Die Cloud Revolution – Oder warum Informationstechnologie nicht (nur) aus funktionaler Sicht betrachtet werden darf. Mein Gespräch mit Thomas Landgraf

Thomas Landgraf hat viele deutsche Großunternehmen strategisch beraten, wenn es um die Adaption von Cutting-Edge Hochtechnologie ging. Er hat für IBM, Microsoft und heute für T-Systems die Entwicklung von Cloudservices, künstlicher Intelligenz fast von der Geburtsstunde an hautnah miterlebt. Ich bin mit Thomas seit vielen Jahren befreundet, was das Gespräch auch für mich zu einem besonderen Erlebnis gemacht hat.

Weltherrschaft von weniger als einer Handvoll Unternehmen?

Wir beginnen unser Gespräch direkt mit dem delikaten Thema – beherrschen nun wenige Firmen der Informationstechnologie diese Welt? Thomas sieht das differenzierter, es benötigt ja zusätzlich zum Beispiel noch Energie und Netzwerktechnologien. Ohne den Backbone einer Deutschen Telekom Verizon, und wie sie alle heißen, nutzt die schönste Cloudtechnologie nichts. Und ja, es gibt nur wenige Unternehmen, die über genügend finanzielle Ressourcen verfügen, diese Technologien zu entwickeln und bereitzustellen.

Demokratisierung von Technologie

Andererseits geschieht durch den Wandel zur Cloud hin eine Demokratisierung von Technologie. Jeder – egal ob ein Großkonzern oder ein Startup – hat die Möglichkeiten künstliche Intelligenz und (fast) unbegrenzte Rechenleistung für sich zu nutzen. Computing Power aus der Steckdose. Zudem ist das Wissen über diese Technologie durch die großen Partnernetzwerke der IT-Riesen auf viele Köpfe weltweit verteilt.

Das Wissen von heute kann morgen wertlos sein

Wer in der IT arbeitet, dem bläst der Wind der Veränderung besonders stürmisch ins Gesicht. Heißt konkret, mein Wissen von heute kann morgen schon wertlos sein. Wenn mein Unternehmen sich entscheidet, in die Cloud zu gehen, wird es die Anwendung, für die ich jahrelang spezialisiert war, vielleicht so nicht mehr geben. Damit muss man erst einmal umgehen.

Lernen, Teilen & Vernetzen

Und da sind wir dann schon wieder beim Thema New Work. Es hängt eben alles mit allem zusammen. Auch wenn es die IT vielleicht zuerst spürt, leben wir doch alle in einer Welt, die von heute auf morgen von rechts auf links gedreht wird. Bereitschaft zu lernen, mit Unsicherheit umzugehen und mit anderen Erfahrungen zu teilen sind für das eigene (berufliche) Überleben und das des Unternehmens also essentiell. Isoliertes Inselwissen wird immer weniger gefragt werden, dafür mehr und mehr Teamplayer die aus ihrem KnowHow und ihrer Sichtweisen neue Wertschöpfung generieren.

Dies gilt nicht nur nach innen, sondern auch nach außen. Ein Beispiel dafür ist die Mitarbeit an Open Source Projekten. Wenn mehrere Unternehmen gemeinsam an einer Codebasis arbeiten, haben alle etwas davon. Auch die Sicherheit von Applikationen würde steigen, wenn alle gemeinsam etwas beitragen würden. Dies geht aber nur mit den entsprechenden Unternehmenswerten. Merken Sie etwas? Wir sind schon wieder bei einem der Schlagworte von New Work. Und schon kommt das nächste:

Agil muss jeder sein

Wandel, Komplexität und Ungewissheit – darum sind agile Arbeitsmethoden entstanden. Weil sie diese Umweltbedingungen als gegeben akzeptieren und in die Arbeitsweise mit aufnehmen. Thomas sagt aber ganz klar: „heute sind wir mal agil und morgen geht es ins Personalbewertungsgespräch“ das wird nicht funktionieren.

Wenn der Vorstand sagt, „Bringt mir Euer Problem, gemeinsam werden wir es lösen“ ist man auf einem guten Weg. Aber es soll sich keiner der Illusion hingeben, man könne 100 Jahre hierarchische Sozialisation auf mit einem Kickoff Meeting aufbrechen.

Sind wir in Deutschland zu satt?

Wir beenden das Gespräch mit einer fast philosophischen Betrachtung unserer Gesellschaft. Führt uns unser Sicherheitsstreben gerade in die Unsicherheit? Ist ein Beharren auf dem Status Quo (sei es Arbeitsplatz, Wissen oder Methodik) eine Sackgasse?

Neugierig? Die Episode gibt es hier auf die Ohren.

Kontrollverlust:

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Spotify:

Danke Thomas für das Gespräch! Das nächste Bier geht auf mich. 🙂

ctrlV019 - Die Cloud Revolution: Mein Gespräch mit Thomas Landgraf, Senior Product Manager Managed Cloud Services bei T-Systems International GmbH

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Kontributoren

Kontrollverlust FM
avatar Dorothee Töreki
 
avatar Thomas Landgraf