Digistoteles Episode 10: Agiles Arbeiten oder die Kunst, Fahrradfahren zu lernen

Ja, auch wir springen auf den Buzzwordbingo-Zug auf. Aber nicht, um auch mal drüber geredet zu haben, sondern um unsere konkreten Erfahrungen darüber auszutauschen. Wir – das sind in dieser Folge Arnd und ich (Doro) und wir propagieren diese Art des Arbeitens schon ein paar Jahre und haben damit unsere Erfahrungen gemacht.

Und ich nehme es direkt vorweg: Uns ist das Thema sehr wichtig, weil wir glauben, dass ohne diese Art des Arbeitens Unternehmen nicht mehr schnell genug sein werden, um in der rasanten Welt der Digitalisierung mithalten zu können.

Es reicht heute nämlich nicht mehr aus, groß und mächtig zu sein, um sich auf seinen Lorbeeren ausruhen zu können.

Die Automobilindustrie beispielsweise fängt gerade erst an, dies schmerzhaft zu spüren. Die nächsten Jahre werden nach meiner Prognose noch viel härter werden. Aber zurück zur Methode. Worum geht es eigentlich? Der Kern aller agilen Arbeitsmethoden ist, dass sie auf einem empirischen Ansatz aufbauen. Heißt konkret:

Am Anfang des Projektes kann man noch nicht alle Aspekte kennen, die man bis zur Fertigstellung wissen muss. Erfahrung und neues Wissen ergeben sich mit dem Fortschritt der Arbeiten und werden sukzessive eingebaut. Damit ist man viel flexibler und näher an der Realität als in den sogenannten Wasserfallmethoden.

Die Wasserfallmethode ist eine Illusion, denn sie geht von einer Planbarkeit der Welt aus, die es so nicht gibt.

Deshalb ist agiles Arbeiten so schnell: Es ist näher am wahren Leben: das bedeutet, ich muss mit Überraschungen und veränderten Rahmenbedingungen umgehen. Arnd stellt die – aus meiner Sicht sehr wahre – These auf, dass auch in Wasserfallmethoden so gearbeitet wird, weil die Realität die Planung sowieso wieder einholt. Es will nur keiner zugeben und kostet mehr Zeit, weil die Methode dies nicht hergibt.

Warum ist es dann eigentlich so schwer, agil zu arbeiten? Der SCRUM Guide beispielsweise umfasst nur 19 Seiten. Die Regeln sind sehr einfach und schnell umgesetzt. Wenn da nicht die Tücke mit den Werten wäre.

Agile Werte verlangen Haltung

SCRUM kennt keine klassischen Manager – die Entwickler (also, die die Projektschritte bearbeiten) sind selbstorganisiert, die Aufgaben sind transparent verteilt. Jeden Tag trifft man sich kurz und gibt den anderen ein Update zur eigenen Arbeit. Heißt auch, wenn man einmal nicht weiterkommt, muss man dies zugeben – das erfordert Mut. Genauso wie die Offenheit, mit dem man miteinander kommuniziert. Denn das Verstecken von unangenehmen Themen oder Hindernissen in der Arbeit kostet Zeit – und dabei geht es ja bei der Methode: Geschwindigkeit hat oberste Prioriät.

Dies tatsächlich umzusetzen, erfordert Zeit. Die meisten von uns sind in hierarchischen Organisationen sozialisiert worden, wo die Führungskräfte sagen, was passiert. Offenheit und Selbstorganisation sind da ein großer Wandel.

Deshalb ist das agile Arbeiten wie Fahrradfahren: Nur eine Beschreibung zu lesen, wie es theoretisch funktioniert, reicht nicht aus. Man muss tatsächlich auf das Fahrrad steigen, ein paarmal hinfallen bis man es irgendwann kann, ohne groß darüber nachzudenken.

Interesse geweckt?

Dann hört Euch die aktuelleste Folge von Digistoteles an.

Und die kritische Betrachtung von Agilität gibt es in einer der nächsten Folgen.