ctrlV004 – Steinbeis-Institut

Shownotes

Heute im Gespräch mit uns sind Professor Heiner Lasi und Frau Dr. Marlene Gottwald vom Ferdinand-Steinbeis-Institut in Stuttgart. Das Institut beschäftigt sich mit Digitalisierung und Vernetzung und die dadurch ausgelösten Veränderungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.

Frau Dr. Gottwald leitet das deutsche Regionalteam des Industrial Internet Consortiums (IIC), das sich zum Ziel setzt, dem Mittelstand eine Möglichkeit zur frühen Partizipation an den Entwicklungen der Industrial Internet zu geben.

Für Professor Dr. Lasi ist die Ressource Information schon lange vor dem heutigen Schlagwort „Industrie 4.0“ ein Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.

Digitalisierung bedeutet für beide eine Vernetzung der virtuellen Welt, um die reale Welt zu steuern. Dafür bringen sie vor allem mittelständische Unternehmen aus ganz verschiedenen Bereichen an einen Tisch, um Ideen für neue Geschäftsmodelle zu generieren. Eine große Herausforderung dabei ist, die Kompliziertheit am Anfang zu überwinden.

Episoden-Download

Kontributoren

Gäste
avatar Dr. Marlene Gottwald
avatar Prof. Heiner Lasi
Kontrollverlust FM
avatar Dorothee Töreki
avatar Arnd Layer

ctrlV003 – Miriam Specht

Shownotes

Miriam Specht – unsere heutige Interviewpartnerin – ist Geschäftsführerin von Yellow Frog. Yellow Frog unterstützt Einzelpersonen und Unternehmen, das volle Spektrum an Fähigkeiten von sich selbst bzw. von Mitarbeitern zu erkennen und zu nutzen. Durch die Standard- Bewerbungsunterlagen und die gängigen Auswahlverfahren wird bei den meisten Unternehmen dieses Potential nicht erfragt und somit auch nicht erkannt.

Fast jeder Mensch sieht, wie er Dinge besser machen könnte. Als Psychologin weiß Miriam Specht sehr genau, dass die größte Kraft, die dem Menschen inne wohnt, die eigene Vorstellungskraft ist. Aber viele Menschen sind noch nicht soweit dies auszudrücken – vielleicht auch, weil hierarchische Strukturen die Weiterentwicklung von Ideen verhindern.

Abbau von Hierarchien ist leichter gesagt als getan, denn niemand möchte Status, Privilegien und Einfluß verlieren. „Gerade bei Führungskräften ist es wichtig, herauszufinden, was den Menschen antreibt, um diese Kraft dann sinnvoll einzusetzen.“ Idealerweise werden die Kompetenzen jedes Einzelnen sichtbar gemacht, damit er intrinsisch motiviert den bestmöglichen Beitrag zum Unternehmen leisten kann und das mit einer hohen Zufriedenheit.

Ihre Vision ist eine globale gemeinsame Plattform, auf der Menschen Ideen teilen, sich vernetzen und gemeinsam Neues entwickeln – also die Welt verändern.

„Für mich bedeutet Digitalisierung, die Möglichkeit, Potentiale freizusetzen.“

Einige Kunden von Yellow Frog beginnen jetzt damit, genau solch eine Plattform im eigenen Unternehmen zu schaffen. Neugierig geworden? Dann hören Sie sich den heutigen Podcast an…

Episoden-Download

Kontributoren

Gäste
avatar Miriam Specht
Kontrollverlust FM
avatar Dorothee Töreki
Interview, Artikel
avatar Arnd Layer
Aufnahme, Interview

Gott schütze dieses Haus vor Feuer, Stadtplanung und Steuer

Untertitel: Unsere Innenstädte sterben aus.

Eine alte Volkswahrheit die der früheren Willkür der Stadtverwaltungen Ausdruck verleihen sollte. Heute hat man natürlich mehr Rechte und Möglichkeiten sich zu wehren – und das mit dem Feuer einigermaßen gut im Griff. Ansonsten sterben die Innenstädte langsam aus – nicht zuletzt immer noch wegen der Stadtplanung. Nue heute ist es eher die “Nichtplanung”. Die Schuld wird auf den Onlinehandel und die Digitalisierung geschoben. Das ist auch so – aber weg wünschen geht halt nicht. Weitermachen wie bisher leider auch nicht. Konzepte der Stadtplaner habe ich inzwischen viele gesehen und gelesen. Einigen Städten wie München gelingt auch vieles – es entstehen attraktive Flächen wie die 5 Höfe, der Viktualienmarkt und Schrannenhalle sind Anziehungspunkte und es gibt Konzepte die Wohnen, Einzelhandel, Verkehr, Kultur, Tourismus und öffentlichen Raum betrachten. Es wird sogar versucht mit den Immobilienbesitzern zu sprechen. Also hat man verstanden, dass die gesamte Stadt ein Ökosystem ist. Leider greift auch das noch zu kurz – aber immerhin verzögert es den Prozess und wird wahrscheinlich auch für bestimmte Zielgruppen (wie Tourismus) attraktiv bleiben. Also eine lebendige Innenstadt zumindest zu Ferienzeiten.

Filialisierung ist der Vorbote der sterbenden Innenstadt

Alle mir bekannten Planungen sind weiterhin voneinander zu losgelöst. Es gibt Konzepte für alle Bereiche – aber die sind nicht so verzahnt wie der “Kunde” (Anwohner, Einwohner, Tourist, Familien, …) dies erleben möchte. Beispiel Spielplätze: diese sind oft ärmlich ausgestattet und bleiben kann man nur solange, bis man Durst hat – oder das Gegenteil (also auf die Toilette muss). Dort könnte es eine Gastronomie geben die auch bis zum Sandkasten bedient. Wahrscheinlich ein grausamer Gedanke für die zuständige Behörde(n).
Geschäfte und Restaurants gibt es viele in der Stadt. Schön für die, die sich mal treffen wollen und Touristen die bummeln möchten. Wehe denen, die tatsächlich etwas finden müssen. Wehe denen, die sich nicht direkt in der Fußgängerzone befinden. Dort finden man so langsam aber nur noch H&M – die Filialisierung hat viele Städte schon erreicht. Das sind die Vorboten der sterbenden Innenstadt. Nicht weil ihre Waren schlecht wären. Einfach weil sie aufzeigen,  dass sich lokale, normale und kleine Händler nicht mehr halten können. Die sind aber das Herzstück und die Seele einer jeden Stadt oder sogar einzelner Stadtteile.

Wenn sich dann jemand interessiert einen Laden zu übernehmen, lernt er die Stadtverwaltungen kennen. Wahrscheinlich allesamt und nicht selten mit widersprüchlichen Auflagen. Die Verwaltungen sind noch nicht auf neue Konzepte eingeschworen und haben auch noch nicht verstanden, dass sie im gleichen Boot sitzen. Also wird man in die verschiedensten Büros gesendet für Anträge, Genehmigungen, Gebühren und darf sich dann mit der Kreativität der Geldeintreibung auseinandersetzen. Ein schönes Beispiel ist Parkplatzflächen bezahlen zu müssen in Abhängigkeit von der eigenen Nutzfläche. Natürlich hat der vorherige Besitzer diese Flächen auch schon bezahlen müssen. Natürlich erhält man diese Flächen auch nicht, die “entstehen woanders in der Stadt”. Während parken sicherlich eines der Themen für die Stadtplanung ist – haben die kleinen Händler weder die Ressourcen noch einige tausend Euro um der Stadtverwaltung so gegenüberzutreten. Na dann eben die Filialbetriebe.
Die Gastronomen? Genehmigungen um den Spielplatz gegenüber zu bedienen oder die Außenflächen im Sommer auszuweiten? Im Gegenteil, sie machen jährlich mehr Platz mit ihren Aussenflächen – z.B. wenn jemand in der Verwaltung gerade beschließt, dass eine blinde Person nun 2m anstelle 1m Platz benötigt, um dort ungefährdet vorbeizukommen. Dann  werden weiße Punkte um die Außenflächen gezeichnet, damit es schneller zu kontrollieren geht. Natürlich muss man Rücksicht nehmen auf Menschen mit Behinderungen – das geht aber auch mit weniger Willkür und Methoden ohne wirkliche Wirkung.

Aber was hat das alles mit Digitalisierung zu tun? Nichts. Das sind Städtekonzepte. Die Stadtplanung setzt auf traditionelle Mittel. Nachhaltig zukunftsweisend findet man selten. Das darf man nicht falsch verstehen, diese Konzepte sind notwendig. Aber der Digitalisierung selbst kann man nur mit Digitalisierung antworten.  Oder wollen sie Amazon begegnen, indem sie auf den Spielplätzen eine zweite Schaukel installieren und nach jahrelangem harten Ringen auch die Mittel für eine Parkbank freigeben?

Der böse Onlinehandel (allen voran Amazon) richtet sich strikt am Kunden aus. Die Hinderungsgründe für Onlinehandels werden konsequent verringert, die Vorteile ausgebaut. Es gibt eine große Auswahl und günstige Preise. Gegen die Versandkosten gibt es Prime, da gibt es gleich auch Filme und Musik dazu (Verzahnung von Angeboten). Man kann die Waren nicht anfassen – aber zuhause testen und zurücksenden. Es gibt detaillierte Rezensionen um die Produkte beurteilen zu können. Dies hat Grenzen wie man weiß, aber im Generellen darf man dabei weiter gehen (z.B. Packung entfernen) als im Einzelhandel – bei dem man oft nicht einmal ein Rückgaberecht hat. Dumm nur, dass man für die Rücksendung zur Post laufen muss. Aber halt, inzwischen holt Amazon die Waren kostenlos ab. Dumm nur, dass man sie nicht am gleichen Tag “mitnehmen” kann – auch daran wird gearbeitet.

Stadtplaner müssen die Trennung der Systeme aufheben

Der Einzelhandel müsste nicht sterben, würde er Amazon mit Ideen und Erlebnisräumen begegnen, anstelle mit Preiskampf und immer weniger Service. Inzwischen recherchieren 64% der Käufer im Einzelhandel die Produkte vorher online. Nur ein geringer Prozentsatz schaut sich Produkte im Einzelhandel an, um dann online zu bestellen. Warum ist das so?

Weil die Städteplaner es dem völligen Zufall überlassen, ob das Erlebnis Innenstadt positiv ausfällt oder nicht. Egal ob man bedarfsorientiert oder ergebnisorientiert in die Stadt geht, es kann einem grausen. Versuchen sie mal 5 konkrete Artikel auf ihre Einkaufsliste zu setzen und diese in der Stadt zu besorgen. Dabei sollten sie die Geschäfte meiden, die sie sehr gut kennen. Oder das Experiment im Extremfall in einer anderen Stadt versuchen, wie jemand der dort neu ist. Sie werden verzweifeln an Auswahl und Orientierungsmöglichkeiten. Alleine an trivialen Sachen wie einer Buchstütze – die ihnen auch noch gefallen sollte – oder einer bestimmten Flasche Wein. Es gibt kaum Möglichkeiten herauszufinden, wo man welche konkreten Artikel bekommen könnte. Im Zeitalter der Digitalisierung!

Nun stellen sie sich vor, sie wollen diesen Einkauf mit ihrem Lieblingsrestaurant und einem Theaterbesuch verknüpfen. Jetzt müssen sie schon mit dem Auto in die Stadt fahren, denn ihre Einkäufe wollen sie kaum dorthin mitnehmen. Eigentlich wollten sie aber zu zweit eine schöne Flasche Wein trinken. Kann man nichts machen, oder? Im Zeitalter der Digitalisierung, in dem man Dienste schnell, wirksam und eben digital verknüpfen könnte. Während sich Lieferando & Co für Mindestlohn die Beine in den Bauch stehen, zumindest während niemand eine Pizza bestellt, würden die auch Waren einsammeln und nach Hause fahren. In den USA macht das inzwischen Uber. Kann man den Kunden also vorwerfen nicht in der Stadt sondern online zu kaufen? Niemand will Zeit verschwenden um dann auch noch ein frustrierendes Erlebnis zu haben. Überleben kann der Einzelhandel aber nur, wenn er sich unterscheidet. Zum Beispiel das Elektrofachgeschäft das den Fernseher nicht nur liefert, sondern auch die Sender einstellt und die Halterung an die Wand bohrt. Jetzt müssen nur noch die Kunden erfahren, dass es so ein Geschäft gibt und wo es sich befindet.

Wenn wir dann noch sprechen wollen wir oft sie telefonieren müssen, damit sie eine Vorbestellung für einen Artikel in ihrer Größe, den Tisch im Restaurant und den Theaterbesuch am gleichen Tag hinbekommen, dann wird es traurig. Im Zeitalter der Digitalisierung. Zumindest das Problem “lösen” die zaghaften Stadtplaner aber – in sterbenden Innenstädten wird es zunehmend einfacher zu parken, einen Tisch zu bekommen und Karten für’s Theater. Nutzen Sie dies, solange es die Innenstadt noch gibt!

Der Einzelhandel selbst wäre die Antwort auf das Sterben. Die H&M-isierung wird der Stadt nicht helfen, denen ist das egal. Sie haben gute Lagen und werden zuletzt gehen – sozusagen sind sie auf Zwischenmiete da, bis es eben nur noch online geht. Die großen Ketten verknüpfen noch nicht einmal den online und offline Handel – sie können ein online Produkt meist nicht offline in der Stadt zurückgeben oder tauschen. Zudem unterscheiden sich diese Geschäfte ja nicht von denen der Einkaufszentren vor der Stadt. Selbst wenn das Einkaufszentrum in der Stadt ist, es wird der Innenstadt nicht helfen. Auch hier lassen die meisten Stadtplaner zu, dass getrennte Ökosysteme entstehen. Parken, einkaufen, essen, ab nach Hause.

Jetzt liest man überall, der Einzelhandel tut nichts gegen die Digitalisierung. Ganz oft stimmt das, aber dieser hat auch kaum die Mittel und Möglichkeiten dazu. Im Gegenteil, die Stadtplaner und Gesetzgeber legen hier beliebig viele Steine in den Weg – selbst die Städte, die sich Bürgerbeteiligung, Nachhaltigkeit und Innovation auf die Fahne geschrieben haben. Im schönen Frankenland habe ich mit Einzelhändlern gesprochen, die ihre “innovative” Stadtverwaltung “Betonköpfe” nennen. Dort kümmert man sich lieber um eine (Zitat) “ideenlose Ummünzung von Parkplatzflächen für die Landesgartenschau 2014 und den Bau einer Straßenbahn die niemand will”. Als zukünftiges Stadtkonzept. Selbst wenn das gute Konzepte sind, der Innenstadt und dem Einzelhandel wird es nichts helfen. Bis die Straßenbahn fertig ist, wird sie dann kaum noch jemand brauchen.

Lösgelöste Digitalisierung der Einzelhändler ist wirkungslos

Die Einzelhändler alleine können sich also gegen die Digitalisierung kaum wehren. Zu gering die Margen, es gibt oft noch keine Warenwirtschaftssysteme, die Zukunftsaussichten für solche Investitionen sind zu gering oder die Nachfolge ist nicht geklärt.
Die, die etwas tun wie Breuninger, tun es für sich. Dort wird versucht ihre Häuser in eine Art Erlebnisraum zu verwandeln – mit Ideen die man vom Kunden gehört hat, wie das Anprobieren zu Tageslichtbedingungen. Nur wenn niemand mehr in die Stadt geht, trifft das auch Breuninger und alle anderen, die sich alleine gegen die Digitalisierung stemmen.

Die Einzelhändler in Google zu finden mit ihrer Adresse ist nahezu nutzlos. Es muss ein zentrales online System für die Stadt geben, zumindest um Produkte finden und seinen Weg planen zu können. Abhängige Buchungen für Theater und Restaurant inklusive Parkplatzreservierung muss man mit Apps in einer Transaktion durchführen können. Geschäfte, Produkte und Dienstleistungen müssen verknüpft werden. Wer ein Abendkleid kauft, kann im gleichen Geschäft auch Schmuck und Schuhe angeboten bekommen. Nicht in einem anderen Stockwerk oder Geschäft – in der Ankleidelounge wo man sich mit Freund oder Freundin zusammen aufhalten kann. Die Einkäufe werden auf Wunsch nach Hause geliefert.
Erlebnisräume sind eben nicht nur Kleiderständer und Auswahl von Geschäften. Warum kann ich nicht einen Umkleideraum haben der wie ein Wohnzimmer aussieht? Und dabei haben auch die Einrichtungsgegenstände ein Preisschild?! Bitte diese Jacke und das Bild daneben.

Warum kann man anstelle einer große Kettenfiliale in ein Kaufhaus viele kleine Geschäfte dort unterbringen? Ein Haus nur mit Wein und Delikatessen? Viele Händler? Nur einmal bezahlen! Da müssten alle verstanden haben was Kunden wollen und dass sie im gleichen Boot sitzen. Sich mit der Konkurrenz auseinanderzusetzen aber auch zusätzlichen Partnern zu verbünden, ist ein Grundprinzip der Digitalisierung.

Eine zentrale Plattform der Stadt könnte dies ermöglichen, das Land unterstützt dies damit viele Städte profitieren können. Alle Herausforderung herum lassen sich lösen. Nicht jeder Händler muss gleich ein Warenwirtschaftssystem haben oder kann dieses ebenfalls über die zentrale Plattform nutzen. Hochschulen werden eingebunden um Medienkonzepte zu entwickeln, Läden und Produkte zu fotographieren und die Plattform mit Leben zu füllen. Studenten lernen am Besten an echten Projekten, selbst hier wäre das Konzept ein Vorteil.

Die Stadt stellt einen Zähler auf wie viel CO2 gespart wurde, indem Lieferung und Verpackung gespart wurden. Jeder Einkauf gibt 1% ab um lokale Kindertagesstätten oder Bedürftige zu unterstützen, die Stadt und ihre Einwohner verstehen sich als eine Gemeinschaft. Die Menschen und Kunden fühlen sich wohl und haben Erlebnisse in der Innenstadt. Schöne Erlebnisse, indem man Digitalisierung und Stadtplanung miteinander verknüpft. Inhaber und Händler haben feste Ansprechpartner bei den Städten und Gemeinden, zusammen werden Hürden aus dem Weg geräumt. Die Stadt betreibt “Stadtinformationen” (anstelle Touristeninformationen) damit auch Menschen ohne Apps davon profitieren können. Keine Räume mit Warteschlangen, sondern Kaffeehäuser. Warum nicht ein Stück Kuchen bestellen und dabei nachfragen, wo das nächste Sanitätshaus ist und ob es einen guten Hutmacher in der Stadt gibt.

Bürgervertreter, Händler, Stadtplaner und Immobilienbesitzer müssen sich an einen Tisch setzen. Leider haben die Beteiligten bis heute kaum verstanden, dass sie alle in einem Boot sitzen und damit in eine Richtung fahren. Beispielsweise ist die Abschöpfung der letzten paar tausend Euro Miete oder Pacht eher schädlich, wenn die Immobilie in 10 Jahren eine Million weniger wert ist.

Erlebnisräume schaffen – (zumindest) eine Stadt hat es verstanden!

Auch Positives muss genannt werden. Unter befragten Händlern und Bürgern hat sich eine Stadt besonders hervorgetan und das ist  Langenfeld. Dort scheint es einen sehr modern denkenden und zukunftsorientierten Stadtrat zu geben. Für die anderen drängt die Zeit, es ist schon recht spät um “klein klein” zu denken und verzagt über eine zweite Schaukel für den Spielplatz nachzudenken. Denken sie an die nahe und ferne Zukunft, an Grünflächen ermöglicht durch selbstfahrende Autos, ein verzahntes Ökosystem, an Erlebnisräume – und an den Weg dorthin. So geht Digitalisierung. Man muss anfangen. Man muss handeln, auch wenn man die Gesamtheit noch nicht versteht. Digitalisierung ist eine Reise. Nehmen sie ihre Bürger und Einzelhändler mit.

Schlusswort: Wahrscheinlich habe ich vielen Städten und Stadtplanern Unrecht getan und sie arbeiten wirklich eng mit allen Beteiligten zusammen. Man muss etwas provozieren, damit das Nachdenken anfängt. Ich weiß von Städten, die ihren Händlern helfen bei eBay zu verkaufen. Gemeinden die Verkehrsstrecken mit selbstfahrenden Fahrzeugen testen. Es gibt viele kleine Initiativen und interessante städtebauliche Konzepte. Meiner Ansicht nach sind aber alle noch zu verzagt, zu wenig verzahnt, zu wenig “digital” und viele werden dem Einzelhandel nicht helfen. Gerne schaue ich mir aber andere Beispiele an oder diskutiere über digitale Konzepte. Ich bin ein ausgewiesener Fan von schönen Innenstädten. Das  hat mich ja zu diesem Artikel bewogen.

Kultur frühstückt Strategie? Eine Kurzbetrachtung.

Nur ein paar meiner Gedanken, bei mir aus (mal wieder) aktuellem Anlass – nichts Wissenschaftliches! Für viele auch nichts Neues. Aber etwas ungemein Wichtiges für die Digitalisierung – die wird nicht passieren ohne die Mitarbeiter mitzunehmen – und sie wird nicht durch (die herkämmlichen) Incentive-Systeme steuerbar sein. Warum?

Mit dieser Fragestellung zu Kultur und Strategie habe ich mich bereits über viele Transformationen und Jahre schon oft beschäftigt. Meistens war es gar nicht mal so einfach herauszufinden, was die Kultur ist und was sie prägt, was individuelles oder gespiegeltes Verhalten ist, was genau die Strategie ist und wie sie bei den Mitarbeitern ankommt.

Klar geworden sind mir dabei zwei Dinge:

  1. Kultur und Strategie interagieren stark miteinander

    Es ist also nicht so, dass die Kultur die Strategie gleich zum Frühstück schafft. Wenn die Mitarbeiter an die Strategie glauben und diese positiv behaftet ist, kann es durchaus sein, dass die Strategie es zum Abendessen schafft die Kultur anzuknabbern (anfangen zu ändern). Allerdings ist an dem Spruch “Die Kultur verspeist die (Unternehmens)Strategie zum Frühstück” etwas Wahres dran: Menschen sind der Kultur loyal, nicht der Strategie. Wenn sich beide entgegenstehen, ist es in der Tat zum Frühstück bereits vorbei mit der Strategie.
    Fazit: Die Kultur dominiert die Energie und Motivation der Mitarbeiter – im positiven oder im negativen für die Unternehmensstragie.

  2. Menschen sind keine Zahnräder und Unternehmen keine Maschinen

    Viele Manager (denken dies aber und) sind noch dem tayloristischen Glauben verhaftet, dass man die Arbeit kleinteilig auf- und zuteilen kann. Dan müsse man das Ganze nur noch kontrollieren und für die Motivation Anreize (oder Drohungen) einsetzen, damit die Mitarbeiter schneller und besser arbeiten. Da ist mir in dem Buch “Reinvention Organizations” die Integrale Theorie (Ken Wilber Modell) über den Weg gelaufen – eigentlich aus der Philosophie kommend. Die Aussage ist: Jedes Phänomen hat vier Facetten und muss von vier Seiten betrachtet werden, um es zu verstehen :
    1. Objektiv: von außen betrachten (die greifbare, meßbare Dimension)
    2. Subjektiv: von innen spüren (Gedanken, Gefühle, Empfindungen)
    3. in Isolation betrachten: die individuelle Dimension (wie reagiert der Einzelne)
    4. Im Kontext betrachten: die kollektive Dimension (was bedeutet es für die Gemeinschaft)

    Übersetzt auf eine Organisation betrachtet man also:
    1. Perspektive: Denkweisen und Überzeugungen
    2. Perspektive: das Verhalten der Mitarbeiter
    3. Perspektive: Organisationskultur
    4. Perspektive: die Strukturen, Prozesse, Praktiken

Wenden wir also die verbreitete Managementmeinung auf das Modell an:
“Menschen werden hauptsächlich durch Incentive und Anreizsysteme motiviert werden”. Dies als Denkweise und Überzeugung (oberer linker Quadrant) verbunden mit der Strategie. Diese wird in “Stückchen” an die verschiedenen Abteilungen verteilt und nach deren Erfolg und Beitrag bezahlt. Dies führt auch zu einer erkennbaren Änderung:

  • die Mitarbeiter werden zunehmend individualistisch
  • Es entsteht eine Kultur die individuelle Erfolgsmenschen mehr wertschätzt und lobt, die weniger Fehler erlaubt
  • Mitarbeiter versuchen “Abkürzungen” zu nehmen zur Zielerreichung (das Beste für den Kunden steht nicht im Fokus)
  • Gegenüber dem Management (und den Reportingsystemen) werden sie sich stets so verhalten, wie sie glauben, dass es von Ihnen erwartet wird
  • Zu den Abteilungsbarrieren (Silos) entstehend weitere individuelle Barrieren und Seilschaften

Die Kultur (Überzeugung der Wirkung von Incentivesysemen) wirkt auf die Kultur (die Mitarbeiter werden individualistischer). Somit wirkt die Strategie auf die Kultur. Aber noch viel wichtiger: Die Strategie war ja nicht erfolgreich, denn sie hatte nicht den Zweck der negativen Kulturänderung. Somit ist sie gegen die Kultur und deren Anpassung machtlos gewesen.

Die Unternehmenskultur wirkt auf jeder Ebene des Managements, beispielsweise bei der Entscheidungsfindung, der Art und Weise zu führen (Führungsverhalten und Führungskultur), den Beziehungen zu Kollegen. Das Gleiche gilt nach Außen: eine positive Kultur zieht Talente an und sicherlich auch Kunden.

Wer mit den “alten” Strukturen und Werten in eine Digitale Transformation startet, hat sein wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ausgeschaltet: Die Herzen und die Kreativität seiner Mitarbeiter. Alternativ kann man sagen: wer so in die Digitale Transformation startet, hat einen mächtigen Gegner: sich selbst. Denn die Transformation muss in die Köpfe und Herzen der Mitarbeiter. Sie muss Kultur werden.

Zugegeben kann das Pendel natürlich auch in das Gegenteil umschlagen, nur noch Fokus auf Team und Kultur, da fühlen sich Menschen dann wiederrum nicht als Individuum wahrgenommen und anerkannt. Manager sind somit im dauernden Zwiespalt zwischen den konkreten Elemente der Struktur (und Meßbarkeit) sowie der nicht greifbaren Substanz der Kultur (bis hin zu selbstorganisierenden Teams).

Diese Balance reguliert sich am Besten selbst, wenn die “Macht” verteilt wird – also die Entscheidungen auf den Ebenen getroffen werden können, die mit den Problemen und Zielen konfrontiert sind. Wenn sie sich selbst Ziele stecken dürfen und dabei motiviert sind, muss das Management kaum Befürchtungen hegen, die würden für das Gesamtergebnis der Organisation zu gering ausfallen. Daher gefällt mir auch der Buchtitel gut: Reinventing Organizations. Wer der den Markt neu erfinden will, muss zuerst sich selbst neu erfinden.

Fazit: Die Entscheidungsmacht in Unternehmen muss verteilt werden, Unternehmen müssen in Netzwerken arbeiten lernen, das Management muss eine Dienstleistungskultur werden und vor allem: Mitarbeiter müssen Fehler machen dürfen (oder sogar sollen). Ansonsten hat die Kultur nicht nur die Motivation unterdrückt, sondern auch die Innovation im Keim erstickt. Vor dem Frühstück.

Arnd Layer

2017-01-30

Aller Anfang ist schwer. Wir hatten über den Jahreswechsel den erwartbaren Durchhänger bezüglich neuer Podcast-Episoden. Aber keine Sorge, es geht weiter. Die nächsten Interviews sind in Planung. Ich gehe davon aus, dass wir im Februar auf jeden Fall ein neues Gespräch veröffentlichen können. Und wir arbeiten auch an der Pipeline für weitere Folgen.

Platzhirsche habens nicht leicht

Letzte Woche habe ich die Episode How incumbents become digital disruptors des McKinsey Podcast angehört. Dort geht es darum, wie etablierte Marktführer (Incumbents) mit Disruption umgehen. Es lohnt sich, den Podcast anzuhören.

“I think companies are well geared for running their business at current course and speed or responding to a very immediate and real crisis. But disruption is in between those two goalposts because it’s uncertain, and it plays out over a very, very long period of time, and we get the proverbial boiling-frog problem in a company where the pressures of the short term and what’s real and what’s in front of your face are so all encompassing that the disruption gets underplayed.”

Dort wird auch auf den Artikel An incumbent’s guide to digital disruption von Chris Bradley und Clayton O’Toole Bezug genommen.

Decentralized Autonomous Organization – libertärer Traum oder Alptraum?

Dorothee schreibt in Ihrem Beitrag Digital Heroes 2016: Von Mittweida aus die Regeln der Weltwirtschaft ändern?

“Ganze nennt sich “Decentralized Autonomous Organization”, kurz DAO. Da sie keinen physikalischen Firmensitz hat, unterliegt sie auch keiner Rechtsprechung irgendeines Landes.”

Das zeigt sehr schön das Potential von Technologie.

Ich muss aber auch sagen, dass ich mich bei dem Zitat nicht so ganz wohl fühle. Keiner staatlichen Rechtssprechung zu unterliegen, halte ich nicht für ein sinnvolles Ziel oder Ergebnis – weder von aussen noch von innen betrachtet.

Aussensicht

  • Der libertäre Traum: keine Regeln, keine Steuern und ein Verhältniswahlrecht nach Besitzanteilen
  • Die einzige Steuerung erfolgt über den – nur durch den smart Contract definierten – Markt
  • Spätestens, wenn mit der klassischen Welt interagiert wird, also z.B. klassisches Geld fliesst, unterliegt man auch aus meiner Sicht sicher wieder einer Staatlichen Rechtssprechung

Innensicht

  • Wenn ich keiner Rechtssprechung unterliege, dann hilft mir auch keiner bei der Rechtsdurchsetzung
  • Die radikale Dezentralisierung erzeugt die Gefahr, dass die Organisation gesichtslos wird. Wie kann eine solche Organisation Profil / Haltung / Verantwortung generieren?

Fazit

Das Fazit aus dem Ted x Talk, nach dem Scheitern erst mal mit kleineren Schritten zu testen wohin die reise geht, halte ich für sehr vernünftig. Der Ansatz, jetzt erst mal mit Spenden weiterzumachen ist da deutlich harmloser, birgt aber immer noch grosse Risiken des Missbrauchs.

Den Begriff “Hacking” halte ich hier durchaus für angebracht. Eine technische Lösung wurde für etwas verwendet, wofür es nicht vorgesehen war.

So geht Design Thinking – Amazon Tatkal

Ralph Siepmann hat seinem Beitrag schon darüber gesprochen, dass Digitalisierung vor allen Dingen heißt, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Und genau das ist ja der Ansatz des vielbesprochenen und gehypten “Design Thinking”. Wikipedia sagt dazu: Design Thinking ist ein Ansatz, der zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll. Ziel ist dabei, Lösungen zu finden, die aus Anwendersicht (Nutzersicht) überzeugend sind.”

Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist die Geschichte, wie Amazon den indischen Markt erobert:

Amazon wollte in Indien Marktanteile gewinnen. Nun ist das nicht so trivial, denn nur 35% der Bevölkerung haben überhaupt einen Internetanschluß und zwei Drittel leben in ländlichen Gebieten ohne nennenswerte Infrastruktur. Zudem gibt es staatliche Auflagen, die einen direkten Online-Verkauf ausländischer Ware an den Endkunden verbietet. Mit anderen Worten: das klassische Amazon Geschäftsmodell ist auf Indien nicht übertragbar. Der Handel muss mit indischen Gütern funktionieren, die es in Hülle und Fülle gibt. Allerdings werden diese Güter vor allem von kleinen bis winzigen lokalen Händlern vertrieben.

Nun ist Amazons Geschäftsprinzip “Customer Obesession”. Das heißt in diesem Fall: Amazon Mitarbeiter sind mit einem “Chai Cart” – so eine Art Teewagen direkt in die Bazaare gegangen und haben sich direkt vor Ort mit den Händler bei einem Glas Tee über ihren Alltag, ihre Sorgen und Herausforderungen unterhalten. Den meisten fehlen die Voraussetzungen für eine Online-Präsenz, denn sie haben weder einen Internetanschluß noch eine Kamera.

Chai CartQuelle: https://services.amazon.in/resources/seller-blog/amazon-chai-cart-won-gold.html

Die vielen Gespräche führten zu einem neuen Service: Amazon Tatkal

Mit einem Bus fahren Amazon Mitarbeiter direkt zu ihren Kunden: In weniger als einer Stunde sind die Händler in der Lage, ihre Waren online zu verkaufen. Im Bus werden die Waren professionell fotografiert und kategorisiert. Seit seinem Start im Februar 2016 konnte Amazon etwa 18.000 neue Händler für sich gewinnen, die Waren im Wert von 25 Millionen Euro anbieten.

Digital Heroes 2016: Von Mittweida aus die Regeln der Weltwirtschaft ändern?

Teil 2 meines Berichtes über das nächste große Ding aus Mittweida (Teil 1 ist hier). Mich wundert ein wenig, dass diese spannende Geschichte mit revolutionärem Potential im letzten Sommer eher ein Nischendasein in der öffentlichen Wahrnehmung führte. Vielleicht, weil das Thema sehr technologielastig ist. Dennoch hier der Versuch, diesen Krimi aus dem wahren Leben gut konsumierbar zu vermitteln.

Mit Technologie die Regeln ändern und die Frage, wie weit man gehen kann

Wir haben hier schon über selbstorganisierende Organisationen gesprochen (z.B. Burtzoorg). Eine ganz neue Dimension hat das, was die Brüder Christoph und Stefan Jentzsch da ins Leben gerufen haben – nämlich eine sich selbst verwaltende Organisation ohne Firmensitz, ohne Registrierung  – komplett virtuell, bestehend nur aus Code – das Ganze nennt sich “Decentralized Autonomous Organization”, kurz DAO. Da sie keinen physikalischen Firmensitz hat, unterliegt sie auch keiner Rechtsprechung irgendeines Landes.

Aber von Anfang an: Für Ihr Startup Slock.it benötigten die Gründer Kapital. Der klassische Weg wäre nun gewesen, sich das Geld von den Risikokapitalgebern des Silikon Valley zu holen. Das widerspricht jedoch den Überzeugungen der Gründer: Wenige Menschen mit ausreichend Geld geben die Richtung der Digitalisierung vor. Könnte man auch auf andere Weise an Geld kommen – etwa nach dem Crowdfunding Prinzip? Jeder Interessierte, kann soviel investieren, wie er kann – entsprechend sind die Stimmrechte.

Da passte es natürlich wunderbar, dass beide Entwickler der Blockchain Ethereum waren – das heißt, sie haben tiefes Verständnis davon, wie Informationen sicher ausgetauscht und gespeichert werden. Die Blockchain kann also auch dazu genutzt werden, Verträge abzubilden. Denn ein Vertrag ist ja nichts anderes als eine Festschreibung, wer was tun darf bzw. wem was gehört, richtig?  Und in der Blockchain eben nicht auf Papier, sondern digital. Nun mag man mit Recht fragen – na und? Ob jetzt analog oder digital – das ändert ja nichts am Wesen des Vertrages an sich – und damit an der Grundlage einer Organisation. Und nun nähern wir uns dem springenden Punkt: Eine klassische Organisation gehört einer oder mehreren Person – sie ist (meistens) hierarchisch aufgebaut, ein paar bestimmen, wo es langgeht – siehe oben die Finanzgeber im Silicon Valley.

Demokratisierung von Organisationen – ein unglaubliche Resonanz

Die DAO funktioniert nun nach dem Prinzip – wer Geld gibt, bekommt eine anonyme ID und einen Token (eine Art Krypowährung a la Bitcoin) mit Verfügungsrechten anteilig zum eingezahlten Geldbetrag. Nach dem Mehrheitsprinzip wird dann bestimmt, in welche Projekte das Geld fließt. Bei größeren Unstimmigkeiten würden sich Unterorganisationen oder Abspaltungen bilden mit einem neuen Weg/Projekt. Also eine Demokratie mit Parteien – allerdings nicht ein Mensch eine Stimme, sondern je mehr Geld eingezahlt wird, umso mehr Stimmrechte.

Wer nun glaubt, das wäre alles zu abgehoben und theoretisch, wird eines besseren belehrt: Innerhalb von vier Wochen haben mehr als 22.000 Menschen insgesamt eine Summe von etwa 160 Mio Euro investiert – die größte Crowdfunding Aktion aller Zeiten.

Doch dann passierte der Krimi: Der Code wurde “gehackt” und Geld abgezogen. Anführungszeichen deshalb, weil der Hacker nur den vorhandenen Code für sich genutzt hat, um Geld abzuziehen. Da ja der Code die Vertragsgrundlage ist, hat er nicht gegen die Regeln verstoßen. Dennoch hat die DAO Community gemeinsam entschieden, ein Code-Update durchzuführen und den Investoren das ursprünglich eingezahlte Geld zurückzugeben. Auf diesen Widerspruch angesprochen, sagte Christoph Jentzsch: “Nicht der Code ist die oberste Instanz, sondern die Mehrheit der Community. Sie ist unser oberster Gerichtshof.” Also keine Rechtsprechung eines Staates. Eine DAO ist autonom, kein einzelner Mensch kann den Betrieb einer DAO einstellen, nicht einmal der Gründer der DAO. Dies kann nur ein einstimmiger Beschluß aller Stimmberechtigten.

Schlußendlich ist der erste Versuch, eine DAO ins Leben zu rufen, gescheitert. Aber die Geschichte wird weiter gehen. Was sich daraus in Zukunft ergeben kann? Und vor allem die Frage: Wann wird die Politik versuchen, Einfluß zu nehmen und versuchen, diese Technologie zu verbieten ( fragt sich allerdings “wie?” ) . Aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit.

Fortsetzung folgt auf dieser Seite…. stay tuned.

 

Wer sich die Geschichte von Christoph Jentzsch direkt anhören möchte und 16 Minuten Zeit hat:

 

Und eine der besten Erklärungen auf Deutsch zur Blockchain findet Ihr hier:

Gar kein Mysterium: Blockchain verständlich erklärt

Digitalisierung ist Teamsport

Digitalisierung ist Teamsport. Dieses Zitat habe ich auf der “Solutions Hamburg 2016” gehört, bei einer Vortragsreihe zur Digitalisierung in der OTTO Group. Schaut man sich Unternehmen wie OTTO, Bosch oder Continental an, sieht man, dass da sehr viel Wahres dran ist. Wer den Weg zur Digitalisierung eingeschlagen hat, der hat auch verstanden, dass die Technologie nicht die Herausforderung ist – sondern die Organisation selbst.

Jedes Unternehmen braucht eine für sich gültige Vorgehensweise, da es nicht einmal ansatzweise ein Patentrezept gibt. Ein paar Praktiken anderer Unternehmen kann man sich an- und abschauen, der Rest ist harte Arbeit, Hartnäckigkeit, Geduld und Experimentierfreude. Man muss lernen, was im eigenen Unternehmen funktioniert und was nicht – was man nochmals versuchen sollte, wovon man besser die Finger lässt. Und selbst das ist schon stark vereinfacht – eigentlich wird dies pro Unternehmensteil, Abteilung oder auch in virtuellen Einheiten getestet werden müssen. Die Produktion wird sicherlich andere Methoden, Bereitschaft und Geschwindigkeit aufbringen wir die IT oder die Produktentwicklung. Trotzdem gilt für alle: Sich ehrgeizige Ziele setzen, schnell lernen und vor allem: anfangen. Die Schritte selbst dürfen dann beliebig klein sein. Da man vorher nicht weiß, was funktionieren wird und wie die Abhängigkeiten sind, kann man Digitalisierung als eine Reise (oder Abenteuerreise) betrachten. Wer auch nur denkt, alles ist vorher planbar und berechenbar, wird scheitern. Daher tun sich die meisten Unternehmen – vor allem das Management und die Buchhaltung – sehr schwer mit dem Thema. Es ist neu und risikoreich so zu arbeiten – und vor allem ungewohnt. Man fürchten den Verlust der Kontrolle. Zuerst muss man sich also bewusst machen, dass man die Kontrolle eh nie hatte. Vielleicht über die Abläufe im Unternehmen – aber über den Markt und die Konkurrenz? Über die Mitarbeiter? Wirklich?

Ein Unternehmen kann auch “platt” gemacht werden, wenn es gute Produkte herstellt und die Prozesse im Griff hat. Das bekannteste Beispiel ist wohl Kodak. Es gibt aber viele andere, die zumindest in arge Schwierigkeiten gekommen sind, da sie die Kontrolle vor die Änderung gestellt haben. Das gilt auch für die neuen und modernen Unternehmen. Zu lange ausruhen ist nicht. Booking hat die Hotels angegriffen. Wurde dann kopiert von Diensten wie hrs oder, in einem anderen Vermietungssegment, eben von AirBNB – die potenziell aber auch eine Konkurrenz zu booking darstellen – während um die Ecke schon neue Dienste wie slock.it in den Startlöchern stehen.

Also zurück zu den ehrgeizigen oder hochgesteckten Zielen – ein Unternehmen braucht eine klare Vision und Mission. Die Mitarbeiter müssen damit etwas anfangen und sich damit identifizieren können. Vertriebs-bla-bla wie “wir wollen bis 2020 Marktführer” werden, wird nur wenige anspornen, da es nicht greifbar ist und auch unklar, was denn die Teile bzw. der eigene Beitrag dazu sind oder wie der Weg dahin ist. Greifbar wäre “Eine Million Menschen sollen bis 2060 auf dem Mars wohnen können” (Elon Musk). Etwas weniger ehrgeizig – aber herausfordernd genug – wäre: “Bis 2020 wollen wir unser Wissen und Technik nutzen um in die Elektromobilität im öffentlichen Nahverkehr überall in Deutschland zu ermöglichen”.

Diese Aussage kommt von einem Anlagenbauer der sich gesagt hat, was wir vertikal können (Aufzüge), können wir auch horizontal. Jetzt ist man plötzlich in einem ganz anderen Geschäft und muss mit vielen weiteren Zulieferern arbeiten – vom Karosseriebau über Batterietechnik bis hin zu den Achsen. Nun die Gewissensfrage: können ein paar Projektmanager und Führungskräfte komplett „vordenken“, ob das Unterfangen gut gehen wird, was genau zu tun ist und welche Arbeitspakete man an an die Mitarbeiter gibt? Bis wann die Entwicklungen fertig sind, was genau diese kosten werden, was die Konkurrenz bis zu diesem Zeitpunkt herausbringen wird und was der “Return of Investment” ist? Bis das fertig geplant und entschieden ist, ist der Markt komplett besetzt. Also zurück zur Vision und dem Mut zu beginnen. Hier ein schönes Zitat:

“If the highest aim of a captain were to preserve the ship, they would keep it in port forever.”
–Thomas Aquinas

Da Digitalisierung eine Reise ist, passt das ganz gut – und man wird nicht vorab wissen, wie Wind und Wetter über die Reise sein werden. Trotzdem muss die Entscheidung “loszufahren” getroffen werden. Natürlich muss die Reise auch vorbereitet werden und es müssen die richtigen Leute an Bord sein.

Wir sprechen bei Digitalisierung also von einer strategischen und organisatorischen Neuausrichtung. Wir sprechen von einer neuen Unternehmenskultur und der Übertragung von Verantwortung. Wir sprechen davon, dass die Mission und der Kunde im Vordergrund stehen.
Wenn das Management dazu nicht bereit ist oder dies den Mitarbeitern nicht klar vermittelt – dann sollte man es vergessen. Unternehmen oder Märkte sind keine Maschinen – es reicht nicht hier und da als Fahrer einen Schalter zu betätigen oder mehr Gas zu geben. Vor allem nicht, wenn man gar nicht auf dem richtigen Weg ist. Das bedeutet, dass in der Zukunft (wenn nicht schon in der Gegenwart) die erfolgreichsten Firmen diejenigen sein werden, die am schnellsten lernen was funktioniert und machbar ist – und was was nicht. Dabei könnte man die Betonung auf “lernen” legen, also nicht vorher abtun, abbügeln, vorhersagen – sondern ausprobieren und lernen. Wer vorher weiß wie es ausgehen wird, der spricht nicht über eine Innovation. Fehlerkultur muss daher eine Kernkompetenz des Unternehmens werden (sein).

Aber wie bekommt man den Wechsel hin zu so einer Kultur? Wenn man einfach sagt “Das ist jetzt anders”, dann würde nichts passieren. Das Management oder viele Abteilungen würden dagegen arbeiten, die meisten es zugunsten des Tagesgeschäftes ganz ignorieren und die restlichen Mitarbeiter wahrscheinlich daran zerbrechen – denn eigentlich müssen sie nun gegen die wirkliche Organisation ankämpfen um die gewollte Organisation vorzuspielen. Auch ein Drei-Tages-Training in “Agile” wird daran nichts ändern. Die Methode ist genau wie die Technologie nur ein Mittel zum Zweck.

Das Management muss also dahinter stehen, die Mitarbeiter müssen einbezogen werden. Jeder mit seiner Geschwindigkeit. Es braucht interdisziplinäre Teams, denn weder Innovation noch Digitalisierung findet im Silo statt. Am „Network Thinking“ und dem entsprechenden Arbeiten in Netzwerken führt kein Weg vorbei. Fragen muss man sich dabei stets:
– was erlebt der Kunde (oder Endbenutzer) heute?
– was soll dieser in Zukunft erleben?
– was bedeutet das für die Produkte aber vor allem auch für die Organisation.
Nach Ergebnis muss man beginnen und loslegen, Fehler schnell erkennen und den Kurs anpassen. Das wichtigste ist, den Kunden in dem ganzen Prozess immer eingebunden zu halten – direkt durch umfragen, oder indirekt durch Messungen.

Bevor ich jetzt ein Fazit ziehe und zum Ende komme – möchte ich auf ein Blogbeitrag von Harald Schirmer (Manager Digital Transformation and Change, Continental AG) verlinken, auf den ich bei den Recherchen zu meinem Artikel gestossen bin:
„Der CDO wird’S schon richten“

„Die Digitale Transformation ist kein zu lösendes Problem“. Es ist auch keine Optimierung bestehender  Silos oder eine Gründung einer StartUp Abteilung (deren tollen Ideen ebenfalls nicht in die verkrustete Organisation dringen). Da bin ich wieder bei meinem Ausgangspunkt – Digitalisierung ist eine Reise in ihre (stets) neue Organisation. Das Wichtigste ist, den Hafen endlich zu verlassen. Mit einer Crew die selbst weiß, wie man die Segel zum Wind stellt und welche Maßnahmen man bei welchem Wetter ergreift. Wer die gleichen Befehle gibt und die gleiche Richtung einschlägt wie bei gutem Wetter, der geht unter.