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Digitalisierung im historischen Kontext – Teil 1: Wie hierarchische Organisationen entstanden

Fortschritt vollzieht sich nicht gleichmäßig, sondern in Schüben. Als letzter großer Schub wird die Industrialisierung gesehen – mit Erfindungen, die eine technologische Lawine und große gesellschaftliche Umwälzungen mit sich brachte.

Am Anfang stand die Dampfmaschine, sie war die Voraussetzung dafür, dass das industrielle Zeitalter seinen Lauf nahm. Es wurde nun möglich, Kohle aus größeren Tiefen zu fordern, denn das Grundwasser konnte nun abgepumpt werden.

Energie war also plötzlich in großen Mengen verfügbar.

Und nicht nur das – es wurde zentralisiert über Kraftwerke bereitgestellt. 1882 nahm in Manhattan in der Pearl Street das erste Kraftwerk seinen Betrieb auf. Unternehmen brauchten nun also nicht eigene Kraftwerke bauen, sondern konnten Energie in der gebrauchten Menge sehr einfach beziehen – das galt nicht nur für Fabriken, sondern bald auch für Individualhaushalte.

Das heißt, die Fabriken hatten, was sie brauchten, um komplizierte Dinge wie Autos zu einem Preis herzustellen, den sich viele Menschen leisten konnten. Neue Geschäftsmodelle und ganze Zulieferindustrien wurden geschaffen – wer in Baden-Württemberg lebt, weiß, was ich meine.

Es fehlt noch die Infrastruktur, deren Aufbau wiederum ohne Dampfmaschine nicht möglich gewesen wäre – die Eisenbahn. Waren konnten also schnell von der Fabrik in die Geschäfte zum Endverbraucher gebracht werden.

Eine bahnbrechende Erfindung hat also eine Kettenreaktion ausgelöst – die weit über die eigentliche Technologie hinausging.

Denn zu dieser Zeit entstanden die heutigen hierarchischen Organisationsstrukturen: Um so etwas kompliziertes wie ein Auto herzustellen, wurde der Herstellungsprozess in viele kleine Teile unterteilt, die Arbeiter hatten in immer wiederkehrenden monotonen Abläufen genau vorgegebene Arbeitsschritte zu verrichten. Die Aufgabe des Managements bestand darin, die einzelnen Abläufe möglichst gut zu koordinieren. Alles war effizienzgesteuert und alle Entscheidungen unterlagen Kosten/Nutzenüberlegungen. Dem oberen Management obliegt die Verantwortung für die vorausschauende Planung und Umsetzung der Geschäftsziele, das mittlere Management wacht über die korrekte Umsetzung der Planung. Für die Menschen in der Produktion wurde der Lohn als ausreichene Motivation angesehen. Spass und Selbstverwirklichung hatten in der Arbeitswelt wenig bis nichts zu suchen.

Ein Unternehmen funktioniert wie eine Maschine

So funktionieren die allermeisten Unternehmen bis heute. In dieser Welt herrscht das Ursache _ Wirkung Prinzip. Ein einmal erfolgreiches Vorgehen wird bei erneutem Einsatz zum selben Ergebnis führen. Konsequenterweise sind detaillierte Planungen, geringe Fehlertoleranz und eine ausgeprägte command-control Kultur Attribute dieser Organisationen.

Ihr Ursprung stammt aus dem vorletzten Jahrhundert.

Was davon in der digitalen Welt überleben wird – darum wird es im nächsten Beitrag gehen.

 

The next big Thing aus Mittweida oder wie Uber, AirBnB und Co das Fürchten lernen

Zum Jahresanfang ein Rückblick auf das vergangene Jahr. Herausragend waren für mich die Brüder Christoph und Stefan Jentzsch – Pioniere der Digitalisierung.

Wer sich mit Blockchain Technologie beschäftigt, stößt früher oder später auf slock.it – ein wahrhaft “großes Ding”, was die Brüder Christoph und Stefan Jentzsch mit diesem Startup ins Leben rufen. Beide haben zunächst als Entwickler mitgeholfen, die Ethereum Blockchain ins Leben zu rufen aber sich dann dem eigenen Startup zugewandt.

Aber von Anfang an: Mit der Blockchain Technologie werden jegliche Informationen sicher gespeichert. Mit der Konsequenz, dass für Transaktionen aller Art keine Zwischenhändler mehr benötigt werden: Also keine Banken mehr für Überweisungen, kein Uber mehr für das Bestellen eines Autos, kein AirBnB für das Anmieten eines Apartments, kein Notar mehr für das Übertragen von Eigentumsrechten.

Slock.It bringt dies nun ins echte Leben: Wer zum Beispiel sein Auto, seine Wohnung, sein Auto, Fahrrad vermieten möchte, soll dies mit Slock.It nun direkt tun können: Über das Smarte Schloß (=SLock) werden sämtliche für die Vermiertung notwendigen Aktionen gesteuert und ausgeführt. Nehmen wir an, ich verreise für zwei Wochen und möchte für diesen Zeitraum meine Wohnung vermieten. Ich lege einen Mietpreis fest und verschließe meine Wohnung mit dem SmartLock. Der interessierte Mieter kann dann mit seinem Telefon das Schloß öffnen, sobald die Miete inkl. Kaution und Versicherung bezahlt wurden. Nach dem selben Prinzip kann jedwedes Objekt vermietet/verkauft werden, kurzum alles, was sich abschließen lässt.

Doch die Gründer denken noch weiter: Aktuell sind Kooperationen mit RWE angedacht: Der Konzern möchte mit Slock.it seine Ladestationen für Elektroautos so umbauen, dass direkt mit der Kryptowährung Ether bezahlt wird – damit hätte man die bislang umständliche Bezahlung deutlich vereinfacht. Die Vision geht dahin, dass Elektroautos an einer roten Ampel über Induktion aufgeladen werden. Was nebenbei auch zeigt, wie weit RWE tatsächlich voraus denkt.

Die Geschäftsidee von Slock.It ist ja schon innovativ – regelrecht Geschichte geschrieben in 2016 hat jedoch die Art und Weise, wie die Gründer an das Investitionskapital (160 Mio € )gekommen sind: nämlich über eine dezentrale autonome Organisation (DAO) – ein Unternehmen, das nur aus Code besteht. Das ganze liest sich wie ein Krimi, denn dieser Code wurde gehackt. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Fazit: Das Jahr 2017 wird spannend!

ctrlV002 – Alexander Weihs

Shownotes

Artikel zur Episode: Interview mit Alexander Weihs

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Amazon Go – Analoges Shopping in der digitalen Welt

Das personifizierte Online-Shopping Unternehmen steigt nun also in die analoge Welt ein, natürlich mit dem Blick auf uns Endanwender: Das, was uns am meisten nervt beim Einkaufen, wird erstatzlos gestrichen: Anstehen an der Kasse.  Einfach Ware einstecken und gehen, der Preis für die gekaufte Ware wird automatisch abgebucht. Und natürlich kann man sicher sein, dass Amazon die hier gewonnenen Kunden-Informationen gewinnbringend auch im digitalen Handel nutzen wird. Sehr innovativ!

Na ja, soooo innovativ nun auch wieder nicht, denn die Technologie (Einkaufen ohne Kasse)  gibt es schon seit 10 Jahren, wie dieses alte IBM Video aus dem Jahre 2006 zeigt:

Technologisch möglich ist das, mit dem Amazon den Handel im Januar 2017 aufmischen wird, also schon länger. Warum lässt sich hier der Handel weltweit (mal wieder) den Schneid abkaufen? Walmart hat 2014 einen halbherzigen Versuch gestartet, dabei mussten aber die Waren vom Kunden selbst mit dem eigenen Telefon eingescannt werden – Zeitvorteil Null! Aber immerhin hat sich Walmart überhaupt mal mit einer Innovation an den Kunden getraut. Grundsätzlich gilt: Was im Einzelhandel hinter verschlossenen Türen mit viel Geld getestet wird, ist ein Geheimnis. Und da sind wir beim Kern der Problematik: “Cultural Change” – keine Angst vor Fehlschlägen! Wie sagte Jeff Bezos im April 2016 in seinem Brief an die Shareholder: One area where I think we are especially distinctive is failure. I believe we are the best place in the world to fail (we have plenty of practice!), and failure and invention are inseparable twins.”

Genau das ist der Unterschied zwischen etabliertem Handel und Amazon – die bringen die Kraft (Technologie) auf die Straße – auch mit dem bewussten Risiko zu scheitern. Im schlimmsten Fall hat man etwas gelernt. Da sind wir schon beim nächsten “Buzzword”, das keines ist, sondern knallharte Bedingung, um im digitalen Zeitalter zu überleben: “Fail fast, learn fast”. Heißt konkret: Schnell vom Laborversuch in das echte Business gehen – langwierige Entscheidungsprozesse über viele Hierarchiestufen machen Geschäftschancen kaputt. Mal schauen, wie schnell die Konkurrenz reagieren wird.

Übrigens: Disruptionen betreffen nicht nur den Handel, sondern alle Industrien. Natürlich auch die Informationstechnologie, wie ich aus eigener Anschauung sehr wohl weiß. Wer hat das Cloud Business “erfunden” und damit das Geschäftsmodell von IBM, Microsoft und vielen anderen durcheinandergewirbelt? Richtig –  Amazon. Das mit der Fehlerkultur scheint ja recht gut zu funktionieren.  🙂