10.000 Mitarbeiter, keine Manager, 40% weniger Kosten als der Wettbewerb: Über den Visionär Jos de Blok „Menschlichkeit über Bürokratie“

Jos de Blok ist der Gründer des niederländischen Pflegedienstes „Buurtzorg“ und würde sich selber wohl nicht als ein Leuchtturm der Digitalisierung sehen. Als Visionär aber vielleicht schon, denn er hat die Pflege revolutioniert bzw. auf das wirklich Wichtige reduziert – den Menschen. Und genau deshalb hat er mehr als 10 Jahre bevor Begriffe wie „NewWork“ „selbstorganisierende Teams“ „Customer Centricity“ zum Hype wurden, mit Leben erfüllt.

Ich erzähle diese Geschichte, weil sie zeigt, was die heute so gehypten Methoden und Mechanismen der neuen Arbeitswelt wirklich bewegen können – und dass sie am Ende des Tages einfach nur die besten Prinzipien widerspiegeln, in denen Menschen ihr Bestes geben.

Genug der Vorrede, fangen wir an: Jos de Blok war Geschäftsführer eines klassischen Pflegedienstes, bei dem im Laufe der Jahre immer mehr Managementebenen und Prozesse eingeführt wurden. Mit der wohl bekannten Begründung, die nicht an das Gesundheitswesen gebunden ist: Komplexität muss mit mehr Management und engeren Vorgaben begegnet werden, damit noch kostendeckend gearbeitet werden kann. Das Ergebnis: die Kosten hatten sich innerhalb von 10 Jahren verdoppelt. (Kommt Ihnen bekannt vor? Ich sage ja, die Argumente werden in allen Branchen verwendet, sind deshalb aber nicht stichhaltiger – denn auch die Ergebnisse gleichen sich)

Die Sinnfrage: „Wozu gibt es uns?“

Jos de Blok wagte etwas Neues und gründete im Jahre 2006 „Buurtzorg“, um eine Vision umzusetzen. Diese Vision lautete „Menschlichkeit über Bürokratie“. Daraus leitet sich alles andere ab, denn eine Vision ist nur dann eine Vision, wenn sich daraus konkrete Handlungen ableiten.

Wenn Menschlichkeit mein Unternehmen ausmacht, gilt das natürlich nicht nur nach außen zu den Patienten hin, sondern beginnt innerhalb – beim Vertrauen zu den Mitarbeitern. Gelebtes Vertrauen ist durch nichts zu ersetzen, denn es reduziert die beiden Kostentreiber und Motivationskiller „Befehl und Gehorsam“ und „Management“ auf ein Minimum.

Vertrauen ist alternativlos

Und da sind wir schon bei den sich selbst organisierenden Teams – ein weiterer Hype von heute, anno 2006 jedoch keineswegs. Das heißt konkret: keine Einsatzpläne mehr mit Vorgaben, wann welcher Patient welche Dienstleistung erhält. Stattdessen begann Buurtzorg mit einem Team von vier Pflegekräften, sie ein Gebiet/Stadtviertel mit Patienten unter sich aufteilen mit Patienten, die dauerhaft von einem Mitarbeiter versorgt werden. So werden Beziehungen und ein tieferes Verständnis für die individuellen Belange des Pflegenden aufgebaut.

Customer Centricity oder „Was braucht mein Patient wirklich“ ?

Und mit dem Verständnis kommt eine ganz neue Qualität in die Dienstleistung von Buurtzorg. Die Pflegekräfte erkennen, wenn ein Mensch einsam ist oder kein gutes Verhältnis zur Familie hat. Die Mitarbeiter von Buurtzorg klingeln dann auch schon mal beim Nachbarn und fragen, ob Interesse besteht, einfach mal bei dem älteren Menschen von nebenan vorbeizuschauen. Oder sie suchen den Kontakt zu Angehörigen und versuchen die familiären Bande wieder zu stärken. Gelebte Vision „Menschlichkeit über Bürokratie“. Weniger Einsamkeit bedeutet mehr Gesundheit, bedeutet weniger Pflegebedarf. Sozusagen macht sich Buurtzorg in gewisser Weise zumindest teilweise überflüssig.

Die Zahlen widerlegen alle Zweifler

Jos de Blok hat in seinen Vorträgen oft davon berichtet, dass man im am Anfang wenig Chancen eingeräumt hat. Die Begründung: „das kann nur mit kleinen Teams funktionieren, sobald du wächst, wirst Du wieder Prozesse brauchen.“ Das Gegenteil ist der Fall.

  • Von 1 Team und 4 Mitarbeitern im Jahre 2006 auf mehr als 1.000 Teams und 14.000 Mitarbeiter im Jahr 2018.
  • 40% (!!) Kostenreduktion
  • 30% weniger Pflegeaufwand
  • Fünfmal nacheinander beliebtester Arbeitgeber in den Niederlanden

„Ich weiß nicht, wie ich es stoppen soll“

Zitat von Jos de Blok in einem Vortrag. Mittlerweile ist das Interesse weltweit geweckt: Für Buurtzorg arbeiten mittlerweile Menschen in den USA, Schweden, Großbritannien, Japan und China (insgesamt in 26 Ländern) – also in ganz unterschiedlichen Gesellschaften und Gesundheitssystemen.

Und noch ein paar Zahlen: Auch mit 10.000 Mitarbeitern hat Buurtzoorg nach wie vor keine Manager, sondern Coaches. Nach meinen Informationen etwa 30 (die Zahl stammt aus dem Jahr 2017). Die Zweifler wurden also widerlegt: Auch große Organisationen können selbstorganisiert arbeiten.

Erfahrungsaustausch durch ein Social Intranet

Menschen sind (nicht nur bei Buurtzorg) das wichtigste „Kapital“ eines Unternehmens. Damit die Teams sich austauschen können, gibt es seit der Gründung 2006 ein Social Intranet. Nur noch einmal zur Erinnerung: Facebook wurde 2004 gegründet, das zeigt also, wie weit Jos de Blok seiner Zeit voraus war. Er hat lange bevor es die heutigen Collaboration Tools wie Slack, Confluence oder Office365 gab, schon die Wirkkraft des vernetzten Arbeitens erkannt.

  • Teams helfen sich gegenseitig und fragen sich um Rat
  • Aufgaben werden koordiniert
  • Räumlich verteilte Teams fühlen sich trotzdem verbunden.

Das Prinzip „Gemeinschaft macht stark“ wird also nicht nur für die Patienten genutzt, sondern auch nach innen gelebt. Und um noch einen drauf zu setzen: Jos de Blok erzählt, dass immer häufiger Mitarbeiter auf ihn zukommen, die eigentlich in Rente gehen könnten. Sie möchten noch länger aktiv arbeiten, da die Tätigkeit solch eine Freude bereite. Und das bei einem so fordernden Beruf wie der Pflege. N

Die Erfolgsgeschichte von Buurtzorg zeigt, wie Unternehmen langfristig Erfolg haben, wenn sie auf die Fähigkeiten der Mitarbeiter setzen, Vertrauen und Potentialentfaltung zulassen und über all dem ein höheres Ziel steht, dem alle in der Organisation folgen können. Was soll da noch schief gehen?

Quellen:

Digistoteles Episode 007 – Fokus Energie: Wenn Konsumenten Erzeuger werden, warum Stromnetze intelligent werden müssen und die Chancen für (fast) kostenlose Energie

Als Kind des Ruhrgebietes waren Unternehmen wie RWE und eon unveränderliche Konstanten, Diskussionen zum Thema Umweltschutz inklusive. Die liefern Strom und daran wird sich auch in 500 Jahren nichts ändern. Punkt.

Dass gerade diese Branche so schnell fundamentale Veränderungen erleben würde, hätte ich vor weniger als fünf Jahren nicht für möglich gehalten. Und auch hier wieder der immer gleiche Mechanismus der Digitalisierung: mehrere Faktoren spielen eine Rolle und die Auswirkungen von verschiedenen Technologien überlagern und verstärken sich.

Erst die Digitalisierung verändert das Spiel grundlegend. 

Doch von Anfang an: Über die Jahre sind viele Kunden zum Erzeuger von Energie geworden – dank der Solarpanele auf dem Dach. Und da stößt unser Energienetz, dessen Konzeption noch aus den Anfängen der Industriealisierung stammt, an seine Grenzen. Denn das ist darauf ausgelegt, dass wenige Kraftwerke viele Abnehmer mit Strom versorgen. Durch die Atomenergie wurde dieser zentralistische Ansatz in den 70ern noch manifestiert.

von zentralen Netzen zu einem verteilten System

Die Hinwendung zu Strom- und Windenergie bringt mehrere Herausforderungen mit sich:

  • Energie wird nicht mehr konstant und planbar erzeugt
  • Mehr und mehr private Haushalte sind nicht mehr nur Konsumenten, sondern erzeugen selber Strom

Damit passt die heutige Netzarchitektur nicht mehr, sondern muss umgebaut werden von einem zentralen zu einem verteilten oder dezentralen System mit vielen Energiespeichern. Damit bräuchte überschüssige Energie nicht mehr ins Ausland verkauft werden zu unattraktiven Preisen auf den Strombörsen. Energiespeicher müssen nicht zwingend klassische Batterien sein, sondern können auch Wasserstoffspeicher sein. Dieser Wasserstoff könnte dann auch wieder an Autos mit Brennstoffzellenantrieb verkauft werden.

Künstliche Intelligenz zur Vorhersage von Energiebedarf und Verteilung

Wenn Energiespeicher immer wichtiger werden, warum nicht auch die Batterien der immer zahlreicheren E-Autos nutzen? Bei Energiebedarf könnte die Batterie entladen werden, bei Überschuss beladen. Dazu braucht es jedoch intelligente Ladestationen, öffentliche und in privaten Haushalten. Hier kommt nun die Informationstechnologie ins Spiel, die durch Auswertung von Wetter- und Verbrauchsdaten immer genauere Prognosen erstellen kann und darauf basierend eine inteligente Preisgestaltung – ähnlich wie bei Flugpreisen: flexibel und an den Bedarf angepasst.UAls Autobesitzer könnte ich mir gut vorstellen, dass ich meine Batterie entladen lasse, wenn ich die Bedingungen dafür festlegen kann – zum Beispiel, dass immer noch genügend Strom vorhanden ist, um zur Arbeit fahren zu können. Die Blockchain mit Smart Contracts lässt grüßen. Und natürlich muss die Stromentnahme vergütet werden – damit würde Elektromobilität noch günstiger.

Die Aufgabe der Politik

Damit sind wir auch schon bei der Politik: Die muss die Rahmenbedingungen schaffen mit einem schnellen Ausbau der intelligenten Ladestationen zum Beispiel. Und dem Bürger vermitteln, welche Möglichkeiten ein intelligentes Stromnetz bringen würde: zu, Beispiel dramatisch fallende Strompreise – wie das Beispiel oben zeigt. Denn Energie ist ja genügend vorhanden, die Herausforderung ist die intelligente Speicherung und Nutzung. Erinnert sich noch jemand an die Nachtspeicheröfen? Dort wurde Energie nachts gespeichert zu niedrigeren Stromkosten, denn nachts war der Bedarf ja nicht so hoch. Dasselbe Prinzip kann man auch in Smart Grids anwenden: Bei Energieüberschuss im Netz und in dem Moment gerade günstigen Stromkosten stellt sich meine Waschmaschine automatisch an – wenn ich es möchte und damit Geld sparen kann.

Energie könnte aus Dauer sehr viel billiger werden, Energiekonzerne entwickeln neue Geschäftsmodelle

Nachhaltige Energie wird heute schon übrigen immer günstiger, die Preise sind seit 2012 deutlich gefallen, wie dieser Artikel vom Weltwirtschaftsforum zeigt. Manche Stimmen prognostizieren, dass Energie fast kostenlos werden könnte. Was das für unser Wirtschaftssystem bedeutet, ist nur zu erahnen. Auf jeden Fall ändern sich die Geschäftsmodelle der Energiekonzerne deutlich. Innogy beispielsweise hat mit seinen Startup-Ausgründungen Shine und neokii schon gezeigt, in welche Richtung es gehen wird:

  • Datenservices für Privatkunden: Wie liege ich im Verbrauch im Vergleich zu anderen vergleichbaren Haushalten, wo sind Einsparpotentiale
  • Beratung bei der Standortbestimmung für Windräder: Wetterdaten, Verbrauchswerte der lokalen Abnehmer

Ihr seht also, das Thema Energie ist sehr vielfältig. Wenn Ihr mehr hören wollt – hört Euch Episode 007 von Digistoteles an – ab Sonntag, 19. März, hier auf Kontrollverlust-fm.de oder Apple Podcasts und Spotify.

ctrlV011 - Smarter Cities

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Links zur Folge:

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ctrlV010 - Blockchain - wozu braucht man das konkret?

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Digistoteles Episode 005 – Anwendungsfälle der Blockchain

In der aktuellen Episode von Digistoteles geht es um den konkreten Nutzen der Blockchain-Technologie. Wozu ist das Ganze eigentlich gut?

Wir reden natürlich über Kryptowährungen:

Was unterscheidet Kryptowährungen von “normalem” Geld – das führt uns dann zum Antrieb, der Kryptowährungen überhaupt hat aufleben lassen.

Könnten Bürger wirtschaftlich kriselnder Staaten in Kryptowährungen einen Ausweg sehen? Und was macht das alte Geld? Können die die Ausbreitung von Kryptowährungen überhaupt verhindern?

Identitätsmanagement

Was versteht man darunter? Warum sind mit Identitäten nicht zwangsläufig nur Menschen verbunden, sondern der Begriff wird erweitert um Gegenstände. Wenn Gegenstände eine Identität haben können, können sie dann auch geschäftsfähig werden? Ja – können sie – soviel schon vorweg. Und wir benennen ein paar konkrete Anwendungsfälle, die es heute schon gibt

Datenschutz

Wie lässt sich das globale Kontoführungsbuch, das nie vergisst, mit dem Datenschutz vereinbaren? Auch hier berichten wir von ersten Projekten – und warum Blockchain die Lösung für die digitale Krankenakte sein könnte.

Neugierig geworden?

Dann gebt euch die neueste Folge auf die Ohren – wie immer hier auf Kontrollverlust, aber auch auf Apple Podcasts und Spotify.

Viel Spass!

ctrlV009 - Blockchain - die Technologie dahinter erklärt

Shownotes

…. oder was Chicken McNuggests und Blockchain gemeinsam haben

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Digistoteles Episode 004 – Blockchain und der Vergleich mit Chicken McNuggets

Blockchain soll die Welt verändern oder wahlweise sogar retten – je nachdem, wen man fragt. In der heutigen Episode von Digistoteles fangen wir erstmal bei den Basiscs an und versuchen die Technik dahinter zu erklären. Zum Nachlesen und Nachdenken zu diesem komplexen Thema gibt es diesmal einen ausführlicheren Text. Beginnen wir mit einer Frage:

Was ist die Blockchain?

Kurz gesagt: ein Kontoführungsbuch, in dem alle nur denkbaren Einträge protokolliert werden können. Einträge in diesem System können alles mögliche sein: Eigentumsverhältnisse, wie lange ein LED-Licht gebrannt hat oder der Temperaturverlauf eines Containers auf der Überfahrt von Asien nach Europa.

Dieses Kontoführungsbuch wird nicht von einem einzigen Buchhalter geführt wird, sondern von mehreren an verteilten Standorten. Soll ein neuer Eintrag hinzugefügt werden, muss die Mehrheit der “Buchhalter” das Ergebnis als korrekt verifiziert haben – also mindestens 51% der Buchhalter müssen zum selben Ergebnis gekommen sein. Diese Übereinstimmung der Mehrheit nennt man “Consensus”. Erst dann wird der Eintrag in das Kontoführungsbuch geschrieben, das jedem Buchhalter in einer Ausfertigung vorliegt – die Datenbank”kopien” müssen immer gleich sein bei allen Buchhaltern.

Kein Einzelner hat die Macht, etwas zu verändern – die Gemeinschaft kontrolliert sich gegenseitig

Erste Erkenntnis: Die Blockchain ist die Abkehr von der zentralen Datenhaltung einer Instanz mit allen Implikationen hinsichtlich Datenhaltung und Datensicherheit: Sind die Daten sicher bei dieser einen Instanz, was macht diese Instanz mit den Daten? Marc Zuckerberg und Cambridge Analytica lassen grüßen. In Blockchain System hingegen kann keiner heimlich Transaktionen ausführen.

Zweite Erkenntnis: Das Sytem braucht keinen Mittelsmann, sondern es überprüft und schreibt sich selbst fort: Autofahrten bestellen ohne Uber, Übernachtungen mieten ohne AirBnB.

Das ist noch nicht alles: Hinzu kommt der Aufbau in Ketten. Nehmen wir einmal an, ich möchte in einer Blockchain den Besitz einer Immobilie dokumentieren. Gegen die digitale Besitzurkunde läuft ein Verschlüsselungsalgorithmus, der eine Buchstaben/Zahlen Kombination ausgibt – der Hash. Dieser ist immer gleich – wenn in dem Dokument auch nur ein Komma geändert würde, würde sich der Hash verändern. Zudem wird die Quersumme aus allen vorherigenTransaktionen gebildet als weiteres Sicherheitsinstrument. Würde also ein Baustein aus der Kette entfernt werden, würde die Quersumme nicht mehr stimmen.

Wie bei einer Gruppenreise: Jeder muss nach dem Nachbarn schauen

Im Grunde kann man es sich vorstellen, wie bei einer Gruppenreise. Damit nach einer Pause auch keiner verloren geht, muss jeder nachschauen, ob der Nebenmann/frau wieder da ist. Das Fehlen einer Person fällt nach der Methode sofort auf.

Manipiulation ist so gut wie unmöglich

Wollte jemand die Daten in der Blockchain manipulieren, ist der Aufwand enorm hoch – um nicht zu sagen, die Hürden sind unüberwindlich:

  • Hürde 1: Wenn ein Eintrag manipuliert werden soll, muss die ganze Kette geändert werden
  • Hürde 2: Alle Kopien der Datenbank müssen gleichzeitig verändert werden

Dies ist extrem rechenintensiv, denn die beschriebene Verschlüsselung müsste praktisch für das ganze System neu gerechnet werden – und das mit den modernsten Verschlüsselungsmechanismen. Aus diesem Grund ist die Blockchain auch noch nie gehackt worden.

“Die Blockchain zu hacken ist so einfach, wie ein Chicken McNugget zurück in ein Huhn zu verwandeln.” Don Tapscott

Wenn Ihr jetzt sagt – “stimmt nicht, ich habe da doch was gelesen. Es wurden doch schon Bitcoins gestohlen”. Ja stimmt! Das lag aber nicht am System der Blockchain. Da für viele Laien der Zugang zur Blockchain zu kompliziert erscheint, bieten viele Anbieter einen Service an, der auch ohne Vorkenntnisse den Erwerb z.B. von Bitcoins ermöglicht. Hierfür braucht man für die Verschlüsselungsmechanismen einen privaten Schlüssel. Dieser wurde nicht sicher genug verwahrt. Kommen Hacker an diese Verschlüsselungsschlüssel, können sie Konten von Dritten “übernehmen”.

Apropos Bitcoin – wie kommt der ins Spiel?

Als Reaktion auf die weltweite Finanzkrise hat unter dem Pseudonym “Sathosi Nakamoto” hat ein bis heute unbekannter Mensch die Blockchain Technologie 2009 “erfunden” (na ja, eigentlich gab es die einzelnen Technologien vorher schon – Verschlüsselung und dezentrale Datenbanken – er hat sie nur sinnvoll zusammengeführt).

Was unterscheidet Kryptowährungen von klassischen Währungen?

Es gibt keine Zentralbank, die Geld verwaltet und die Geldmengen bestimmt. Die Anzahl von Bitcoins ist berenzt auf 21 Millionen (deflationaär)- auch hier ein fundamentaler Unterschied zum Bankensystem, die beliebige Summen Geld drucken können (inflationär).

Neue Bitcoins werden von den Minern erzeugt – sie erhalten diese als Incentivierung oder Gegenleistung für die Verifizierung der Transaktionen. Diese Verifizierung ist durch die aufwändige Verschlüsselung sehr rechenintensiv = sehr energieintensiv. Wenn ich Bitcoins kaufe, erwerbe ich damit die Leistung, die andere für die Verifizierung erbracht haben.

Das klassische Finanzsystem basiert auf Vertrauen – dass die Bank mein Geld auf dem Konto sicher verwahrt im Zusammenspiel mit Zentralbank und Staat. Bitcoin basiert auf Misstrauen – nach dem oben genannten Prinzipien des Consensus und der Verschlüsselung zusammenhängender Blöcke.

Nicht nur Banken, sondern alle MIttelsmänner werden überflüssig durch die dezentrale Blockchain Technologie.

Und da sind wir schon bei den Anwendungsfällen – nicht nur Währung ohne Banken, sondern Transaktionen ohne MIttelsmänner: also Hotels ohne Booking.com, Fahrten buchen ohne Uber usw.

Vereinfacht gesagt: Überall da, wo mehrere Parteien miteinander interagieren ohne dass sie sich kennen und vertrauen, kann die Blockchain-Technologie zum Einsatz kommen.

Das alles könnt Ihr Euch in der nächsten Folge von Digistoteles noch einmal genauer anhören: am Sonntag, den 31.März geht diese online.

ctrlV008 - Podcasts auf Spotify - muss das sein?

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Digistoteles Episode 003 – Digitaldemokratie

Muss unsere Demokratie digital werden?

Digitalisierung verändert ja angeblich alles – also auch unser Demokratieverständnis? Darum geht es in der Episode 3 von Digistoteles.

Bevor Veränderungen diskutiert werden, sollte zunächst einmal klar sein, was denn die Grundlagen von Demokratie heute sind: in freien und geheimen Wahlen werden Volksverteter für einen bestimmten Zeitraum gewählt, die einem Parteiensystem angehören. Anders ausgedrückt: wir alle beauftragen für einen recht langen Zeitraum (4 bis 5 Jahre je nach Wahl) Parteiverteter, die die größte Schnittmenge mit unseren eigenen Überzeugungen und Wertvorstellungen haben – und hoffen, dass sie bei allen zum Zeitpunkt der Wahl noch unbekannten Ereignissen schon so ungefähr in unserem Sinne agieren werden.

Die Liste der Ereignisse, wo genau dies nicht passiert – also der Wähler sieht seinen Wahlauftrag als nicht erfüllt an – ist lang: von den großen Themen der Migration bis hin zu lokalen Projekten wie Stuttgart 21. Einige wenige entscheiden und viele fühlen sich nur als “Stimmvieh” missbraucht – es knallt! Was könnte man dagegen tun?

Digitale Abstimmungen über Themen statt Wahlen? Wozu dann noch Parteien?

Mit anderen Worten: mehr Volksabstimmungen! Die Schweiz wird von den Befürwortern als Beispiel hergenommen, “Brexit, Brexit!!” halten die Gegner dagegen. Ein Selbstläufer sind Volksabstimmungen also nicht, sondern es müssen Regeln definiert werden:

  • Bottom-up (Schweiz) oder auch Top-down (Brexit) Abstimmungen erlauben?
  • Über was genau darf abgestimmt werden? Wie können Suggestivfragen verhindert werden?
  • Wie kann verhindert werden, dass aktuelle Stimmungen (z.B. nach einem Terroranschlag) von Populisten ausgenutzt werden?

Und da unser Thema ja die Digitalisierung im Fokus hat, fragen wir uns, ob und wie Technologien hier sinnvoll eingesetzt werden können? Von grundsätzlichen Fragen wie:

Ist e-Voting sicherer oder unsicherer als analoge Wahlverfahren?

.. oder vielleicht ganz ungeeignet? Um es vorweg zu nehmen, wir sind uns selber nicht einig in diesem Punkt. Egal ob analog oder digital, “klassische Wahlen von Volksvertretern” oder “Volksabstimmung” es muss sichergestellt sein, dass Wahlen

  • frei

Wie kann eine Einflußnahme Dritter ausgeschlossen werden bei der Stimmabgabe? Entweder durch Stimmenkauf oder durch Ausübung von Druck? Und müssten dann nicht Briefwahlen verboten werden?

  • geheim

(bei e-Voting: wie kann sichergestellt werden, dass der Wählende wirklich der ist, der er vorgibt zu sein und wie kann dann nachher die Stimmabgabe von der Identität getrennt werden? Auch hier stellt sich wieder die Frage nach den Briefwahlen

  • gleich

sind.

Wenn Euch diese Themen interessiert, hört rein uns lasst uns wissen, was Ihr denkt? Haben wir wichtige Aspekte vergessen?

Hier noch ein paar Links, die wir im Podcast versprochen haben:

Hinweis von Arnd: Tom Scott fasst für Computerphile sehr übersichtlich die Probleme mit eVoting – oder Cybervoting – zusammen: https://youtu.be/w3_0x6oaDmI

ctrlV007 - Digitale Demokratie

Shownotes

In dieser Folge unterhalten sich Doro, Ralph und Arnd über die möglichen Auswirkungen der Digitalisierung auf Demokratie, Wahlen und Abstimmungen – teilweise durchaus kontrovers.

Muss unsere Demokratie digital werden?

.. und was sind eigentlich Merkmale von Demokratie? Brauchen wir noch Parteien oder wählen wir überparteiliche PErsonen, die bestimmte Themen in unserem Sinne vertreten? Sind Volksabstimmungen ein sinnvolles Mittel für mehr Partizipation? Was muss dabei beachtet werden, damit ein Land nicht ins Chaos zu stürzen droht (Brexit)?

Kann e-Voting überhaupt sicher durchgeführt werden? Wie können digitale Abstimmungen gleichzeitig frei (= ohne Einflußnahme Dritter), geheim (= Identität des Wählers feststellen bei gleichzeitiger Anonymisierung der Stimmabgabe) und gleich sein? Ist eigentlich unser jetziges Wahlverfahren sicher und ist es wirklich analog? Denn irgendwann werden die von den Wahlhelfern ausgezählten Stimmen ja digitalisiert?

Um es vorweg zu nehmen – wir sind unterschiedlicher Meinung in dieser Episode. Bildet Euch selbst Eure Meinung und sagt teilt uns mit, was Ihr denkt.

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