und haben damit unsere Erfahrungen gemacht.

Und ich nehme es direkt vorweg: Uns ist das Thema sehr wichtig, weil wir glauben, dass ohne diese Art des Arbeitens Unternehmen nicht mehr schnell genug sein werden, um in der rasanten Welt der Digitalisierung mithalten zu können.

Es reicht heute nämlich nicht mehr aus, groß und mächtig zu sein, um sich auf seinen Lorbeeren ausruhen zu können.

Die Automobilindustrie beispielsweise fängt gerade erst an, dies schmerzhaft zu spüren. Die nächsten Jahre werden nach meiner Prognose noch viel härter werden. Aber zurück zur Methode. Worum geht es eigentlich? Der Kern aller agilen Arbeitsmethoden ist, dass sie auf einem empirischen Ansatz aufbauen. Heißt konkret:

Am Anfang des Projektes kann man noch nicht alle Aspekte kennen, die man bis zur Fertigstellung wissen muss. Erfahrung und neues Wissen ergeben sich mit dem Fortschritt der Arbeiten und werden sukzessive eingebaut. Damit ist man viel flexibler und näher an der Realität als in den sogenannten Wasserfallmethoden.

Die Wasserfallmethode ist eine Illusion, denn sie geht von einer Planbarkeit der Welt aus, die es so nicht gibt.

Deshalb ist agiles Arbeiten so schnell: Es ist näher am wahren Leben: das bedeutet, ich muss mit Überraschungen und veränderten Rahmenbedingungen umgehen. Arnd stellt die – aus meiner Sicht sehr wahre – These auf, dass auch in Wasserfallmethoden so gearbeitet wird, weil die Realität die Planung sowieso wieder einholt. Es will nur keiner zugeben und kostet mehr Zeit, weil die Methode dies nicht hergibt.

Warum ist es dann eigentlich so schwer, agil zu arbeiten? Der SCRUM Guide beispielsweise umfasst nur 19 Seiten. Die Regeln sind sehr einfach und schnell umgesetzt. Wenn da nicht die Tücke mit den Werten wäre.

Agile Werte verlangen Haltung

SCRUM kennt keine klassischen Manager – die Entwickler (also, die die Projektschritte bearbeiten) sind selbstorganisiert, die Aufgaben sind transparent verteilt. Jeden Tag trifft man sich kurz und gibt den anderen ein Update zur eigenen Arbeit. Heißt auch, wenn man einmal nicht weiterkommt, muss man dies zugeben – das erfordert Mut. Genauso wie die Offenheit, mit dem man miteinander kommuniziert. Denn das Verstecken von unangenehmen Themen oder Hindernissen in der Arbeit kostet Zeit – und dabei geht es ja bei der Methode: Geschwindigkeit hat oberste Prioriät.

Dies tatsächlich umzusetzen, erfordert Zeit. Die meisten von uns sind in hierarchischen Organisationen sozialisiert worden, wo die Führungskräfte sagen, was passiert. Offenheit und Selbstorganisation sind da ein großer Wandel.

Deshalb ist das agile Arbeiten wie Fahrradfahren: Nur eine Beschreibung zu lesen, wie es theoretisch funktioniert, reicht nicht aus. Man muss tatsächlich auf das Fahrrad steigen, ein paarmal hinfallen bis man es irgendwann kann, ohne groß darüber nachzudenken.

Interesse geweckt?

Dann hört Euch die aktuelleste Folge von Digistoteles an.

Und die kritische Betrachtung von Agilität gibt es in einer der nächsten Folgen.

Digistoteles Folge 009: Unbekannte digitale Pioniere aus Bildung, Wirtschaft und Gesundheitswesen

Heute geht es um die Menschen, die außerhalb der digitalen Gemeinde wenig bekannt sind. SIe haben in ganz unterschiedlichen Gebieten Herausragendes geleistet:

Sugata Mitra:

Selbstorganisierte Bildung ohne Lehrer

Erfahrt, was Kinder sich selber beibringen können, wenn sie nur einen PC mit Breitbandanschluß zur Verfügung haben: Eine neue Sprache lernen bis zu aktuellen Forschungsergebnissen zur Biotechnologie. In selbstorganisierten Teams von 3 bis 10 Kindern. Dass sich das sehr nach SCRUM anhört, ist Zufall – zeigt aber, dass dies die Mechanismen sind, unter den Menschen ohne äußere Vorgaben sich zu Teams zusammenbringen.

Und dann gibt es da noch die Granny-Cloud:

http://thegrannycloud.org/

Hier helfen Menschen Kindern weltweit beim selbständigen Lernen: Sie schenken eine Stunde pro Woche, um via Webkonferenz Fragen zu stellen und Anerkennung zu geben. Damit verbessern sich die Lernergebnisse nochmals.

Tolle Geschichte

Christoph Jentzsch

Angriff auf die Plattformökonomie?

Gäbe es eine wirklich komfortable App, so würden wir sicher mittelfristig unseren Begriff von BEsitz verändern. Schauen wir uns einmal die vielen Gegenstände an, die sich in unserem Besitz befinden. Vieles davon benötigen wir gar nicht das ganze Jahr über. Was spricht zum Beispiel dagegen, einen Vertikutierer gegen Gebühr an Nachbarn zu verleihen? Abgerechnet wird pro m2 vertikutiertem Rasen über die Blockchain – diese kann ja Verträge in Code abbilden.

Solch eine Anwendung hat Christoph Jentzsch im Sinn, als er 2016 (!) ein noch nie dagewesenes Crowdfunding Projekt startete: Ebenfalls über die Blockchain konnte jeder, der wollte, Anteile an einem komplett digitalen Unternehmen erwerben. Dieses Unternehmen (DAO = Decentralized Autonomes Organisation) wäre keiner Rechtsprechung unterworfen gewesen und hätte keine Steuern gezahlt. Warum er dann doch gescheitert ist – aber schlußendlich viel gelernt habt, das erfahrt Ihr im Podcast.

Jos de Blok

“Menschlichkeit über Bürokratie”

Über Jos de Blok und seinem Pflegedienst Buurtzorg wurde hier schon ein Artikel geschrieben, aber die Geschichte ist zu schon, um nicht noch einmal im Podcast erzählt zu werden.

Es zeigt nämlich, dass selbstorganisierte Unternehmen auch mit einer Größe von 10.000 MA erfolgreich sein können:

Beste Qualität, 40% (!) weninger Kosten und bester Arbeitgeber. Buurtzorg kennt das Thema “Fachkräftemangel” nicht. In Fragen sogar Menschen, die eigentlich in Rente gehen könnten, ob sie nicht noch ein paar Jahre länger arbeiten dürfen. Weil die Arbeit soviel Freude macht. So ist das, wenn man einen Sinn in seinem Tun erkennt.

Hier geht es zur Episode von Digistoteles:

http://kontrollverlust-fm.de/2019-07-04_ctrlv014-unbekannte-digitale-helden-pioniere-fuer-bildung-wirtschaft-und-gesundheitswesen/

Wie immer natürlich auch auf Apple Podcast und Spotify.

ctrlV014 - Digistoteles 009 - Unbekannte digitale Helden

Shownotes

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Kontributoren

Kontrollverlust FM
avatar Dorothee Töreki

ctrlV013 - Digistoteles 008 - Digital Farming

Shownotes

Link zum ausführlichen Artikel: http://kontrollverlust-fm.de/2019-06-22_digistoteles-folge-008-digital-farming-parkhaeuser-zu-ackerflaechen-supercharged-food-zur-verlangsamung-des-klimawandels/

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Digistoteles Folge 008 – Digital Farming: Parkhäuser zu Ackerflächen, Supercharged Food zur Verlangsamung des Klimawandels

Wo geht eigentlich die digitale Reise in der Landwirtschaft hin? Das Geschäftsmodell eines Landwirtes wird sich wohl nicht ändern, oder? Also haben wir hier vielleicht (endlich mal) eine Industrie, die nur von Innovation, aber nicht von Disruption betroffen ist? Keineswegs. Gerade hier gibt es geradzu phänomenale Entwicklungen, die in der Öffentlichkeit noch kaum bekannt sind.

Schon immer war die Landwirtschaft ein Schlüssel für die kulturelle Blüte einer Gesellschaft

Fangen wir an mit einem Blick zurück in die Geschichte. Die menschlichen Gemeinschaften, die Landwirtschaft entwickelt haben, haben alle Sprünge in ihrer kulturellen Entwicklung gemacht, denn im Gegensatz zu Jägern und Sammlern musste weniger Energie für die Beschaffung von Nahrung aufgebracht werden. Handwerk, Kunst und Kultur konnten sich entwickeln.

Springen wir in die Gegenwart: Robotik, Sensordaten, Big Data bringen heute schon riesige Sprünge in der Effizienz: Wir brauchen heute wesentlich weniger Arbeitskraft für mehr Erträge aufwenden. Roboter können Unkraut zupfen, Sensoren messen Bodenfeuchte und Nährstoffgehalt in Kombination mit der Auswertung historischer Wetterdaten und Wetterprognosen benötigen wir heute wesentlich weniger Wasser, Düngemittel und Pestizide um bessere Ergebnisse zu bekommen. Außerdem können Farmer heute schon auf Services zugreifen, die ihnen den besten Zeitpunkt für den Verkauf ihrer Produkte auf dem Welthandel ausrechnen – zumindest in der industriellen Landwirtschaft mit Breitbandanschluß. In vielen Regionen der Welt sieht die Arbeit der Bauern noch ganz anders aus – aber hier geht es ja um das technisch Mögliche.

Caleb Harper: Farming unabhängig von Klima und Transport

Und hier möchten wir Euch ein interessantes Projekt vorstellen: Das Open Agriculture Lab vom MIT und die dort entwickelten Food Computer:

Quelle: https://foodtank.com/news/2016/05/open-agriculture-initiative-digital-farming/

Hier kann jegliches nur denkbare Klima “designt” werden – das heißt konkret, hier können Pflanzen aller Art unabhängig vom tatsächlichen Klima in der Region angebaut werden. Da es sich hier um eine dezentrale Anbaumethode in vielen kleinen Flächen handelt, spielt die Transportfähigkeit ebenfalls keine Rolle mehr – also ein totaler Paradigmenwechsel in der Erzeugung von Lebensmitteln: So können auch alte fast ausgestorbene Kulutrpflanzen wiederbelebt werden – denn mit dieser Methode rücken auf einmal Nährstoffreichtum und Geschmack in den Vordergrund.

Sowohl die idealen Klimabedingungen als auch die Bauanleitung für den FoodComputer können auf der Seite des Open Agriculture Lab heruntergeladen werden und die Community lernt voneinander.

Vielleicht eine Lösung für den urbanen Raum – wenn wir durch neue Mobilitätskonzepte 70% weniger Autos benötigen (ShareConomy und effiziente Nutzung der einzelnen Fahrzeuge), hätten wir ja genug Platz in den Innenstädten, den wir anders nutzen können. Warum also nicht Parkhäuser zu Farmhäusern? Spinnerei? Vielleicht – wir werden sehen….. Mit Foodcomputern wird die althergebrachte Landwirtschaft wohl nicht ersetzt werden, aber vielleicht kommt eine neue Variante hinzu.

Joanne Chory: Klimawandel verlangsamen durch CO2 – hungrige Pflanzen

Kehren wir zurück zur traditionellen Landwirtschaft: Effiziente Nutzung der Agrarflächen im großen Stil. Hier möchten wir von einer Visionärin erzählen – Joanne Chory

Quelle: https://www.salk.edu/scientist/joanne-chory/

Sie forscht an einem Weg, durch Genmanipulation gängige Ackerpflanzen wie Sojy, Baumwolle und Getreide so zu verändern, dass sie durch Photosynthese viel mehr CO2 in Zucker und Sauerstoff umwandeln und sieht darin eine Chance, den Klimawandel zu verlangsamen.

Das hört sich klasse an – allerdings setzt dies voraus, dass Farmer in der ganzen Welt bereit wären, diese genmanipulierten Pflanzen anzubauen. Davon abgesehen, ist der Einfluß auf die Umwelt durch den Anbau dieser Pflanzen noch nicht bekannt.

Eine Gleichung mit vielen Unbekannten also. Trotzdem ein spannendes Projekt ,das zeigt, was möglich ist.

Mehr dazu in der nächsten Folge von Digistoteles – Episode 008 – Digital Farming

ctrlV012 - Digitale Energie

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Die große Sinnfrage

WOZU gibt es mein Unternehmen?

Die naheliegende Antwort ist: “Weil xx produziert/verkauft/Dienstleistungen anbietet”

XX – also das Produkt/die Dienstleistung – wird dann oft mit schicken Attributen versehen: technisch ausgefeilt, herausragendes Design, beste Experten, usw.

Knapp daneben. Provokant gefragt: Was macht beispielsweise ein Automobilhersteller, wenn wir in ein paar Jahren Mobilität und Besitz ganz anders verstehen und viel weniger Auto kaufen, sondern nach Bedarf nutzen. Was bedeutet das für mein Markenimage und noch viel wichtiger – was wollen wir überhaupt anbieten, wenn viel weniger Autos verkauft werden?

Sehen Sie – deshalb greift die Antwort oben zu kurz. Ich brauche einen tieferen Sinn, der über das Produzieren von Gegenständen oder das Anbieten von Dienstleistungen hinaus geht. Ein Leitbild, das bei veränderten Geschäftsbedingungen immer noch gilt und die Richtung vorgeben kann.

Leitbilder als Leitplanken

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Beispiele:

Tesla – deren Mission ist: „to accelerate the world’s transition to sustainable energy“ also „den Wandel zur nachhaltigen Energie zu beschleunigen“ .

Wenn Sie hätten raten müssen – hätten Sie so etwas wie „die besten Elektroautos herstellen“ gesagt? Ich wahrscheinlich schon. Worin liegt der Unterschied?

Nachhaltige Energie ist ein Wert, der einem sofort klar ist und dessen Bedeutung jeden Tag zunimmt. Autos kommen darin erst einmal gar nicht vor. Der Bau von Autos ist Teil der Aufgabe, sozusagen Mittel zum Zweck – aber eben auch nur ein Teil. Nicht umsonst hat Tesla schon sehr früh ein ganzes Ökosystem aufgebaut: Von der Gigafactory bis zur Powerwall für die heimische Garage. Vom Aufbau der Infrastruktur für Elektroautos einmal ganz abgesehen – echte Pionierarbeit, getrieben vom eigenen Leitbild. Und wer weiß – vielleicht gehört der Bau von Autos in 10 Jahren schon nicht mehr zum Portfolio von Tesla, sondern etwas ganz anderes – das Leitbild “Nachhaltigkeit” gibt es vor.

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 Nachhaltige Mobilität – gleichzeitig Leitplanke und Raum für Visionen

Wäre der Bau von Autos das Leitbild, hätte es die Mission so sehr verkleinert, dass Tesla vielleicht schon in den Anfängen stecken geblieben wäre. Wie so viele etablierte Player: Erstmal abwarten, bis die Politik, die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen hat. Unsere Kernkompetenz ist der Autobau. Überspitzt? Technologische Verklärung von Tesla? Mag sein – aber ich erinnere mich noch gut an die Aussagen der CEOs der Autokonzerne von einigen Jahren: „100 Jahre Erfahrung im Automobilbau sind nicht aufzuholen!“ Die Realität hat die Konzerne mittlerweile eingeholt, aller aktuellen Probleme bei Tesla zum Trotz.

 Buurtzorg: „Menschlichkeit über Bürokratie“

Mein „Lieblingsunternehmen“ Buurtzorg. Das Leibild ist der Unterschied zu allen anderen Pflegediensten. Hier wird besonders deutlich, wie sehr es bis in die Unternehmensorganisation hineinwirkt. Konsequent wird alles unternommen, um die beste Pflege den Menschen zu kommen zu lassen. Das Ergebnis ist bekannt – wer mag, kann es hier noch einmal genauer nachlesen.

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Google:

to organize the world’s information and make it universally accessible and useful.”

„Die Informationen der Welt aufzubereiten und universell zugreifbar und nützlich zu machen.“

Diese Mission gibt Leitplanken vor, setzt aber gleichzeitig Phantasien frei, was möglich sein kann. Können Sie sich noch eine Welt ohne Google Maps vorstellen? Google hat damit eine suchbare Landkarte der Erde geschaffen – und mit den passenden Schnittstellen, Anwendungsfälle in Hülle und Fülle. Als 2010 der Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach, wurde auf Basis von Google Maps eine Anwendung erschaffen, die Mitfahrgelegenheiten für ganz Europa möglich machte. Und durch Street View können wir uns heute wie selbstverständlich ein genaues Bild der Umgebung unserer Reiseziele machen, Restaurants finden, bewerten….

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Wie wäre dies möglich gewesen, wenn man nur die beste Suchmaschine hätte sein wollen?

Eine gutes Unternehmensleitbild hat immer einen tieferen Sinn (Nützliches aus Informationen schaffen, nachhaltige Mobilität, menschliche Pflege) – bildet gleichzeitig einen Rahmen und gibt dennoch Phantasien und Visionen Raum. Im Falle von Google sogar bis zur Erforschung des Todes.

Werte bekommen ihre Strahlkraft, indem man sie lebt – und nicht, in dem man sie auf Wände malt.

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Dies alles nutzt jedoch nichts, wenn diese Werte nicht gelebt werden. Nehmen wir einen Klassiker: „Das Beste für unseren Kunden“: ich brauche mir dieses Leitbild nicht auf Wände schreiben oder im Intranet propagieren, wenn nicht jeden Tag alle Handlungen konsequent darauf ausgerichtet sind. Konkret: Wenn mein Kunde Sonderwünsche hat, und diese abgeschmettert werden, weil sie nicht in Prozesse passen. Oder wenn ein Kunde um eine Leistung bittet und ich als Lieferant kenne eine bessere Lösung, die mir (kurzfristig) weniger Geld einbringt. Wer das Kundenwohl dem kurzfristigen Umsatz opfert, wird auf Dauer nicht bestehen. Wie sagt schon Jos de Blok von Buurtzorg: “Vertrauen ist durch nichts zu ersetzen.” 

Das bringt uns zur Essenz des Ganzen: Wer seinen Daseineszweck jeden Tag unter Beweis stellt, betreibt echte Wertschöpfung (im wahrsten Sinne des Wortes) und wird damit auch immer Geld verdienen. Denn Geld ist das Schmiermittel für den Sinn – die Umsetzung des Leitbildes.

Nur wenige haben Visionen – aber die meisten wollen Visionären folgen

MIt einem überzeugenden Leitbild, das uns emotional berührt, ziehe ich die Menschen an, die die Unternehmenswerte teilen – das ist mehr wert als das Wedeln mit hohen Gehaltszahlungen (dies machen nämlich alle, die es sich leisten können und ist damit kein Alleinstellungsmerkmal). Zu Recht sagte ein HR-Verantwortlicher eines großen deutschen Unternehmens: „Alle Top-Arbeitgeber zahlen gute Gehälter und stecken viel Phantasie in sonstige Vergünstigungen von Massagen über exquisites Kantinenessen. Der Unterschied ist das Wozu?“ Damit ziehe ich die Top-Talente an.

Das Kostbarste, über das der Mensch verfügt, ist Lebenszeit. Und die wollen wir alle so sinnbringend wie möglich einsetzen.

Habe ich schon erwähnt, dass dies für alle Bereiche menschlichen Zusammenlebens gilt? Zum Beispiel auch für Parteien. Die Parteien, denen man ihre Werte wirklich abnimmt, bekommen Zulauf – aktuell vor allem zwei (sie dürfen raten, welche das sind) – der Rest muss kämpfen.

Und für uns als Individuum: Hier schließt sich der Kreis zu den Leitbildern der Unternehmen. Wir alle suchen einen Sinn im Leben – der für viele in der Familie liegt, Erziehung der Kinder etc. Wer beruflich jedoch ausschließlich dem glanzvollen Euro hinterherjagt, wird auf Dauer nicht glücklich werden. Alle Statistiken belegen dies.

So hängt am Ende doch wieder alles zusammen.